Keine Gewinne:Profitieren von den Ehrenamtlichen

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Den kommerziellen Kletterhallenbetreibern sind die Steuervergünstigungen für den Alpenverein ein Dorn in Auge. Christian Rester kennt die Kritik schon länger. Dass dem DAV der Verlust der Gemeinnützigkeit droht, glaubt er nicht

Von Luise Helmstreit, Freising

Die Sektion Freising des Deutschen Alpenvereins (DAV) macht mit ihrer Kletterhalle keine Gewinne, sie zahlt noch die Schulden des Baus ab. Anderen Sektionen wird jedoch vorgeworfen, die Kletterhallen seien zu kommerziell für einen gemeinnützigen Verein, ein Gerichtsurteil zwang die Sektion Darmstadt bereits, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen. Eine neue Klage des Dachverbandes der privaten Hallenbetreiber macht die Debatte nun wieder aktuell. Christian Rester, Vorsitzender des Freisinger DAV, winkt ab. In kleinen Städten wie Freising stünde noch immer das Miteinander im Mittelpunkt des Vereinslebens.

Schon bei der Ortswahl der Freisinger Halle würde deutlich, wo die Prioritäten des DAV liegen: "Wenn es uns nur um Profit ginge, hätten wir ein günstigeres Grundstück weiter außerhalb finden können. Aber wir wollten, dass die Leute auch mit dem Fahrrad kommen können."

Der DAV betreibt etwa die Hälfte der Kletterhallen in Deutschland. Als Idealverein muss er dafür weniger Steuern bezahlen als ein kommerzieller Hallenbetreiber. Wird eine neue Halle gebaut, bekommt er staatliche Zuschüsse. Ungerecht sei das, finden die Betreiber der anderen Kletterhallen.

Die Sektion Freising des DAV ist der größte Verein im Landkreis Freising. "Inzwischen haben wir die 5000er Marke geknackt", sagt Rester. "Durch die Kletterhalle haben wir mit Sicherheit viele Mitglieder dazugewonnen." Der Klettersport boomt. "In solchen Fällen gibt es immer Leute, die auf der Welle mitreiten und den Schaum abschöpfen möchten", meint Rester. "Der DAV ist gewissermaßen der Kompetenzträger. Wir sind hauptverantwortlich für die Ausbildung und Nachwuchsarbeit, wir vergeben Trainerlizenzen und erarbeiten neue Sicherheitsrichtlinien. Speziell dafür bezahlt der Verein eine Gruppe von Profis, die neue Sicherungstechniken erforschen."

Er habe nichts gegen kommerzielle Sportangebote, betont Rester. "Fitnessstudios sind ja zum Beispiel auch eine gute Sache. Aber man muss beim Thema der staatlichen Bezuschussung auch sehen, was die Vereine alles leisten", so Rester weiter. Er sei für friedliche Koexistenz mit den privaten Hallenbetreibern, aber er finde es schon ein bisschen seltsam, wenn geklagt werde, obwohl alle von der Arbeit der Vereine profitieren könnten. Das sei für den Sport an sich ein schlechtes Signal. Das Vereinsleben, findet Rester, lebe von Idealisten, die sich ehrenamtlich engagieren und dabei die nötige finanzielle Unterstützung erhalten. "Der DAV besteht nicht nur aus Kletterhallen", betont Rester. "Jugendliche bekommen auch die Gelegenheit, Solidarität und Eigenständigkeit zu erlernen."

Etwa ein Drittel des Kredites, den der DAV Freising für den Bau der Kletterhalle aufnehmen musste, konnte inzwischen abbezahlt werden. "Wir zahlen 200 000 Euro im Jahr allein für den Unterhalt der Halle, für Angestellte und die Begleichung der Schulden. Was dann noch übrig ist, verwenden wir für zweckgebundene Rücklagen", erklärt Rester. "Die brauchen wir zum Beispiel, wenn etwas kaputt geht. Wenn in ein paar Jahren unsere Schulden abbezahlt sind, besteht an manchen Stellen bestimmt schon wieder Sanierungsbedarf. Oder wir investieren in eine neue Außenwand. Von Gewinnen sind wir jedenfalls noch weit entfernt. Falls es mal so weit ist, können wir immer noch die Eintrittspreise senken."

Anders sieht es in anderen DAV Sektionen aus. "In München wurde der Betrieb der Kletterhalle an eine Firma übergeben", sagt Rester. Er sieht darin aber keinen Versuch, über Hintertüren Gewinne zu machen. "In großen Städten ist das auf ehrenamtlicher Tätigkeit basierende Vereinsleben einfach nicht mehr so möglich. Da bezahlen die Leute Geld und erwarten dann Leistungen", meint Christian Rester. Wenn auf dem Land ein neues Feuerwehrhaus gebaut werde, helfe dagegen ganz selbstverständlich jeder mit. Freising befinde sich diesbezüglich in einer Übergangszone. Wenn etwas erledigt werden müsse, stünden auch hier am Wochenende die Helfer auf der Matte. Aber der Betrieb der Kletterhalle sei nur mit Ehrenamtlichen nicht zu schaffen.

Was den rechtlichen Status seines Vereines betrifft, ist Rester unbesorgt: "Die Situation ist nicht neu und auch nicht kritisch. Dem DAV droht deshalb bestimmt nicht der Verlust der Gemeinnützigkeit." "Wenn unsere Jungs mal eine Party machen wollen, können sie die Halle haben. Auch für Kinderwettbewerbe und dergleichen nehmen die Einkommensausfälle in Kauf und setzen den normalen Betrieb aus, das machen kommerzielle Hallenbetreiber nicht."

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