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Käfer bei Müller-Brot:Erleichterung nach dem Skandal

Für das Freisinger Landratsamt ist der Fall Müller-Brot abgeschlossen. Künftig gibt es klare Richtlinien, was bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht zu tun ist. Unterdessen bereitet die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen die Geschäftsführer vor.

- Schaben, Motten, Käfer und auch Mäuse hatten Kontrolleure bei Müller-Brot in Neufahrn entdeckt - und das innerhalb von zweieinhalb Jahren immer wieder. Als das Freisinger Landratsamt Anfang Februar 2012 die Produktion in der Großbäckerei schließlich stoppte, mussten die Behörden heftige Kritik einstecken, warum sie die Verbraucher so lange nicht informiert hatten. Mittlerweile ist dies durch klare Richtlinien geregelt, was Landrat Michael Schwaiger sehr begrüßt: Sobald wegen eines Verstoßes ein Bußgeld von mindestens 350 Euro zu erwarten ist, werden die Namen der Betriebe seit 1. September im Internet auf der Seite des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veröffentlicht.

Bisher sei das "Ermessenssache" gewesen, sagte Schwaiger - die Behörde saß zwischen den Stühlen. "Ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben." Eigentlich konnten sich Landrat und Gewerbeamt bisher nur Ärger einhandeln, entweder von Aufsichtsbehörden und Verbraucherorganisationen oder der Arbeitgeberseite. Außerdem waren im Fall Müller-Brot viele Mitarbeiter von dem Produktionsstopp betroffen. Das Gesundheitsministerium und auch das LGL in Oberschleißheim haben das Landratsamt unterdessen ausdrücklich gelobt. Der Fall Müller-Brot sei europaweit bisher einmalig, das Vorgehen des Freisinger Gewerbeamts sei als "beispielhaft" gewürdigt worden, heißt es in der Jahresbilanz des Landratsamtes. Die Zustände in Bäckereien seien in der Folge bayernweit verstärkt in den Fokus gerückt.

Wie befürchtet, waren die Konsequenzen für die Müller-Brot-Beschäftigten drastisch. Mehrere Versuche, den Betrieb nach einer grundlegenden Reinigung der Anlagen wieder aufzunehmen, scheiterten, weil immer noch vereinzelt Ungeziefer gefunden wurde. Auch nach Übernahme der Filialen durch Evi Müller, die Tochter des früheren Besitzers, und die Bäckerei Höflinger, wird in der 54 000 Quadratmeter umfassenden Fabrik nicht mehr produziert. Die Ware wird nur angeliefert, verpackt und ausgefahren. Ob sich daran etwas ändern wird, ist offen, die Besitzverhältnisse sind kompliziert. Etwa 600 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit, allein 400 davon wohnen im Landkreis Freising. Mehr als die Hälfte von ihnen hat mittlerweile neue Jobs gefunden. "Das ist kein schlechtes Ergebnis, aber es genügt noch nicht", bilanzierte Michael Schmidt, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit. Allerdings mussten die Mitarbeiter überwiegend Lohneinbußen hinnehmen, denn Müller-Brot zahlte nicht schlecht.

107 ehemalige Beschäftigte aus dem Landkreis sind noch immer arbeitslos gemeldet, 62 als arbeitssuchend - das heißt, sie haben derzeit eine befristete Beschäftigung, die demnächst endet, oder aber sie befinden sich gerade in Weiterbildungsmaßnahmen. Relativ leicht war es laut Schmidt für Fahrer und Verkäuferinnen neue Stellen zu finden. Schwieriger sei die Situation für ungelernte Kräfte, die seit Jahren bei Müller-Brot waren. Sie werden auf neue Tätigkeiten im Bereich Lager und Logistik vorbereitet. Nach dem Winter hofft Schmidt, dass weitere Ex-Müller-Mitarbeiter vermittelt werden können.

Die Gerichte wird die Pleite noch länger beschäftigen. Noch sind über 100 Klagen ehemaliger Mitarbeiter gegen Müller-Brot anhängig. Bei der Staatsanwaltschaft Landshut ist derzeit Aktenstudium angesagt. "Wir müssen große Datenmengen auswerten", so Oberstaatsanwalt Markus Kring. Das betreffe sowohl die Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung als auch wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht. Kring strebt aber eine Anklageerhebung für beide Tatkomplexe noch im ersten Halbjahr 2013 an.

Die Liste der Verstöße gegen das Lebensmittelrecht kann im Internet unter www.lgl.bayern.de eingesehen werden.