Korbinianswallfahrt in Freising:Kuss-Videos am laufenden Band

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Tausende Katholiken nehmen an "Jugendkorbinian" teil. Unter dem Motto "wachgeküsst" befassen sie sich dort mit Themen wie sexuelle Orientierung, soziales Engagement und Selbstbesinnung.

Von Paulina Gastl, Freising

Tausende junge Christen aus ganz Deutschland und sogar Frankreich haben am Samstag wieder an der Jugendwallfahrt ,,Jugendkorbinian" nach Freising teilgenommen. Einige der Freisinger Jugendlichen pilgerten bereits in den frühen Morgenstunden vom Münchner Dom zu ihrem heimischen Dom in Freising.

Dort angekommen, begann um 16 Uhr der Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx. Der Dom war gut besucht - die Gläubigen standen sogar bis zum Eingang, um zu lauschen. Es wurde dafür gesorgt, dass alle gut sehen konnten. So war hinter dem Altar nicht nur eine Musikgruppe zu finden, die den Gottesdienst mit Querflöte, Gitarre und Co. musikalisch untermalte, sondern auch eine große Leinwand mit Liveübertragung, welche die Beteiligten des Gottesdienstes vergrößert zeigte. Und für diejenigen, die gehörlos sind, gab es eine Gebärdendolmetscherin.

Korbinianswallfahrt in Freising: Die Jugendlichen ziehen vom Dom zur Luitpoldanlage, wo ein umfangreiches Programm auf sie wartet.

Die Jugendlichen ziehen vom Dom zur Luitpoldanlage, wo ein umfangreiches Programm auf sie wartet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Veranstaltung stand dieses Jahr unter dem Motto ,,wachgeküsst", was Marx auch in seine Predigt einfließen ließ. ,,Bei unserer Taufe werden wir wachgeküsst, viele schlafen danach aber wieder ein oder sind im Halbschlaf. Ich hoffe für euch, dass ihr hellwach durch das Leben geht", sagte er. Im Anschluss an den Gottesdienst machten sich die Teilnehmer auf den Weg zum Festplatz in der Luitpoldanlage, wo verschiedene Zelte aufgebaut waren. So gab es eine Kultur-Area, in der eine Band auftrat, einen Kultur-Wohnwagen, indem es einen Gedichte-Workshop gab, und ein Informationszelt für die verschiedenen Möglichkeiten, sich am Ort oder international für den guten Zweck zu engagieren. Anzutreffen waren kirchliche Organisationen wie die Caritas oder Missio, aber auch nichtkirchliche wie Amnesty International. In dem Zelt gab es auch einen Stand zum Thema ,,Diversity" - Transsexualität, Homosexualität und weitere sexuelle Orientierungen kamen dort zur Sprache.

Sexuelle Orientierung "keine Frage der Moral"

Zu dem Motto ,,wachgeküsst" gab es außerdem einen großen TV-Aufsteller, auf dem am laufenden Band Kuss-Videos aller Art gezeigt wurden. Küsse von jungen Menschen, von alten Menschen, Küsse zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. In der Kino-Area wurde der populäre Coming-of-age-Film ,,Love, Simon" gezeigt, ein Film über das Coming-Out als Homosexueller, aber auch Kurzdokus mit Titeln wie ,,Warum Geschlechterklischees ein Problem sind" oder ,,jung und transgender". Zuständig für das Kinozelt war die Katholische junge Gemeinde, kurz KjG. Sie stellt auch eine Stellungnahme zu dem Thema aus, in der steht, dass sexuelle Orientierung eine von Einzelpersonen tief empfundene und unveränderbare Lebens- und Schöpfungswirklichkeit sei und keine Frage der Moral. Christliche Werte wie Liebe seien für Kinder in jeder Form einer Familie erfahrbar, die KjG unterstütze folglich die ,,Ehe für alle".

Einen Ort der Ruhe und Besinnung konnten die Jugendlichen in der sogenannten ,,Spiri-Area" des Ministrantenverbands finden. Ganz modern gab es dazu ein paar Kopfhörer und verschiedene Stationen. Die Stationen hatten als zugrunde liegendes Thema die vier Elemente. Passend zu jedem Element wurde Musik gespielt, die die Teilnehmer durch die Kopfhörer hören konnten. Bei der Station ,,Erde" wurde ruhige Musik gespielt, bei ,,Feuer" lebendige. Außerdem konnte man einen Brief an sich selbst schreiben, der ein Jahr später kurz vor der nächsten Jugendkorbinian-Veranstaltung zu sich nach Hause geschickt wird. Die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) erstellte einen Rundweg, in dem die klassischen Märchen in nicht ganz so klassischer Weise vorgestellt wurden. Was hätte Aschenputtel gemacht, wäre sie blind? Wie hättest du dem Mädchen mit den Schwefelhölzern geholfen? Wie hätte Rapunzel gemerkt, dass jemand an ihrem Turm steht, wenn sie taub gewesen wäre? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wurden verschiedene Stationen aufgebaut. So wurde bei der Rapunzel-Station ein Video von einer gebärdenden Frau gezeigt. Die Besucher sollten die richtigen Worte den Ausdrücken zuordnen. Auf einem Plakat konnten die Besucher ihre Wünsche für die Welt aufschreiben. ,,Frieden" und ,,Gerechtigkeit" wurden am häufigsten genannt.

In dem größten Zelt, der Event-Area war eine Disco aufgebaut. In dem Zelt wurden Cocktails an der Bar der Kolping-Jugend ausgegeben, alle strikt antialkoholisch, denn in der Verordnung von Jugendkorbinian ist festgelegt, dass jegliche Drogen und Alkohol auf der Veranstaltung verboten sind. Gespielt wurde Live-Musik, aber auch ein DJ legte auf, und die Jugend tanzte auf der Tanzfläche. Selber singen konnte sie in einem anderen Zelt am Lagerfeuer, traditionell mit Gitarre.

Was bewegt die Jugendlichen, teils mehrere Stunden nach Freising zu reisen, um an Jugendkorbinian teilzunehmen? ,,Bei uns in der Pfarrjugend ist das eine Veranstaltung, zu der wir alle gemeinsam hingehen", erklären Noomi und Marcel, beide 16. Sie waren wie viele andere katholische Jugendverbände in der Gruppe angereist.

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