Kirchbergers Woche:Hauptsache, alles wird gut

Der Stadtrat muss die ständigen Preissteigerungen bei der Sanierung des Freisinger Asamgebäudes schlucken. Und den Bürgern dürfte es egal sein, wenn nur endlich mal alles fertig wird

Wochenkommentar von Johann Kirchberger

Dass das Asamgebäude am Freisinger Marienplatz saniert werden muss, weiß man schon seit Jahrzehnten. Dass das teuer werden wird, auch. Aber genau deshalb wurde diese Maßnahme immer wieder aufgeschoben. Erst als Teile des über 300 Jahre alten ehemaligen Lyzeums einzustürzen drohten und Sicherungsmaßnahmen erforderlich waren, wurden Pläne geschmiedet um zu retten, was noch zu retten war. So wenig konkret zunächst der Umfang der Baumaßnahmen war, so wenig konkret waren die Kostenschätzungen. Von etwa 20 Millionen im Jahr 2010 kletterten sie auf 40 und dann auf mindestens 50 Millionen Euro.

Der beauftragte Architekt wollte lange überhaupt keine Schätzungen abgeben, im sicheren Wissen, dass man bei der Sanierung eines derartigen Komplexes vor Überraschungen nie gefeit ist. Und die blieben nicht aus. Mal war es der Untergrund, das Gebäude ist auf Holzpfählen errichtet, mal war es der Dachstuhl, in dem etwa die Fäulnis recht ausgeprägt war. Dazu kamen Forderungen des Denkmalschutzes und Wünsche des Stadtrats und - schwupps - die Kosten stiegen. Momentan ist man bei 59 Millionen angelangt, auch weil derzeit Baumaterial knapp und daher teuer ist und Baufirmen nicht zum Billigtarif arbeiten. Es gibt eben gute Zeiten und schlechte Zeiten, um etwas zu sanieren. Vor 30 Jahren wären sie gut gewesen, derzeit sind sie eher schlecht.

Die Stadträte sehen sich jetzt in der misslichen Situation, Preissteigerungen schlucken zu müssen. Zum einen, weil die Zeit drängt. Wenn 2024 in Freising das große Bistumsjubiläum gefeiert wird, soll spätestens alles fertig sein. Zum anderen weil diese Baustelle im Herzen der Altstadt schön langsam nervt. Den Bürgern ist es letztlich egal, ob die Kosten für die Sanierung von Jahr zu Jahr um ein paar Milliönchen steigen - die Kosten für die Westtangente tun es ja auch. Sie freuen sich vielmehr auf ein runderneuertes Asamgebäude mit einem fast neuen Asamsaal, mit einem stark vergrößerten Stadtmuseum, mit Läden und Begegnungsräumen im Erdgeschoss und einer Gastronomie, die hoffentlich was her macht. Und weil die Vorfreude die schönste Freude ist - neben der Schadenfreude - wird man die paar Jahre bis zur Fertigstellung auch noch ertragen. Hauptsache, alles wird gut.

Für den Fotowettbewerb "Mein Lieblingsort in Freising", wird das Asamgebäude aber heuer kaum als Motiv gewählt werden. Wahrscheinlich gilt das auch für die Baustellen in der Freisinger Innenstadt, die - zumindest gefühlt, oder tatsächlich? - immer mehr und nicht weniger werden. Das macht aber nichts, so lange die meist leeren Stadtbusse irgendwie durchkommen. Recht unterhaltsam, wenn auch ärgerlich ist, wie Autofahrer immer wieder Wege finden, durch die Baustellen zu fahren und selbst am Samstag versuchen, in das gesperrte Wochenmarkt-Areal einzufahren. Gerne würde man ja wissen, warum sie das tun. Weil sie das schon immer getan haben, weil sie nicht gehen können, weil sie ihre schweren Einkäufe nicht tragen können, weil es ihnen Spaß macht mit ihrem Gefährt durch engste Lücken zu rangieren? Fragen will man eher nicht, die angestauten Aggressionen dieser Autofahrer könnten gefährliche Auswirkungen zeigen.

© SZ vom 31.07.2021
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