Kirchbergers Woche:Suppe und Starkbier für alle

Lesezeit: 2 min

Fastensuppe gibt es am kommenden Mittwoch für einen guten Zweck auf dem Freisinger Markt zu schlürfen

Kolumne von Johann Kirchberger

Jetzt müssen wir also die Suppe auslöffeln, die uns dieses Virus eingebrockt hat. Weil die Flughafen-Rotarier keine Weihnachtstombola abhalten durften, aber trotzdem Gutes tun wollen, sollen wir jetzt am Aschermittwoch während des Wochenmarkts Gemüsesuppe schlürfen. Im Stehen oder wahlweise auch im Gehen. Vermutlich serviert von Aktive-City-Freising-Aktivisten in einem Plastik-Suppenteller mit Plastiklöffel. Der ein oder andere Suppe-To-Go-Esser wird womöglich beim Schlendern zwischen den Verkaufsständen ein wenig der bestimmt köstlichen Fastensuppe verschütten. Ist aber halb so schlimm, schließlich ist Fastenzeit, da soll man eh nicht so viel essen. So ein Teller Fastensuppe ist zwar mit 5.55 Euro nicht billig, aber es ist ja für einen guten Zweck und außerdem spart man ja auch ein wenig, weil Einkaufen und gleichzeitig Suppe essen auch nicht ganz einfach ist.

Immerhin scheinen die Aktivisten sich noch einer alten Klosterregel zu erinnern: Flüssiges bricht das Fasten nicht. Also an die Teller, fertig, los. Allerdings wäre es durchaus möglich und wohl rein fastentechnisch erlaubt, in die Gemüsesuppe, die als Freisinger Fastensuppe in die Geschichte eingehen wird, ein paar Würstel zu legen. Denn alles was im Wasser schwimmt, sagten die alten Klosterbrüder, das ist kein Fleisch, das sind Fische, die nicht unter das Fastengebot fallen. Der Biber wären darob fast ausgerottet worden.

Noch besser hätte uns aber gefallen, wenn sich Rotarier und Aktive-City-Manager einer anderen Gepflogenheit der Klosterbrüder erinnert hätten und an die Wochenmarktbesucher Starkbier verkaufen würden. So ein paar Gläser Starkbier ließen sich viel leichter konsumieren als heiße Gemüsesuppe, zum anderen würde Starkbier die Stimmung in der Innenstadt heben. Was wäre das für ein fröhliches Treiben, niemand würde sich mehr über die hohen Gemüsepreise ärgern, weil man Gemüse ja jetzt in flüssiger Form kaufen kann. Die Warteschlangen an diversen Ständen könnten gar nicht lange genug sein, weil mehr Zeit bliebe, um den Nachbarn zuzuprosten.

Weibliche Clowns wie "Glucks und Oma", die witzig von einer kulinarischen Weltreise erzählen, um den Freisingern ein Lachen zu entlocken, wären überflüssig. Denn die Menschen hätten auch so ihren Spaß, manche würden sich vielleicht sogar kugeln vor Lachen. Besonders jene, die Alkohol nicht vertragen.

Ja, jetzt ist alles vorüber, jetzt ist alles vorbei, der langweilige Fasching sei vergessen, reißen wir uns die Masken vom Gesicht, wischen wir uns das Aschekreuz von der Stirn und freuen wir uns auf eine fröhliche Fastenzeit. Was mit Gemüsesuppe und einem opulenten Fischessen am Aschermittwoch beginnt, geht bekanntlich in vielen Fällen fast nahtlos in ein Starkbierfest über. Und an Ostern wundern wir uns, trotz strikter Einhaltung der strengen Fastenregeln kein Gramm abgenommen zu haben.

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