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Klimademo:Die Klimakrise ist immer noch da

Am weltweiten Klimastreik hat sich die Freisinger Gruppe von "Fridays for Future" beteiligt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die "Fridays for Future"-Bewegung trifft sich zur ersten Demonstration seit Beginn der Coronapandemie

Von Gudrun Regelein, Freising

"What do we want?", rief die junge Frau den Demonstranten zu, die sich trotz des strömenden Regens auf dem Freisinger Marienplatz versammelt hatten. "Climate Justice", lautete die Antwort aus etwa 150 Kehlen. "When do we want it?", stellte Sarah Manzer, Mitorganisatorin der "Fridays for Future"-Demo, ihre nächste Frage. "Now", lautete die Antwort. Es war die erste Kundgebung der 2018 gegründeten Klimaschutzbewegung in diesem Jahr - und die erste nach dem Lockdown.

Unter dem Motto "Kein Grad weiter" hatte "Fridays for Future" für diesen Freitag zum globalen Klimastreik aufgerufen. Auch die Freisinger Bewegung beteiligte sich daran. "Wir müssen nach Corona wieder zeigen, dass die Klimakrise noch immer aktuell ist", sagte Katharina Klimm, Sprecherin von "Fridays for Future" Freising. Mit der Demonstration wollten die jungen Klimaschützer in ganz Deutschland auf das Verzögern der Energiewende aufmerksam machen. Die Pläne der Bundesregierung, so lautet ihre Kritik, seien bei Weitem nicht ausreichend, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten. Laut diesem soll der globale Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius reduziert werden.

Im bayerischen Landtag fand an diesem Freitag zeitgleich zum Klimastreik eine Expertenanhörung zum geplanten Klimaschutzgesetz statt. Auch die genannten CO2-Ziele der bayerischen Landesregierung reichten jedoch nicht aus, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, kritisierte Katharina Klimm. "Das geplante Gesetz für Bayern ist viel zu schwach." Es sei eine "Klimamogelpackung". "Fridays for Future" fordert deshalb neben einer Minderung des CO2-Ausstoßes von mindestens 67 Prozent bis 2030 und einer Klimaneutralität bis 2035, eine jährliche Klimaberichterstattung der bayerischen Landesregierung und eine Mitsprache der Bürger im geplanten Klimarat. Es sei frustrierend zu sehen, wie schlecht es beim Klimaschutz aussehe, sagte Klimm. Um das Hauptziel zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß sehr bald und sehr stark reduziert werden. "Wir hätten die Lösungen dafür, aber man müsste sie umsetzen - und dafür fehlt der politische Wille. Dafür ist der Druck aus der Bevölkerung noch zu gering." Deshalb sei es auch so wichtig, dass endlich wieder demonstriert werde, fügte die Studentin noch an.

"Hurra, die Welt geht unter" von der Hip-Hop-Formation K.I.Z. dröhnte kurz vor Beginn der Kundgebung am frühen Nachmittag aus den Lautsprechern. Manche der Teilnehmer trugen Plakate in den Händen: "Es gibt nur eine Erde", "Klimaschutz. Opa macht mit und ihr Politiker?" und "Es gibt keinen Planet B" standen auf ihnen. "Verdammt geil, dass ihr da seid", begrüßte Mitorganisatorin Sarah Manzer die Teilnehmer. "Corona ist ein großes Problem, aber das größte kommt noch. Es wird echt eng und brenzlig und dafür stehen wir hier." Nach Reden von Alan Burns, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München, über das Waldsterben 2.0 und der Camerloher-Schülerin Evelyn Buchberger über die nachhaltige Mobilität setzte sich der Protestmarsch durch die Freisinger Innenstadt in Bewegung. Abschließend berichtete Christine Margraf vom Bund Naturschutz noch über die Anhörung im Landtag zum geplanten Klimaschutzgesetz.

© SZ vom 26.09.2020

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