Kirchbergers WocheVon Zahlenspielen und Gegenwind

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Die Inzidenz interessiert niemanden mehr, Hallbergmos ist älter als gedacht und in Eching hofft man auf den Wind

Von Johann Kirchberger

Am 1. Februar ist die Inzidenz im Landkreis Freising auf 1860 gestiegen. Darüber darf sich niemand freuen, abgesehen von den Löwenfans, auch wenn das RKI noch ein "Komma 1" hinzugefügt hat. Alles Zahlenspiele, oder? Denn die Inzidenz interessiert längst nicht mehr. Die Pandemie gilt so gut wie überwunden, Feste werden geplant wie eh und je, bis wir gegen die nächste Corona-Wand fahren.

Nichts als ein Zahlenspiel ist für die meisten Menschen im Landkreis vermutlich auch, ob die heutige Großgemeinde Hallbergmoos im Jahr 1830 oder schon 1828 gegründet wurde. Wenn das schon 1828 war, wie Heimatforscher Karl-Heinz Zenker herausgefunden hat, hätte das allerdings weitreichende Folgen. Die Nachfahren des Grafen Hallberg müssten dann schon 2028 das 200. Ortsjubiläum feiern. Sollte das nicht klappen, weil Corona noch keine Ruhe gibt, könnte man immer noch auf 2030 ausweichen. Schön, wenn es Alternativen gibt.

Alternativlos ist dafür der Ausbau der erneuerbaren Energien, wenn wir nicht irgendwann im Dunkeln sitzen wollen. Und dazu braucht es Windräder, wie viele genau, fällt in den Bereich Zahlenspiele. Jeder weiß aber, dass die beiden Windräder, die es bisher im Landkreis gibt, nicht reichen werden, um unseren Strombedarf zu decken. Neue Windräder will trotzdem keiner. Zumindest nicht da, wo man sie täglich sehen kann. Irgendwo, versteckt hinter den sieben Bergen, da natürlich schon. Weil in Eching dem Bürgermeister so viel Wind ins Gesicht bläst, will man dort diese Energie nutzen und denkt über den Bau von Windrädern nach. In der Nähe von Dietersheim oder Günzenhausen könnte Platz sein, man weiß es noch nicht genau.

Deshalb braucht es erst einmal so etwas wie eine Findungskommission. Bis sich dann - wenn überhaupt - das erste Windrad dreht, wird viel Zeit vergehen. Im Bundesdurchschnitt sind es sechs bis acht Jahre vom Planungsbeginn bis zur Inbetriebnahme. Warum das so lange dauert? Erstens will gut Ding Weile haben, zweitens wird da ein gewaltiger Planungsprozess in Betrieb gesetzt. Und wie bei jedem anderen Prozess müssen erst mal Zeugen, sprich Bürgerinnen und Bürger befragt werden. Die müssen mitgenommen werden, sagen die Politiker und glauben, die Zustimmung zu einem Windrad kaufen zu können, in dem sie es Bürgerwindrad nennen und den Ertrag unter allen verteilen, die es sehen können.

Im Fall Eching wird Geld allein nicht reichen. Da muss auch noch die Flugsicherung befragt und ermittelt werden, ob die Flugzeuge über Eching gegen ein 200 Meter hohes Windrad stoßen könnten. Und schließlich müsste noch der Flächennutzungsplan geändert werden, und so was dauert. Denn so ein Plan muss erst einmal erstellt und danach ausgelegt werden. Dann müssen die Träger überörtlicher Belange um ihre Meinung gefragt werden, Behörden aller Art, Kirchen, Naturschutzorganisationen und, und, und. Und wenn deren Einwänden "abgeholfen" wird, beginnt der Planungsprozess von vorne und mündet womöglich in einen Zivilprozess. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat.

© SZ vom 05.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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