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Jubiläum:Gegen viele Widerstände

Am Anfang, vor 71 Jahren, beäugte die Stadtspitze die Erwachsenenbildung eher argwöhnisch. Das hat sich fundamental geändert. Seit elf Jahren residiert die Freisinger Volkshochschule in diesem Prachtbau an der Kammergasse. Auch bei den finanziellen Zuschüssen hat die Stadt kräftig nachgebessert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wenn an diesem Freitag die Volkshochschulen in Deutschland 100. Geburtstag feiern, erinnern auch die Bildungseinrichtungen im Landkreis Freising an ihre Anfänge, die teilweise noch nicht ganz so lang zurückliegen

An diesem Freitag feiern die deutschen Volkshochschulen das 100-jährige Bestehen der Erwachsenenbildung. Die Idee, erwachsenen Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich neue Fertigkeiten und neues Wissen anzueignen, geht auf das Jahr 1919 zurück. Da wurde in der Weimarer Verfassung das Volksbildungswesen verankert und eine Gründungswelle von Volkshochschulen ausgelöst. Heute gibt es bundesweit 900. Sie stehen für das Recht aller Menschen auf Bildung, unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem Status, Bildung oder Religion.

Im Landkreis Freising hat es ein bisschen gedauert, bis sich der Gedanke durchsetzte. Hier schwamm man auf der Gründungswelle nach dem Krieg mit, als deutschlandweit große Bildungsbeflissenheit einsetzte. Die älteste Volkshochschule im Landkreis ist die in Freising. Dort feierte man 2018 das 70-jährige Bestehen. Der Vorläufer, der am 13. Oktober 1948 ins Leben gerufen wurde, hieß "Volksbildungswerk Freising". Erster Leiter war Professor Wilhelm Wühr. Gegen viele Widerstände schaffte er es, neun Lehrgänge anzubieten. Ein eigenes Haus gab es nicht, unterrichtet wurde in der Knabenschule St. Georg und an der Erdinger Straße. Einschreiben konnte man sich im Reisebüro Scharnbeck.

Ein Jahr später waren es bereits 19 Veranstaltungen, mit dabei Englisch als Fremdsprache und Maschineschreiben. "Interessant ist, dass der Unterricht früher nach Geschlechtern getrennt war", erzählt der jetzige Geschäftsführer der Freisinger VHS, Oliver Dorn. Nach dem Tod Wührs 1950 übernahm Rektor Weißauer die Leitung des Volksbildungswerks. Inden Folgejahren wurden aktuelle Themen aufgegriffen, etwa Atomphysik. Als die Teilnehmerzahlen immer weiter stiegen, musste eine neue Organisationsform her, nur mit Ehrenamtlichen war es nicht mehr zu stemmen, und so forderte der Vorstand mehr Zuschüsse von der Stadt. Erste hauptamtliche Leiterin wurde Annemarie Becker-Freyseng. 1978 bezog die VHS erstmals eigene Räume im Eckherhaus. Ende der 1980er Jahre gab es gut 700 Veranstaltungen, darunter EDV und Gesundheit.

Auch in Neufahrn und Eching gab es Vorläufer. In Neufahrn wurde 1966 aus dem privaten "Gesprächskreis Fürholzen" unter Leitung des Lehrers Benno Griebel der "Gesprächskreis Neufahrn", der in den Sälen der Pfarrgemeinde Bildungsabende mit Vorträgen und kulturellen Veranstaltungen organisierte. Obwohl sich die Abende wachsenden Zuspruchs erfreuten, lehnte der damalige Gemeinderat einen Antrag auf Zuschüsse zunächst ab. 1968 regte der Echinger Gemeinderat Max Egersdoerfer eine Einrichtung für Erwachsenenbildung an. Unterstützung fand er bei Realschullehrer Erhard Engelhardt, der später zweiter Bürgermeister wurde, und dem späteren Echinger Bürgermeister Joachim Enßlin.

Am 13. Januar 1970 fiel der Startschuss für die Volkshochschule Neufahrn/Eching, die zuerst aus einem Verein mit 40 Gründungsmitgliedern bestand. Erhard Engelhardt wurde erster Vorsitzender und übernahm die Leitung für Eching, während Alois Biedermann für Neufahrn zuständig war. 1974 wurde Erika Schreiner Leiterin in Neufahrn, bis Februar 1975 zusammen mit Gisela Sensburg. Danach erledigte Schreiner über zwanzig Jahre lang die Arbeit allein und ehrenamtlich bei sich daheim und erhielt dafür eine kleine Entschädigung. Die Kurse fanden jahrelang meist in Klassenzimmern der Hauptschule statt. 1979 wurde Adolf Springer, Rektor der Neufahrner Hauptschule, Vorsitzender der VHS Neufahrn, die Trennung von der VHS Eching wurde beschlossen. Beide waren groß genug, um eigene Wege zu gehen.

In Moosburg gründete Hermann Miedl die VHS am 17. Oktober 1974. Zum Start wurden fünf Kurse geboten, 57 Teilnehmer meldeten sich an. Zum Vergleich nennt die derzeitige Leiterin Gerda Fischer die Daten vom Jahr 2018: 703 Veranstaltungen mit 7612 Teilnehmerinnen. Bis 2012 waren die Kurse an unterschiedlichsten Standorten, im August 2012 durfte die VHS in das Haus der Bildung einziehen.

1985 war das Gründungsjahr der Hallbergmooser VHS, hier ging es am Anfang um Musikkurse, die unter dem Dach angeboten wurden. Monika Förg übernahm die Leitung, bei ihr daheim fanden auch Musikkurse statt. Es folgten Sprachen, Kunst und Gestalten. Seit 22 Jahren steht Monika Häusler an der Spitze, aktuell gibt es 200 Kurse pro Semester.