Klimaschutz:Rettungsversuch für Bayerns Moore

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Klimaschutz: Wie man trockengelegte Moore im Freisinger Moos rekultiviert, erforschen derzeit Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Wie man trockengelegte Moore im Freisinger Moos rekultiviert, erforschen derzeit Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Freisinger Moos testen Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, wie trockengelegte Flächen wieder vernässt und trotzdem landwirtschaftlich genutzt werden können - dies ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz

Von Katharina Aurich, Freising

Jahrzehntelang sind auch die Moore im Landkreis Freising trocken gelegt worden, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Aber in entwässerten Mooren zersetzt sich der Torf unter Sauerstoff, große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase werden freigesetzt, entweichen in die Atmosphäre, irgendwann ist das Moor dann verschwunden. Setzt man die Flächen wieder unter Wasser, kann dieser Prozess gestoppt werden. Wie man dabei am besten vorgeht, erforschen Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) unter der Leitung von Professor Matthias Drösler auf einem zwei Hektar großen Gebiet im Freisinger Moos.

Das Umweltministerium beteiligt sich an dem Forschungsvorhaben des Fachgebietes für Vegetationsökologie mit rund 2,8 Millionen Euro. Die Hälfte davon wird von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) bereit gestellt.

Dank ihrer Torfauflagen sind Moore ein einzigartiger Kohlenstoffspeicher und ein vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Dem schenkte man Anfang des 19. Jahrhunderts wenig Beachtung, Moore wurden großflächig trockengelegt. Werden sie wieder vernässt, benötigen Bauern alternative Nutzungsmöglichkeiten auf diesen Flächen. Zwei Landwirte im Freisinger Moos haben ihre Wiesen für das Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt und beobachten nun gespannt die umgegrabenen Flächen, wie Drösler berichtet. Projektkoordinator Tim Eickenscheidt hält die Fäden der beteiligten Forschungsgruppen zusammen. Ziel ist zu testen, bei welchem Wasserstand welche Nass-Bewirtschaftung gut funktioniert. Eine Variante ist dabei die Unterflurbewässerung, wobei Schläuche in den Boden gelegt werden. Damit sind die Auswirkungen der Wasserstandsanhebung lokal begrenzbar. In zwei weiteren Testgebieten im bayerischen und schwäbischen Donaumoos sollen nächstes Jahr weitere Varianten des Wasserstandsmanagements geprüft werden. Für große Moorflächen böten sich regelbare Wehre an. Auf den nassen Flächen werden Paludikulturen angebaut - Pflanzen wie Schilf, Sauergräser oder Rohrglanzgras, die im Wasser gut gedeihen. Die beiden Professoren Hauke Heuwinkel und Elke Meinken untersuchen in Teilprojekten deren Eignung für Verwertungswege wie Biogas oder als Torfersatzstoffe. Gräser, Seggen und Schilf seien nicht als Viehfutter geeignet, könnten jedoch thermisch zur Energiegewinnung oder auch als Dämm-Material genutzt werden, schildert Drösler.

Auf den Flächen wird der Wasserstand an die Bewirtschaftungsrhythmen angeglichen, die Landwirte benötigen eine entsprechende Ausrüstung, zum Beispiel eine Doppelbereifung, damit die Maschinen nicht einsinken. Denkbar sei auch, für Spezialgeräte überbetriebliche Lösungen mit dem Maschinenring oder dem Landschaftspflegeverband zu entwickeln und sich in Kooperationen die Maschinen zu teilen, so der Wissenschaftler. Natürlich würden bei der Vernässung der Flächen auch die Ansprüche des Naturschutzes berücksichtigt. Die Wiesenbrüter kämen vermutlich auch mit Segge-Beständen und Rohrglanzgras zurecht. Diesen Aspekt untersucht Christoph Moning, ebenfalls Professor an der HSWT. Wie sich das alles für die Landwirtschaft rechnet, ermittelt ein Kollege, der Betriebswirtschaftler Ulrich Bodmer. Denn entscheidend ist, wie eine schonende Moorbewirtschaftung auch betriebswirtschaftlich tragbar gestaltet werden kann.

Natürlich müssten Landwirte, die ihre Moorflächen großflächig vernässen, finanziell entschädigt werden. Denn einen Deckungsbeitrag, wie ihn ein Kartoffelacker erzielt, erreichen die Paludikulturen vermutlich lange nicht. Die Gesellschaft sei gefordert, diese Umweltleistung zu honorieren, appelliert Drösler an die Politiker im Freistaat. Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern, die Flächen umfassen rund 220 000 Hektar. Seit 2008 wurden davon 1500 renaturiert und gesichert. Da sich die Torfschicht trockengelegter Moore langsam abbaut, sind sie irgendwann unwiederbringlich verschwunden, sagt der Vegetationsökologe.

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