Kinderbetreuung im LandkreisVersorgungslücken schließen, Fachkräfte anwerben

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Gesuchte Fachkraft: Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern.
Gesuchte Fachkraft: Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Mit Umfragen verschafft sich der Landkreis Freising einen Überblick über die Situation der Kinderbetreuung

Von Petra Schnirch, Freising

Mit einer Datenerhebung und aufwendigen Befragungen hat sich der Landkreis einen Überblick über die Situation der Kinderbetreuung verschafft. Dabei zeigten sich auch die größten Herausforderungen für die kommenden Jahre: Notwendig ist ein weiterer Ausbau der Betreuungsplätze, vor allem für unter Dreijährige. Außerdem kämpfen die Einrichtungen mit dem Fachkräftemangel. An den Grundschulen wird der Ganztagsanspruch von 2026 an ein breiteres Angebot bei der Mittagsbetreuung erfordern.

Daniela Mertl, Mitarbeiterin im Landratsamt, stellte die Ergebnisse vor kurzem im Jugendhilfeausschuss vor. Damit wird der Jugendhilfeteilplan "Kindertagesbetreuung" fortgeschrieben. Stand Juni 2021 gab es im Landkreis 9754 Kita-Plätze, inklusive Hort, 380 Mädchen und Buben wurden von Tagesmüttern betreut. Außerdem besteht in 20 der 24 Gemeinden eine Mittagsbetreuung. Das Fazit von Daniela Mertl: Es existierten vielfältige Angebote für alle Altersstufen und die Tagespflege sei eine gute Möglichkeit, Versorgungslücken relativ schnell zu schließen. Befragt hat Daniala Mertl sowohl Eltern und Kinder als auch Personal und Träger der Einrichtungen. Bemerkenswert ist, dass 61 Prozent der Eltern äußerten, sie seien mit der Betreuung zufrieden, 13 Prozent gaben an, sie bräuchten keinen Platz. Zehn Prozent allerdings sagten, sie bräuchten eigentlich eine andere Betreuungsform oder einen anderen Platz, sechs Prozent kritisierten, dass sie ganz leer ausgegangen seien. Die meisten, die sich negativ äußerten, hatten Kinder unter drei Jahren, für die sie keinen Platz in einer Krippe oder Tagespflege bekommen hatten, wie Mertl erläuterte. Wichtig bei der Wahl der Einrichtung war für die meisten in erster Linie die Wohnortnähe. Eltern von Schulkindern wünschten sich mehr Flexibilität bei den Betreuungsangeboten. Insgesamt 1284 gültige Fragebögen kamen zurück, obwohl gerade Lockdown war.

Bei den Grundschülern nahmen 215 von 310 Kindern an der Umfrage teil, 77 Prozent gaben an, gern in Hort oder Mittagsbetreuung zu gehen, bei 15 Prozent war es "mal so, mal so". Zwei Prozent kreuzten an, dass sie gar nicht gern dort sind, sechs Prozent waren unentschieden. Fast alle, 97 Prozent, haben dort Freunde. Was die Kinder als Wünsche angaben: zum Beispiel weniger Suppe zum Essen, mehr im Garten spielen, echte Fußballtore, keine Masken oder generell ein besseres Mittagessen. "Der Garten ist für Kinder ein extrem wichtiger Spielort", bilanzierte Mertl.

Bei den Kitas beteiligten sich 42 der 53 Träger. 36 Prozent gaben an, dass im Jahr zuvor - in diesem Fall 2019 - die Zahl der Plätze erweitert worden sei, bei 26 Prozent gab es bauliche oder räumliche Veränderungen. 21 Prozent verlängerten die Öffnungszeiten. Befragt danach, was sie ändern würden, wenn sie dies könnten, um eine ideale Einrichtung zu haben, antwortete ein überwiegender Teil: eine bessere Personal-, Raum- und Finanzausstattung. Schwierig ist die Personalsuche: Mehr als ein Drittel der Einrichtungen sagte, dass dies länger als drei Monate in Anspruch genommen habe.

Die Befragung des Kita-Personals fand bereits Mitte 2019, also vor der Pandemie, statt. Der Rücklauf war in diesem Fall eher mäßig, 282 von 1200 Beschäftigten nahmen teil. 76 Prozent waren mit ihrem Job weitgehend zufrieden, neun Prozent eher oder völlig unzufrieden. Allerdings wünschten sich 67 Prozent eine bessere Bezahlung, viele zudem einen höheren Personalschlüssel. Am größten war die Unzufriedenheit bei Fachkräften im Krippenbereich. Je kleiner die Einrichtung war, desto positiver fiel die Beurteilung aus.

Um neues pädagogisches Personal zu gewinnen, schlug Mertl eine verstärkte Aus- und Weiterbildung vor, außerdem eine "Sozialmesse", um explizit für soziale Berufe werben zu können. Auch die Tagespflege sollten ausgebaut werden, um Lücken zu schließen, eventuell auch für Schulkinder. Aktuell geprüft werde eine Großtagespflege für die Kinder von Beschäftigten im Landratsamt.

© SZ vom 08.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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