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Kirchdorf:Buckelradweg ist bald befahrbar

Der bundesweig bekannte Buckelradweg an der Kreisstraße FS 8 bei Kirchdorf.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bundesweit hatte der hügelige Weg Spott und Häme ausgelöst. Voraussichtlich Mitte Dezember wird er freigegeben. Der Bürgermeister würde ihn im Frühjahr gern feierlich eröffnen.

Von Thilo Schröder, Kirchdorf

Der bundesweit bekannte Buckelradweg an der Kreisstraße FS 8 bei Kirchdorf wird voraussichtlich Mitte Dezember freigegeben. Das teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Bereits vom 27. November an ist die Kreisstraße für den Verkehr geöffnet. Da Restarbeiten wie das Anbringen von Schutzplanken und Schildern noch ausstünden, bleibe der Baustellenbereich auf Tempo 50 beschränkt und es sei mit kleineren Verkehrsbehinderungen zu rechnen, so Pressesprecher Robert Stangl. Auch beim Geh- und Radweg verblieben noch Restarbeiten wie das Errichten des Geländers sowie das Andecken des Oberbodens. Seit Sommer seien die Amperbrücke, der nördliche Teil des Wegs samt Feld- und Grundstückszufahrten sowie die Straße weitgehend fertiggestellt worden.

Damals hatte der Radweg bundesweit für Häme gesorgt, weil man sich nach fehlerhaften Bauplänen im Landratsamt dazu entschied, auf einem 500 Meter langen Abschnitt fünf kleine Hügel anzulegen. Damit sollte gewährleistet werden, dass Landwirte mit Feldgeräten von der Kreisstraße aus den tiefer liegenden Radweg queren können, um auf ihre Äcker zu gelangen.

Radfahrer reisen extra für die Buckelpiste an - und sind dann enttäuscht

"Es schaut natürlich immer noch ein bisserl komisch aus", sagt Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU), auf den Radweg angesprochen. Aber von der Amperbrücke aus erkenne man die Hügel kaum noch. Er habe schon einige enttäuschte Radfahrer beobachtet, die offenbar für die Pistenattraktion "extra angereist" seien. Die medialen Debatten darum seien indes genauso schnell abgeflacht, wie sie aufgepoppt seien. Gerlsbeck führt das erhöhte Interesse auf den bekannten "Sommerloch"-Effekt zurück, und die Corona-Pandemie sei damals gerade kein so großes Thema gewesen. Wahrscheinlich werde das Dorf nie mehr so im Rampenlicht stehen wie in jenen Wochen im Sommer 2020. Er sagt das ganz nüchtern.

Die Grünen im Kirchdorfer Gemeinderat hatten im Sommer gefordert, den Radweg auf Basis vorliegender Pläne umgehend zu begradigen. Groß war der Ärger damals, von informellen Zusagen, Angeboten und Berechnungen war die Rede. Doch im Landratsamt stritt man diese ab, stellte sich quer. Auch im Gemeinderat fand sich offenbar keine Mehrheit dafür. "Es hat sich leider nichts mehr getan, damit haben wir uns leider nicht durchsetzen können", sagt Grünen-Ortssprecher Martin Heyne heute. "Jetzt ist der Weg fertig und man sieht den Unsinn ganz gut."

Die vielen Zufahrten seien "völliger Unsinn, als würde da ein Mähdrescherrennen stattfinden"

An jedem der fünf Buckel im Radweg ist inzwischen ein Verbindungsstück zur Kreisstraße angelegt. "Ein Auge, das Symmetrie mag, findet das sicher schön", spöttelt Heyne. Früher habe die Feldzufahrt ja auch funktioniert, auch ohne eigene Zufahrten für die einzelnen Grundstücke. "Ein völliger Unsinn, als würde da ein groß angelegtes Mähdrescherrennen stattfinden", sagt Heyne. Im Landratsamt war man sich im Sommer sicher: Wenn der Bereich erst einmal überpflanzt, also im wörtlichen Sinne Gras über die Baustelle gewachsen ist, werde das Ganze viel schöner aussehen.

Auch Heyne kann sich eine teilweise "visuelle Heilung" vorstellen. Für ihn persönlich, der bei der Bundestagswahl 2021 ein Direktmandat erringen will, ist der Buckelradweg ein ganz eigener Bezugspunkt. "Wenn mich jemand im Bundestag fragen würde, ob ich aus dem Ort mit dem komischen Radweg komme, wäre das schon eine Zuordnung, mit der ich leben könnte." Er lacht. "Es wäre aber sicher nicht meine bevorzugte Visitenkarte."

Geht es nach Uwe Gerlsbeck, wird der Radweg im Frühjahr feierlich eröffnet, zu Beginn der Fahrradsaison, vorausgesetzt, die äußeren Umstände lassen eine größere Versammlung dann zu.

© SZ vom 25.11.2020 / ilos/van/aner
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