Kirchbergers WocheSchönes Vorbild

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Was die Stadtbusse angeht, kann sich Freising in Pfaffenhofen noch etwas abschauen

Kolumne von Johann Kirchberger

Heute Kinder wird's was geben. Heute und natürlich auch am Sonntag findet der karitative Christkindlmarkt auf dem Freisinger Marienplatz statt. Und dazu auch noch eine lange Einkaufsnacht, mit stimmungsvoll illuminierten Läden und vielen Sonderangeboten, ja sogar Geschenke soll es geben. Allerdings nur bis 20 Uhr, dann ist die lange Nacht auch schon wieder vorbei. Dann nämlich rücken die Wichtelmänner aus, die in Freising die Gehsteige hochklappen.

Eng wird es vor allem am Samstagvormittag werden, weil da auch noch der Grüne Markt ist, dessen Stände sich diesmal die Hauptstraße entlang aufstellen. Die neuen Busse werden da kein Durchkommen mehr finden, auch wenn sie mittlerweile recht klein und schnuckelig und nur zu zweit unterwegs sind. Ein Fortschritt ist der Einsatz der Kleinbusse trotzdem, obwohl sie nicht mit Strom, sondern mit Diesel fahren. Umsonst ist es freilich nicht, mit dem Bus vom Bahnhof aus durch die Innenstadt zu kutschieren. Anders ist das neuerdings in Pfaffenhofen. Da fahren die Stadtbusse jetzt kostenlos. Weil dann angeblich mehr Leute ihr Auto daheim lassen, was wiederum erheblich zur Verkehrsberuhigung beitragen soll. Mal sehen, ob das klappt, wäre ja ein schönes Vorbild, auch für Freising, das bekanntlich schon länger an einem Mobilitätskonzept arbeitet.

Als Fortschritt kann auch gesehen werden, dass sich der Stadtrat nun nach jahrzehntelangem Gezänk eine Baumschutzverordnung - heißt aber aus Gründen der Akzeptanz Stadtgrünverordnung - gegeben hat und zumindest im Stadtkern Bäume ab einem Umfang von 80 Zentimeter nicht mehr ohne Erlaubnis gefällt werden dürfen. Allerdings nur, wenn sie keinem Bauvorhaben im Weg stehen. Denn Baurecht hat natürlich Vorrecht und nicht etwa Baumrecht. Ist ja klar, Bürger sollen nicht gegängelt werden.

Momentan haben in der Stadt Christbäume ein gewisses Vorrecht. Deren Umfang darf auch weniger als 80 Zentimeter haben und sie sind trotzdem geschützt. Vorläufig einmal bis Heiligdreikönig. Dann verschwinden sie still und heimlich aus dem Stadtbild, genauso wie die Weihnachtsbeleuchtung. Die soll schon seit Jahren ausrangiert und erneuert werden, was aber irgendwie nicht klappt. Deshalb wird sie wohl weiterhin nur eingemottet und gut abgelagert, man weiß ja nie. Vielleicht geht der Stadt ja mal das Geld aus, weil sich wegen Trump und China die Weltwirtschaftslage verschlechtert und dann ist es aus mit den Erneuerungen und alle sind wieder froh um den alten Lichterglanz.

Vorerst aber brauchen sich die Stadträte noch keine großen Sorgen machen. Es klingelt in der Kasse und fast alles, was sie sich wünschen, kann gebaut werden. Neue Schulen und Kindergärten können geplant, das Innenstadtpflaster verlegt, der Asamtrakt saniert, Wohnungen gebaut und die Westtangente vollendet werden. Der Haushalt steht und alle sind glücklich und zufrieden. Weil wir unsere Steuern so brav entrichten. Dafür braucht uns aber keiner danken. Im Gegensatz zu den Großkonzernen bleibt uns schließlich gar nichts anderes übrig.

© SZ vom 15.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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