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"Keine Sekunde gezögert":Neufahrner Jugendlicher spendet Knochenmark

Für James Atkinson fühlt es sich gut an, für einen anderen Menschen zum Lebensretter geworden zu sein.

(Foto: privat)

Der Neufahrner James Atkinson spendet Knochenmark für einen Schwerkranken. Das Gefühl zu helfen, sei "unbeschreiblich".

Der Brief kam Ende Februar. Da erfuhr der 19-jährige James Atkinson aus Neufahrn, dass er als Stammzellenspender für einen schwer kranken Patienten in Frage kommt. Es sei jemand, der im mitteleuropäischen Ausland lebt - das war die einzige Information, die der junge Mann bekam. Aber er hat keine Sekunde gezögert, für ihn stand sofort fest: "Natürlich will ich Stammzellen spenden".

Vor kurzem war er dann in bei der Stiftung "Aktion Knochenmarkspende" in Gauting. Unter Vollnarkose wurden ihm bei einem einstündigen Eingriff mehr als 1300 Milliliter Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Der Knochen wurde dafür punktiert. Die Schmerzen danach vergleicht er mit einem starken Gesäßmuskelkater. "Die ersten Schritte an der Hand der Pflegerin haben sich angefühlt, als würde ich laufen neu lernen", erinnert er sich. Einen Tag später durfte er nach Hause. Sobald seine vollständige Genesung von einem Fliegerarzt bestätigt ist, darf der Neufahrner auch wieder als Flugbegleiter arbeiten.

"Schmetterlinge im Bauch"

Bis heute "unbeschreiblich" ist für ihn das Gefühl, jemandem wirklich geholfen zu haben: "Ich habe festgestellt, dass man nicht nur Schmetterlinge im Bauch spürt, wenn man verliebt ist - ich konnte einen Teil meines Lebens spenden, um ein anderes fremdes Leben womöglich wieder lebenswert zu machen". Grenzsituationen mit schwer kranken Menschen hat der junge Mann schon öfter erlebt: Nach dem Abitur am Freisinger Dom-Gymnasium hat er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und in diesem Beruf eine Zeitlang gearbeitet.

Typisieren ließ er sich aber bereits vor zwei Jahren, bei der Aktion für einen an Leukämie erkrankten Schüler des Hofmiller-Gymnasiums. Seitdem steht sein Name in der weltweiten Datenbank der Stammzellenspender. Nachdem klar war, dass er tatsächlich der genetische Zwilling eines Schwerkranken ist, wurde vorsichtshalber noch einmal eine Bestätigungstypisierung gemacht.

Atkinson will den Betroffenen auch persönlich treffen

Für James Atkinson ist es "kaum vorstellbar, was sowohl der Erkrankte als auch seine Angehörigen alles fühlen, denken und durchmachen müssen". Er hofft aber, dass seine Spende dem Empfänger wirklich hilft und er die betroffene Person auch einmal persönlich trifft. Nach knapp drei Monaten wird der Spender auf Wunsch zumindest schon einmal über den Zustand des Patienten informiert. Zwei Jahre lang ist nur ein anonymisierter Briefkontakt erlaubt. Aber dann dürfen sich die beiden kennenlernen, wenn sie das möchten.

Der 19-Jährige hofft, dass er in einer Ich-bezogenen Welt ein Zeichen setzen konnte, "dass es nicht darauf ankommt, wer gewinnt", sondern darauf, zusammenzuhalten und füreinander zu sorgen. Er verbindet damit auch den Appell, sich in die Spenderdatei aufnehmen zu lassen. Alle gesunden Frauen und Männer zwischen 17 und 45 Jahren können über www.akb.de ein sogenanntes Lebensretterset bestellen. Es enthält zwei Mundschleimhauttupfer sowie ein Blutröhrchen, mit dem man sich entweder beim Hausarzt per Blutabnahme oder zu Hause per Wangenabstrich typisieren lassen kann.