Knast-Brettl in der Krise Schluss mit lustig

Atmosphärische Störungen hinter den Kulissen gefährden die Zukunft des Lokalkabaretts - dabei gäbe es gerade jetzt in der Freisinger Kommunalpolitik so viel zu lachen.

Von Birgit Goormann-Prugger

FreisingDrei umjubelte Programme, immer ausverkaufte Vorstellungen und das alles für einen guten Zweck - der Erlös ging stets an den "Förderverein Altes Gefängnis": Das Lokalkabarett "Freisinger Knast-Brettl" ist eine Erfolgsstory. Ob sie eine Fortsetzung findet, ist allerdings fraglich. In diesem Jahr legt das Ensemble laut Ernst Graßy schon mal "eine schöpferische Pause" ein, nachdem sich Stephan Gruber nach "atmosphärischen Störungen" bei der Zusammenarbeit mit Graßy aus dem Ensemble verabschiedet hat. Für 2013 kündigt Ernst Graßy dennoch ein neues Programm des Knast-Brettls an.

Graßy will das Freisinger Lokal-Kabarett im nächsten Jahr zusammen mit Anna Barbara Grassl, der Dritten im Bunde, wiederbeleben - und mit einem neuen dritten Mitspieler. "Wir sind gerade auf der Suche nach jemandem", sagt er. Anna Barbara Grassl selbst war am gestrigen Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Stephan Gruber jedoch bezweifelt, dass sie 2013 wieder mitspielt. "Mein letzter Kenntnisstand ist, dass sie auch keine Lust hat", sagt er. Die Lage hinter den Kulissen des Freisinger Knast-Brettl scheint einigermaßen verfahren zu sein. Im Gespräch mit den Beteiligten treten zudem unterschiedliche Sichtweisen zutage.

Ernst Graßy kann es sich laut eigenen Aussagen gar nicht erklären, warum sich Stephan Gruber plötzlich zurückgezogen hat. "Es hat ja eigentlich nie ein Problem gegeben und er hat auch nie mit Anna Barbara Grassl oder mir darüber gesprochen", so Graßy. Angeblich werfe Gruber ihm, Graßy, vor, dass er alles an sich reiße und sich in den Vordergrund spiele. Er arbeite jedenfalls an dem neuen Programm für 2013 - und will dann auch den amtierenden Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher nicht mehr mit Glacéhandschuhen anfassen. "Das hätten wir vielleicht in diesem Jahr noch getan, man will ihn ja nicht gleich verschrecken."

Für Stephan Gruber indes ist Graßy das Problem. Es sei schwierig, mit jemandem in einem gemeinsamen Projekt wie dem Knast-Brettl zusammenzuarbeiten, der sich nicht als Teammitglied sehen könne, so Gruber. "Da kann man nicht immer sein eigenes Süppchen kochen, und das habe ich ihm auch gesagt", so Gruber. Ein Beispiel: Graßy habe seine Solonummern den beiden Mitspielern nie vorher gezeigt. "Die könnt ihr ja dann in der Premiere sehen", habe es geheißen. Und einmal habe er gefordert, dass für seine Solonummer die Bühne komplett umgebaut werden müsse. Nach mehreren unangenehmen Vorfällen dieser Art habe er darum seine Konsequenzen gezogen, "und ich bin da jetzt raus", versichert Stephan Gruber. Das sei schade, denn er habe immer gerne für das Freisinger Knast-Brettl gearbeitet. "Es ist ja ein tolles Projekt."

Höchst bedauerlich fände es auch Thomas Mücke, Vorsitzender des Fördervereins Altes Gefängnis, wenn das Knast-Brettl-Team nicht wieder zueinander finden würde. "Dieses Jahr wird es wohl nichts mehr. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn das Ensemble 2013 wieder auferstehen würde", sagt er. Dass es hinter den Kulissen nicht immer harmonisch zugegangen ist, kann Mücke zumindest andeuten. "Es war manchmal schwierig mit den Herrschaften", sagt er. Insgesamt drei Programme - "d'Wahrheit und nix wia d'Wahrheit", "Freigang" und "I sog nix" - hat das Knast-Brettl seit seiner Gründung im Jahr 2009 auf die Bühne gebracht. "Kabarett von Freisingern, für Freisinger, über Freising" war das Motto - und das kam immer gut an. Restkarten an der Abendkasse gab es jedenfalls nie