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Jugend im Landkreis Freising:Rufbus bekommt noch eine Chance

Freisinger Rufbus

Victor Weizenegger, Rufbus-Vorsitzender.

(Foto: Lukas Barth)

Der Landkreis unterstützt den Verein Subfur weiterhin, obwohl immer weniger Jugendliche das Angebot nutzen.

Von Peter Becker, Freising

Eine letzte Galgenfrist von einem Jahr bekommt der Rufbus, der Jugendliche nachts zu Diskotheken oder Veranstaltungen im Landkreis befördert und sie von dort wieder abholt. Bislang hat der Landkreis dieses Angebot mit 50 000 Euro pro Jahr unterstützt. Aber die Nachfrage sinkt ständig und zum Schluss kam noch Corona mit seinen Ausgangsbeschränkungen hinzu. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags beschloss mit zwei Gegenstimmen, den Zuschuss ein weiteres Jahr zu gewähren. Sollte die Nachfrage auf ähnlich niedrigem Niveau stagnieren wie zuletzt, muss sich das Gremium über Alternativen, wie etwa Taxischeine für Jugendliche, Gedanken machen.

Von einem Spitzenwert bei den Nutzerzahlen wie im Jahr 2006 war der Verein Subfur, der den Rufbus betreibt, 2019 weit entfernt. Damals beförderte er 11 009 Fahrgäste, nur noch 835 waren es dagegen 13 Jahre später. Victor Weizenegger, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Subfur, ist sich der prekären Situation durchaus bewusst. Er berichtete im Jugendhilfeausschuss von diversen Aktivitäten, die helfen sollen, den Rufbus wieder mehr im Bewusstsein zu verankern. Dieser sei "zunehmend uncool" geworden. Zudem sei es ein "zähes Geschäft", Leute zu gewinnen, die den Rufbus durch die Nacht steuern, und diese bei der Stange zu halten. Eine Marketingfirma unterstützte den Verein beim Erstellen einer neuen Homepage und beim Gewinnen neuer Helfer. Laut Sitzungsunterlage soll die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt und eine Ausweitung der Fahrzeiten in Erwägung gezogen werden.

Das Rufbus-Team ist weiter mit Herzblut dabei

Weizenegger sagte, das engagierte Team sei mit Herzblut dabei. Helferstammtische seien geplant gewesen. Die Fahrten zu Faschingsveranstaltungen im vergangenen Jahr hatten laut Weizenegger gute Resonanz gefunden. Doch Corona-bedingt musste der Rufbus im März seinen Betrieb einstellen. Im Sommer schließlich, als die Kontaktbestimmungen gelockert waren, blieb die Nachfrage aufgrund der Pandemie trotzdem im Keller. Eine Prognose, wie sich der Rufbus 2021 entwickelt, will Weizenegger wegen der andauernden Corona-Krise nicht wagen. Zudem habe sich das Ausgehverhalten der Jugendlichen geändert. Und es gebe bis auf Oberhaindlfing keine Discos mehr im Landkreis oder dessen näherer Umgebung.

Evelin Altenbeck (Grüne) sagte, dass ihren Kindern der Rufbus gar nicht bekannt sei. Sie bemängelte, dass auf dessen Homepage keine Haltestellen verzeichnet seien. Man werde auf Facebook und von dort wieder zurück auf die Homepage verwiesen. "Das ist ein Makel." Altenbeck regte an, den Bus doch stündlich nach Oberhaindlfing fahren zu lassen oder ihn auch unter der Woche nutzbar zu machen. Weizenegger entgegnete, die Homepage habe noch "Kinderkrankheiten". Feste Linien gebe es nicht, der Bus fahre "on demand" und halte an jeder MVV-Haltestelle. Beate Frommhold-Buhl (SPD) warb um eine letzte Chance für einen Verein, der über Jahre Gutes geleistet habe. Martin Hellerbrand und der CSU-Fraktion stießen die Defizite auf. Vielleicht sei der Rufbus nicht mehr zeitgemäß, mutmaßte er. Der Verein müsse sich über eine zusätzliche Nutzung Gedanken machen. Dass der Rufbus nicht mehr zeitgemäß sei, hielt Birgit Mooser-Niefanger "für eine verwegene Behauptung". Landrat Helmut Petz (FW) forderte, die gute Idee des Rufbusses mit der Ökonomie zusammenzubringen. Im Landkreis Fürstenfeldbruck, fügte er als Beispiel hinzu, fahre der Rufbus zu einem Bruchteil der Kosten, die er im Landkreis Freising verursache.

© SZ vom 13.02.2021/av
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