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Klinikum Freising:Onkologiezentrum muss ausziehen

Der Aufsichtsrat des Klinikums Freising hat entschieden, den Mietvertrag mit dem Betreiber des ambulanten Onkologiezentrums nicht zu verlängern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Aufsichtsrat des Klinikums entscheidet sich gegen eine Verlängerung des Mietvertrags mit Dirk Hempel. Für seine Praxis für ambulante Chemotherapie sucht der Mediziner nun neue Räume in Freising

Von Katharina Aurich, Freising

Vor etwa einem Jahr hat der Internist und Onkologe Dirk Hempel Räume im Klinikum Freising für ein "Onkologiezentrum" angemietet. Bereits an mehreren anderen Krankenhausstandorten betreibt Hempel solche Zentren, in denen Patienten, die an Krebs erkrankt sind, eine ambulante Chemotherapie erhalten. In der vergangenen Woche hat der Aufsichtsrat des Klinikums unter Vorsitz von Landrat Josef Hauner entschieden, den Mietvertrag mit Hempel nicht zu verlängern, er läuft am 30. September aus. Zu den Gründen hieß es in einer knappen Stellungnahme von Landratsamt und Klinikum lediglich, dass die "ohnehin bestehende Eigenständigkeit der beiden Einrichtungen auch räumlich verdeutlicht" werden solle.

Dabei liegt der Vorteil einer räumlichen Verknüpfung der Praxis für ambulante Chemotherapie mit dem Krankenhaus eigentlich auf der Hand. Treten bei Patienten Probleme auf, was öfters der Fall ist, werden sie sofort stationär versorgt. In der "Onkologischen Ambulanz" Freising werden etwa 400 Patienten behandelt, informierte Dirk Hempel, der selbst in Donauwörth praktiziert. Den Standort Freising leitet der angestellte Arzt Alexander Muth.

Doch offensichtlich ist seit Längerem klar, dass das Zentrum Hempels in den Räumen des Krankenhauses keine Zukunft hat, denn Christoph von Schilling, Chefarzt der Onkologischen Abteilung am Klinikum, erklärte: "Von uns aus erfolgt bereits seit Wochen die geordnete Übergabe der Patienten mit allen Unterlagen und Empfehlung der weiteren Behandlung an den Onkologen, den die Patienten zur Weiterbetreuung ausgewählt haben."

Der Kündigung vorausgegangen war vor zwei Monaten eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer (CSU) an Hempel und den Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung zu "gewissen Vorgängen in der Praxis", wie Schilling berichtete. Den Verantwortlichen des Klinikums habe es zu lange gedauert, bis die KV und Hempel sich zu den Fragen äußerten, deshalb habe der Aufsichtsrat entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern. Dieser Aussage widerspricht der Zulassungsausschuss der KV, der für die Genehmigung des Zentrums zuständig ist. Man habe Herrn Irlstorfer mitgeteilt, dass die KV nach einer Überprüfung keine Verstöße gegen vertragsärztliche Pflichten erkennen könne. "Auch liegen keine zusätzlichen Beschwerden oder Hinweise vor, die Anlass zu einer anderweitigen Bewertung geben könnten", informierte Pressereferentin Birgit Grain. Der Bayerischen Krebsgesellschaft in München sind ebenfalls keine Beschwerden von Patienten über die Arbeit des Onkologiezentrums bekannt.

Mit der Kündigung des Mietvertrags durch das Klinikum Freising wirbelt das Onkologiezentrum nun weiteren Staub auf. Schon als bekannt wurde, dass sich die Praxis am Klinikum etablieren würde, um ambulant Krebspatienten zu versorgen, regte sich unter den Patienten, die bisher von Chefarzt Christoph von Schilling betreut wurden, heftiger Widerstand. Schilling hatte nur eine zeitlich befristete Ausnahmegenehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten, sie läuft am 30. Juni aus. Er durfte Kassenpatienten betreuen, solange es keinen niedergelassenen Arzt gab, der dies übernehmen konnte. Das ist nun aber mit dem Onkologie-Zentrum der Fall. Ursprünglich war geplant, dass Schilling auch einen Teilzeitvertrag mit der Praxis von Hempel abschließt, damit der beliebte Arzt seine Patienten weiter betreuen kann. Dieses Modell ist aber vom Tisch, "gewisse organisatorische Punkte stehen einer allzu engen Zusammenarbeit mit dieser Einrichtung entgegen," sagte Christoph von Schilling. Nur Privatpatienten können sich am Klinikum künftig ambulant onkologisch behandeln lassen.

Hempel wird in Freising neue Räume suchen und von Juli an einen weiteren Kollegen einstellen, wie er sagte. Die Patienten müssten sich um ihre Versorgung keine Sorgen machen, betonte der Mediziner.

© SZ vom 23.06.2016
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