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Kirchbergers Woche:Es wird besser, irgendwann

Es stellt sich die Frage, wie fahrradfreundlich der Landkreis nun ist. Was die Radfahrer wirklich interessiert, wird nämlich noch nicht thematisiert

Kolumne von Johann Kirchberger

Ob es jemals etwas wird mit diesem Bürgerbegehren namens Radentscheid ist offen. Vorerst werden noch Unterschriften gesammelt. Die Initiatoren wollen erreichen, dass der Radverkehr in Freising konsequent gestärkt und ausgebaut wird. Suggeriert wird damit, dass die Stadt zu wenig für die Sicherheit und die Förderung des Radverkehrs unternimmt. Das ist nachvollziehbar. Aber es gibt Experten, die sehen das ein wenig anders. Freising hat nämlich nicht nur einen Mobilitätsbeauftragten, sondern auch ein Mobilitätskonzept, und das wiederum hat eine Bewertungskommission der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) kürzlich schwer beeindruckt. Zwar hat sie auch gewisse Mängel entdeckt, positiv gewertet wurde aber die große Bereitschaft von Politik und Verwaltung, etwas für Radfahrer zu tun. Deshalb hat die Kommission dem Verkehrsministerium vorgeschlagen, Freising als fahrradfreundliche Kommune zu zertifizieren. Das ist schön, doch was ist tatsächlich geschehen in den vier Jahren, seit die Stadt die Aufnahme in die AGFK beantragt hat?

Besagtes Mobilitätskonzept wurde erstellt, voller Allgemeinplätze, gespickt mit hehren Zielen und Plänen. Ein paar grüne Pfeile wurden installiert, um Radlern das Rechtsabbiegen bei Rot zu ermöglichen, drei Fahrradstraßen wurden ausgewiesen, der Isarsteg-Nord wurde gebaut und in der Kammergasse eine Fahrradspur als Baustellenumfahrung eingerichtet. Und ja, am Bahnhof wurde eine Bike+Ride-Anlage mit Doppelstockparkern geschaffen. Aber die obere Reihe ist weitgehend unbesetzt. Man kennt das von den Duplex-Garagen für Autos.

Was die Radfahrer wirklich interessiert, das wurde bisher nicht angepackt oder wird immer wieder verschoben. Das Problem Wippenhauser Straße etwa. Oder die Fortsetzung dieser Radwege und Radfahrstreifen, die plötzlich im Nichts enden, wie an der Erdinger Straße oder der Gute-Änger-Straße. Ein Paradebeispiel für das fahrradfreundliche Freising im negativen Sinn ist die Querung der Bahngleise am ehemaligen Bahnposten 15. Wer von Lerchenfeld in die Stadt will, rutscht nach wie vor über ein Blech in die Tiefe. Eine Verbesserung soll es geben, irgendwann. 2021 bestimmt nicht. Der Isarsteg-Süd wird im Mobilitätskonzept genannt. Aber weil der in einem FFH-Gebiet liegen würde und der Landkreis in einigen Jahren eventuell eine neue Isarbrücke mit Radweg bauen könnte, ist der Isarsteg wohl gestorben. Dann ist die Rede von einer Pilotroute von Lerchenfeld nach Weihenstephan. Wie die aussehen soll, bleibt offen, aber aufgeführt wird als "Leuchtturmprojekt" zur Förderung des Radverkehrs eine Änderung der Vorfahrtsregelung an der Kreuzung Luitpoldstraße/Korbiniansbrücke. Toll.

Ein weiterer Schwerpunkt im Konzept ist der Umbau der Korbinianskreuzung. Aber der ist jetzt verschoben worden. Die Verbreiterung der Hochtrasse ebenfalls. Für den Radweg von Vötting nach Giggenhausen, seit Jahren versprochen, sollen Grundstücksverhandlungen beginnen, immerhin. Für den Radschnellweg von Freising nach Garching gibt es noch keine Machbarkeitsstudie. Die fehlt auch für den bahnbegleitenden Radweg von Freising bis Oberschleißheim.

Zunächst hat die Stadt jetzt einmal sieben Jahre Zeit, um etwas für die Radler zu tun. Dann will die Kommission noch einmal kommen. Mal schauen, ob sie Freising dann immer noch als fahrradfreundlich einstuft.

© SZ vom 21.11.2020
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