Es ist ja gut und richtig, dass jemand auf die Isarauen aufpasst. In der explodierenden Flughafenregion braucht die Natur eine Lobby, braucht jede Stimme, die sich für ihren Schutz und Erhalt einsetzt. Insofern ist zu begrüßen, dass der Bund Naturschutz in Gestalt seines Kreisgeschäftsführers, Grünen-Stadtrat Manfred Drobny, ganz genau hinschaut, wenn ein größerer Eingriff geplant wird - und ja, auch wenn der von der Mehrheit des Stadtrats gewünschte Isarsteg-Süd "nur" von Radlern und Fußgängern genutzt würde: Trotzdem entstünden hier erhebliche zusätzliche Belastungen in den ohnehin unter erheblichem Freizeitdruck stehenden Isarauen.
Gleichzeitig - und dazu kann es keine zwei Meinungen geben - braucht es eine bessere Anbindung des Stadtteils Lerchenfeld mit seinen bald 13 000 Einwohnern. Wenn Freising nicht in naher Zukunft komplett im Chaos versinken soll, müssen zeitnah die Wege für den nicht-motorisierten Verkehr verbessert werden. Aber dafür muss keine neue Brücke gebaut werden. Man sollte besser die Planungen für den barrierefreien Ausbau der Unterführung am Bahnposten 15 mit höchster Priorität vorantreiben und - was noch viel wichtiger wäre - sich noch einmal mit der Schlüterbrücke befassen.
Wer die im Süden der Stadt entstehende Kreuzung der künftigen Westtangente mit der Münchner Straße betrachtet, muss sich fragen, wie hier in wenigen Jahren der Verkehr von der Umgehung über die FS 44 störungsfrei Richtung Lerchenfeld und zum Flughafen gelangen soll: Unübersehbar bildet die Brücke über die Isar ein stauträchtiges Nadelöhr. Ein Ausbau wird von den Behörden mit Verweis auf den damit verbundenen Eingriff in das FFH-Gebiet Isarauen abgelehnt. Der "Turbokreisel" aber, der stattdessen ein Stück weit Richtung Lerchenfeld gebaut werden soll, würde nicht nur enorme Flächen verbrauchen und Millionen verschlingen, er würde das Problem der nur zweispurigen Brücke auch nicht lösen.
Die Entscheidung für den Bau der Westtangente kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Also müssen alle Beteiligten nun wenigstens versuchen, einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Verkehrsbedürfnissen zu schließen: Die Schlüterbrücke muss verbreitert und mit einem sicheren Radweg versehen werden - auch wenn das an dieser Stelle zu Lasten des FFH-Gebiets ginge. Dafür wird sowohl auf den indiskutablen Turbokreisel als auch auf den Isarsteg-Süd verzichtet. Der Bund Naturschutz hat so einen Deal schon einmal abgeschlossen: 2014 zog er seine Klage gegen den "Isarsteg-Nord" zurück, weil die Stadt im Gegenzug auf das Freizeitgebiet "Isarschleiferl" verzichtete.