Kirchbergers Woche Es darf kein Nadelöhr entstehen

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Wenn die Schlüterbrücke nicht ausgebaut wird, werden die Fahr- zu Standspuren

Kolumne von Johann Kirchberger

Wer A sagt, muss auch B sagen. Bei einem Bürgerentscheid hat die Mehrheit der Freisinger vor einigen Jahren für den lange umstrittenen Bau der Westtangente gestimmt, weil sie sich davon wahre Wunderdinge versprochen haben und noch immer versprechen. Nun ist das 3,6 Kilometer lange Straßenstück fast fertiggestellt, für knapp 140 Millionen Euro. Spätestens in einem Jahr wird der Verkehr von Allershausen kommend auf die Stadt zurollen. Autos und Lastwagen, die vom Vöttinger Tunnel ausgespuckt werden, dürfen dann aber an der Schlüterbrücke nicht stecken bleiben und sich zu einem Megastau ballen. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Fahrzeuge zügig weitergeleitet werden, zum Flughafen oder sonst wohin. Es darf kein Chaos entstehen, kein Nadelöhr, in dem aus Fahrspuren Standspuren werden und Abgase in rauen Mengen in die Freisinger Luft geblasen werden.

So gesehen ist die Forderung der "Allianz Klimaschutz", auf den Neubau einer vierspurigen Schlüterbrücke zu verzichten, kontraproduktiv. Gerade weil die Klimaaktivisten ein Umsteuern hin zu einer nachhaltigen Entwicklung des Straßenverkehrs und auf den Ausbau der Fahrradinfrastruktur setzen, muss das Ende der Westtangente funktionstüchtig gestaltet werden. Denn ohne eine neue Brücke bekommt man in diesem Bereich auch keine Radwege, schon weil der südliche Isarsteg ein schöner Traum bleiben wird. Derzeit müssen die wenigen Lerchenfelder Radler, die mutig genug sind, über Südtangente und Schlüterbrücke den Radweg zum Pullinger Weiher anzusteuern, eine lebensgefährliche Hochrisikofahrt absolvieren. Gleiches gilt irgendwann einmal für den Weg ins Kino in den Schlüterhallen, sollte das jemals eröffnet werden.

Den Brückenneubau mit dem Bau der dritten Startbahn in Verbindung zu bringen, ist Unsinn. Falsch ist es auch, einen Widerspruch zu den Klimaschutzzielen der Stadt herzuleiten. Was bleibt, wenn der Verkehr dereinst regelmäßig an der Kreuzung FS 44 und FS 45 zusammenbricht, ist lediglich die Genugtuung all jener, die schon immer gewusst haben, dass diese Trasse unsinnig ist, weil sie nur für eine minimale Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs sorgen und keineswegs das Ende aller Staus bedeuten wird.

Natürlich ist es richtig, dem motorisierten Individualverkehr nicht länger den Vorrang zu geben und es ist falsch immer mehr neue Straßen zu bauen. Natürlich muss dem gerade in Corona-Zeiten arg gebeutelten ÖPNV Priorität eingeräumt werden. Aber auch die Busse, die leider noch viel zu oft fast leer durch die Innenstadt irren, sind auf ein funktionierendes Verkehrsnetz angewiesen und können im Stau ihren Zweck nicht erfüllen.

Eine Mobilitätswende, wie von den Klimaaktivisten angestrebt, wäre wichtig und schön. Aber so schnell wird das trotz aller Bemühungen nicht klappen. Denn der Mensch ist und bleibt bequem. Elektroautos werden sich wegen ihrer begrenzten Reichweite und dem umständlichen Ladevorgang nicht so rasch durchsetzen. Auch Lastenfahrräder nicht, sogar wenn die Stadt mehr als acht kaufen und verleihen sollte.

© SZ vom 30.01.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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