Süddeutsche Zeitung

Kinderbetreuung:Bei jedem Wetter im Wald unterwegs

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1990 übernahmen einige Freisinger Eltern, die keinen Kita-Platz bekommen hatten, in Eigenregie die Betreuung. 1994 wurde der „Brummkreisel“ offiziell zum Kindergarten. In diesem Jahr wird das 30-jährige Bestehen gefeiert.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Maulwürfe, die Bärenkinder und die Wurzelkinder sind – wie es ihr Name schon verrät – oft im Wald unterwegs. Dort spielen sie, basteln aus kleinen Zweigen Angeln, um in den Regenpfützen imaginäre Fische zu fangen, oder verwandeln sich in springende Einhörner. Insgesamt 45 Kindergartenkinder in drei Gruppen und daneben noch eine Spielgruppe betreut der Freisinger Verein „Brummkreisel“. An zwei bis drei Tagen im früheren Schulhaus in Tüntenhausen, an den anderen Tagen als Waldkindergarten draußen in der Natur, die Brotzeit gibt es bei schlechtem Wetter in den drei Bauwägen am Wieswald. In diesem Jahr feiern Eltern, Kinder und Freunde des Brummkreisels das 30. Jubiläum.

Das Wechselmodell „Haus und Wald“, das viele Draußensein, ist das Besondere am Brummkreisel. „Die Kinder sind bei jedem Wetter draußen – außer bei Sturm, Gewitter oder einer anderen extremen Wetterlage. In der Natur sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Elisabeth Nitzl. Das Spiel in der Natur diene als vielfältige Bewegungs- und Wahrnehmungswelt. Kreativität, sinnliche Wahrnehmung und motorische Eigenaktivität der Kinder werden automatisch gefördert. Zudem seien sie im Wald mehr aufeinander angewiesen und entwickelten einen größeren Zusammenhalt.

Elisabeth Nitzl ist seit drei Jahren im Vorstand des Vereins, daneben betreut sie die Spielgruppe „Brombären“ – und ihre drei Kinder sind oder waren alle selbst Brummkreisel-Kinder. Ihre älteste Tochter, die inzwischen die Schule besucht, sei nach den Waldtagen zwar immer besonders k.o. und müde, aber auch immer begeistert gewesen. Dass sie sich als Mutter einbringe, mache ihr Spaß, sagt Nitzl. Das Elternengagement ist aber nicht freiwillig, sondern verpflichtend, auch das gehört zum Konzept dazu. „Die Eltern müssen sich 17 Stunden im Jahr einbringen, beispielsweise bei Betreuungsdiensten oder bei Garten- und Reparaturarbeiten.“

Es war 1990, als sich einige Freisinger Eltern, die keinen Platz bekommen hatten, die Kinderbetreuung in Eigeninitiative übernahmen. Betreuungsplätze waren auch schon damals rar, außerdem wollte man neue pädagogische Wege gehen. Zu Beginn wurden gerade einmal acht Kinder betreut, zunächst in einer Wohnung. 1991 wurde dann von den Eltern offiziell der Verein „Kindertagesstätte Brummkreisel e.V.“ gegründet. Mit dem Umzug an die Kammergasse folgte schließlich die Konzepterweiterung zum Waldkindergarten.

Ein Wechsel zwischen Haus- und Waldtagen

Das Interesse vieler Freisinger Eltern am Brummkreisel nämlich war schon bald groß, nach kurzer Zeit gab es bereits drei Gruppen – Platzmangel herrschte. Deshalb schickte man immer abwechselnd eine Gruppe in den Wald, die beiden anderen blieben in den Räumen an der Kammergasse. 1998 stellte der Brummkreisel dann den ersten Bauwagen am Rande des Wieswaldes auf. Im Oktober 2004 kam man schließlich im ehemaligen Schulhaus in Tüntenhausen unter. An den Haustagen, von Montag bis Mittwoch, spielen, malen, singen und basteln dort die Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren.

Seit 1994 wird der Brummkreisel vom Freistaat als Netz-für-Kinder-Einrichtung gefördert – die bis dahin private Elterninitiative bekam dann dank dieser Förderung auch eine offizielle Betriebserlaubnis des Landratsamtes. Die Aufnahme in das „Netz für Kinder“ bedeutete einen Meilenstein, damals wurde der Brummkreisel offiziell zum Kindergarten – und deshalb werde auch in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen gefeiert, erklärt Nitzl.

Die Eltern tragen diesen besonderen Verein noch heute mit, sagt Nitzl. „Das war eine Bedingung, um in das Netz für Kinder aufgenommen zu werden.“ Zwar leiten inzwischen professionelle Kräfte die Gruppen – auf eine Gruppe mit 15 Kindern kommen eine Erzieherin und zwei Ergänzungskräfte – aber die Mütter oder Väter betreuen mit. Von den Erzieherinnen der ersten Stunde seien einige aber noch immer im Team dabei, sagt Nitzl. Auch von den Eltern hätten viele gute Erinnerungen, heute besuchten schon die Kinder der zweiten Generation den Brummkreisel.

Gefeiert wird das Jubiläum bei einem Familien-Flohmarkt am Samstag, 6. Juli, ab 14 Uhr im Garten vom „Brummkreisel“ (Zollinger Straße 11, Freising).

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