Kirchbergers WocheLust auf Leben

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Die Menschen gehen wieder ins Stadion und in die Freisinger Innenstadt. Und manchmal randalieren sie auch ein bisschen

Kolumne von Johann Kirchberger

Nach eineinhalb Jahren Corona-Lockdown ist jetzt endlich fast wieder alles erlaubt und möglich und die Angebote werden dankend angenommen. Das Volk ist ausgehungert. Die Leute kommen in die Geschäfte, Cafes und Restaurants, besuchen Konzerte und Ausstellungen, bummeln ohne Masken durch die Straßen - es sei denn, es ist gerade Wochenmarkt in Freising -, feiern nach Herzenslust, und manchmal wird auch ein wenig randaliert. Freisinger sind diesbezüglich ein wenig zurückhaltend, wenngleich auch bei uns einige glauben, zerworfene Glasflaschen auf Straßen und am Isarstrand seien Ausdruck wiedergewonnener Freiheit. Heissa, ist das eine Freude, wenn Radler hineinfahren in die Scherben oder Sonnenanbeter hineintreten.

Wer monatelange daran gehindert wurde, seinen Sport auszuüben, erlaubt war ja nur laufen und radeln, kann sich jetzt wieder austoben. Turnhallen und Fitnessstudios sind geöffnet und wer sich mehr als Zuseher versteht, der kann sogar wieder in die Fußballstadien gehen. Die Vereine haben erste Testspiele absolviert, die auf erstaunlich großes Interesse gestoßen sind. Trotz merkwürdiger, von den Gesundheitsbehörden verhängter Vorschriften. So muss eine Maske aufgesetzt werden, wenn man im Stadion geht oder steht, wer sitzt, darf sie abnehmen. Aber das sind Kleinigkeiten, die man in Kauf nimmt, wenn man nach den Monaten der Entbehrung endlich einmal wieder seiner Mannschaft in der Savoyer Au oder in der Flughafenarena in Hallbergmoos zusehen kann. Und schließlich weiß man ja nicht, wie lange die Freiheit anhält und ob nicht schon im Herbst die Delta-Variante vom Corona-Virus das ganze Vergnügen stoppt.

Anders war und ist das mit Bundesliga-Fußball. Die Profis waren immer präsent und werden es wohl auch weiterhin sein. Manchmal allerdings wird des Guten zu viel getan. Derzeit überschlagen sich die Fernsehsender geradezu, was die Spiele der Europameisterschaft angeht. Fast ununterbrochen werden so interessante Begegnungen wie zwischen den Niederlanden und der Ukraine oder zwischen Polen und der Slowakei zelebriert, garniert von stundenlangem Gelaber angeblicher Experten, die alle wissen, dass der Ball rund ist und warum. Aber die öffentlich-rechtlichen Sender haben diese Spiele für viel Geld eingekauft, nun müssen sie auch gesendet werden.

Manchmal bleibt man dann sogar an einem Spiel hängen und schaut sich etwa Schottland gegen Tschechien an, was wohl daran liegt, dass man nach den Corona-Dauertalk-Sondersendungen und den vielen Virologen endlich wieder einmal etwas anderes sehen will. Am heutigen Samstagabend wird Italien gegen Österreich gezeigt. Fast so spannend wie Simmering gegen Kapfenberg, würde Helmut Qualtinger sagen.

Andererseits kann man jetzt auch nicht täglich in den Biergarten gehen oder daheim den Grill anwerfen. Schon weil man nicht so viel Fleisch essen soll und Tofu-Schnitzel - vorsichtig ausgedrückt - sehr gewöhnungsbedürftig sind. Vegetarier oder Veganer zu sein hat aber auch Vorteile. Wer den Freisinger Wochenmarkt besucht, dem wird es schnell auffallen. An den Gemüseständen wird flott bedient, wer sich dagegen um Fleisch oder Wurst bemüht, muss sich in lange Warteschlangen einreihen. Aber ohne Fleiß kein Preis und umsonst gibt es da und dort nichts.

© SZ vom 26.06.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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