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Kampf gegen Corona:"Wir verimpfen, was wir haben"

Ein Facebookpost von Kreisrat Weiskopf verärgert den Freisinger Landrat Helmut Petz

Von  Alexandra Vettori, Freising

Landrat Helmut Petz nutzte die Sitzung des Schulausschusses, um seinen Ärger über den Facebook-Post von FDP-Kreisrat Tobias Weiskopf auszudrücken. Dieser hatte in dem sozialen Netzwerk kritisiert, dass die Impfungen im Landkreis Freising im Vergleich zu Nachbarlandkreisen schleppender verlaufen.

"Ich bin keine Erklärung schuldig, aber ich möchte das richtig stellen", so Petz. Erstens sei für die Impfzentren und die Zuteilung von Impfstoff nicht der Landkreis zuständig, sondern der Freistaat. Der weise unterschiedliche Mengen zu, nach Kriterien wie Grenz-Nähe, hohem Altersdurchschnitt oder das Bestehen von Hotspots. Das hebe den bayernweiten Impf-Durchschnitt, weshalb der Landkreis Freising dahinter liege. "Im Vergleich zu strukturell mit uns vergleichbaren Landkreisen liegen wir aber gleichauf", so Petz. Darüberhinaus gelte: "Wir verimpfen, was wir bekommen." Einzige Ausnahme sei gewesen, als vor Ostern die Regierung die Landkreise abgefragt habe, ob sie eine Sonderlieferung mit Astra Zeneca bis zu einem Stichtag kurz darauf verimpfen könnten. Da habe die Ständige Impfkommission gerade empfohlen, das Vakzin nicht mehr an Menschen unter 60 zu verabreichen, weshalb man abgelehnt habe. Andere, wie Dachau, hatten die Dosen angenommen.

Im Freisinger Impfzentrum werden derzeit Personen der Priorisierungsgruppe 2 und auch bereits der Gruppe 3 geimpft. Dass das etwas länger gedauert habe, liege daran, dass das Landratsamt sich besondere Mühe mit der älteren weniger internetaffinen Bevölkerung gegeben habe. Alle über 75-Jährigen erhielten einen Brief mit einer Einladung zur Impfanmeldung. Rund 10 000 von etwa 15 000 Bürgern dieser Altersgruppe seien jetzt bereits geimpft. Dank des Facebook-Posts gebe es Hunderte von Anrufen, "die Bevölkerung ist in heller Aufregung. Und unsere Arbeitskräfte, die seit Monaten bis zum Anschlag ausgelastet sind, müssen sich jetzt auch noch damit herumschlagen", so Petz. An die Adresse Weiskopfs fügte er hinzu: "Als Kreisrat können Sie nicht wegen gewünschter Effekte für die eigene Person für eine solche Verunsicherung sorgen, das ist verantwortungslos." Tobias Weiskopf wies zurück, dass es sich um "persönliche Befindlichkeiten" gehandelt habe, "es geht darum, dass Sie sich dahinter klemmen und solche Impfangebote in Zukunft nicht mehr ausschlagen". Stand 6. Mai sind 33 491 Menschen im Zentrum erstgeimpft, 12 961 verfügen über vollen Impfschutz. In Arztpraxen erhielten 14 610 Menschen ihre erste Impfung, 528 die zweite.

© SZ vom 08.05.2021
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