Kommentar:Es müssen einfach noch mehr werden

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Es darf nicht passieren, dass sich die noch kleine Gruppe der Corona-Leugner und Impfgegner stark fühlt. Darum muss man ihr mehr Widerstand bieten

Von Birgit Goormann-Prugger

Endlich, möchte man fast sagen. Endlich haben sich auch in der Stadt Freising diejenigen öffentlich zu Wort gemeldet, die sich nicht abfinden wollen mit den kruden Theorien derer, die Corona für eine harmlose Grippe halten, die Pandemie für einen großen Schwindel der Mächtigen, um Kontrolle über das Volk zu haben, und die meinen, es besser zu wissen, als ausgewiesene Wissenschaftler.

Es ist gut und richtig, dass Mitglieder von "Freising ist bunt" am Montag auf dem Marienplatz die Stimmen erhoben haben gegenüber den "Spaziergängern", die sich mit ihrer Weigerung, sich impfen zu lassen und die Corona-Maßnahmen zu akzeptieren unsolidarisch verhalten gegenüber jenen, die in dieser Pandemie die größte Last trage müssen. Dazu gehört neben teilweise schwer kranken Covid-Patienten das Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, in Impf- und Testzentren, in Apotheken und bei den Rettungsdiensten, die seit bald zwei Jahren unter Extrembedingungen arbeiten müssen. Dazu gehören Gastronomen, Einzelhändler und Kulturschaffende, die in ihrer Existenz bedroht sind, Kinder und Jugendliche, die mit Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen aufwachsen müssen.

Es ist auch gut und richtig, dass "Freising ist bunt" darauf hingewiesen hat, dass sich rechte Gruppierungen die sicher auch berechtigten Ängste und Sorgen der Impfgegner zunutze machen und deren Versammlungen unterwandern. "Eine kleine, aber laute Gruppe" zwinge mit ihrem Egoismus und ideologischem Beharren die große Mehrheit weiter zu Freiheitseinschränkungen, damit die Intensivstationen nicht überlastet würden, kritisierte der Sprecher der Grünen Jugend, Andreas Hauner. Und diese Gruppe, so hat es den Anschein, fühlt sich stark. Darum hätte man sich am Montagabend gewünscht, dass sich den immerhin 200 von der Polizei gemeldeten "Spaziergängern" mehr als die 100 Teilnehmer der "Freising ist bunt"-Kundgebung entgegensetzen. Es müssen einfach noch mehr werden, die ihre Stimme auch öffentlich erheben gegenüber denen, die nur Ängste, Unruhe und Verunsicherung verbreiten wollen.

Sonst könnte es passieren, dass diese "kleine Gruppe" meint, sie sei tatsächlich Teil einer größer werdenden Mehrheit, deren Argumente auch bald Gewicht haben. Das darf einfach nicht passieren.

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