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Kita-Streik in Freising:Schluss jetzt

Die Stimmung der Eltern schwankt wegen des Kita-Streiks zwischen Ärger und Verzweiflung.

(Foto: Marco Einfeldt)

Entnervte Eltern demonstrieren auf dem Marienplatz. Sie fordern ein Ende des Kita-Streiks, der in die vierte Woche geht. Manche haben schon Angst um ihren Job.

Von Petra Schnirch, Freising

Bisher haben sie improvisiert, doch zu Beginn der vierten Streikwoche funktioniert das nicht mehr. Viele Eltern wissen wegen des Ausstands der Erzieherinnen nicht mehr, wohin mit den Kindern. 60 bis 70 Mütter und Väter haben am Montagabend am Marienplatz demonstriert, um den Druck auf die Stadt zu erhöhen. Diese wiederum soll ihr Gewicht beim Kommunalen Arbeitgeberverband, einem der Verhandlungspartner in dem Tarifstreit, in die Waagschale werfen.

Viele Eltern "sind stinksauer", sagte Susanne Krönert, eine betroffene Mutter. In mehreren Kindertagesstätten gibt es nicht einmal mehr Notgruppen. Eine alleinerziehende Mutter fragte, ob sie wieder Hartz IV kassieren solle, wenn sie wegen des Streiks ihren neuen Job verliere, weil sie nicht arbeiten gehen könne.

Für eine Alternativbetreuung gibt es einen Raum, aber kein Personal

Der Elternbeirat des Kindergartens Neustift hat selbst einen Raum im Haus der Begegnung organisiert. Es sei aber eher ein Treffpunkt, schilderte Andreas Decker, einer der Organisatoren des Protests. Da man über kein qualifiziertes Personal verfüge, könnten Mütter oder Väter mal einen Termin wahrnehmen, nicht aber die Kinder den ganzen Tag dort abgeben. Trotz allem sind die Eltern solidarisch mit den Erzieherinnen. "Ich bin dafür, dass sie mehr Geld bekommen", sagte Susanne Krönert. "Verantwortung muss bezahlt werden", steht auch auf einer der Papp-Tafeln, die sie mitgebracht hat.

Wie lange der Streik noch dauern wird, konnte auch Merle Pisarz von Verdi nicht sagen. Viele seien der Meinung, auf das bisherige Angebot könne man nicht eingehen, weil es die Forderung nach Höhergruppierungen nicht angemessen berücksichtige. Doch auch der Verdi-Vertreterin schlug der Unmut der Eltern entgegen.

Die Stadt bekomme von der Gewerkschaft keine Antwort, sagt der OB

Die Stadt Freising bemüht sich seit einer Woche, in Rücksprache mit der Gewerkschaft Notgruppen in den Kitas einzurichten, hat bisher laut OB Tobias Eschenbacher aber keine Antwort bekommen. Pisarz erwiderte, dass diese Härtefallregelung anders als in München hier nicht greife, weil es zu viele offene Kitas gebe.

Wo die denn seien, wollte eine entrüstete Mutter wissen, und ob man dort dann Kinder einfach hinbringen könne? Die Stadt prüft unterdessen, ob die Eltern-Beiträge zurückgezahlt werden können, das sei eine rechtliche Frage, sagte der OB. Das Geld werde man aber in keinem Fall behalten, sondern den Kitas zukommen lassen, sollte eine Auszahlung nicht möglich sein. Decker kündigte unterdessen an, dass die Eltern am Ball bleiben werden - wenn es sein muss, mit einem Marsch durch Freising.

© SZ vom 02.06.2015/zim
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