Für Spitzensportler gibt es wahrscheinlich keinen größeren Traum, als an einem wichtigen internationalen Wettbewerb teilnehmen zu dürfen – und für die Freisinger Geschwister Paszkiewicz wird gerade dieser Traum wahr. „Es ist eine verdammt große Ehre, dabei zu sein“, sagt Felix Paszkiewicz im Videocall aus China. Mit seiner Schwester Julia ist er derzeit in der 20-Millionen-Einwohner-Stadt Chengdu, wo am 7. August die World Games begonnen haben. Noch sind die beiden Ju-Jutsu-Kämpfer dabei, sich an den neuen Schlafrhythmus anzupassen und mental vorzubereiten. Am Sonntag beziehungsweise am Dienstag werden sie selbst auf die Matte treten – ihr Verein, der SV Niederroth im Landkreis Dachau, fiebert schon mit.

„The World Games“ sind die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten. Sie finden wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre statt, zum Programm gehören 34 Disziplinen wie Baseball, Karate, Kickboxen, Rettungsschwimmen, Tauziehen, Sportakrobatik und Tanzen. Und natürlich den von den Paszkiewicz-Geschwistern praktizierten Ju-Jutsu, ein modernes Selbstverteidigungssystem, das Elemente aus dem Judo, Aikido und Karate kombiniert. 212 deutsche Athleten und Athletinnen sind bei The World Games dabei, bei der letzten Ausgabe in Birmingham (USA) gewann Deutschland den Medaillenspiegel.
Julia Paszkiewicz, 29, wird mit ihrer Partnerin Nike Hünecke in der Kategorie „Duo Inclusive“ am Start sein. Beim Duo-Wettkampf im Ju-Jutsu treten jeweils zwei Partner gemeinsam an und führen vorgegebene Angriffe und deren Verteidigung vor, bewertet werden unter anderem Technik, Präzision und Dynamik. Der Begriff „Inclusive“ im Wettbewerbsnamen weist darauf hin, dass einer der beiden Partner eine Behinderung hat, Nike Hünecke ist nämlich sehbehindert. „Unser klares Ziel ist Gold“, sagt Julia Paszkiewicz, die seit 2024 in der Kategorie trainiert und inzwischen als Bundestrainerin des Ju-Jutsu Verbandes tätig ist. Sollte es für den ersten Platz nicht reichen: „Ich möchte unbedingt eine Medaille und ich glaube, dass das realistisch ist“, meint sie.
„Nach den Wettbewerben ist es immer ein großes Fest“
Julia Paszkiewicz gehört zu den erfolgreichsten Athletinnen, die gerade das deutsche Team in Chengdu vertreten. Bereits an zwei World Games hat sie teilgenommen: Mit ihrem langjährigen Duo-Partner Johannes Tourbeslis, der seine Karriere inzwischen beendet hat, hat sie die Silbermedaille gewonnen, im Team-Wettkampf hat sie sich einmal die Gold- und einmal die Silbermedaille gesichert. „Am Anfang ist die Stimmung voller Erwartung und man ist sehr auf sich selbst fokussiert“, beschreibt sie die Atmosphäre bei den World Games. „Nach den Wettbewerben ist es immer ein großes Fest“.

Für ihren jüngeren Bruder Felix Paszkiewicz, 28, ist die jetzige Ausgabe der World Games hingegen eine Premiere. „Ich freue mich unglaublich drauf“, sagt er, zumal seine Nominierung bis März gar nicht so sicher war. Im Jahr 2023 gewann Paszkiewicz mit seinem Ju-Jutsu-Partner Ian Butler den Weltmeister- und den Europameistertitel. Beim jüngsten internationalen Turnier in Rom, das im Juni stattfand, holte das Paar die Bronzemedaille. In Chengdu wird das Duo-Team am Sonntag wetteifern, die Konkurrenz ist da größer als in der Kategorie von seiner Schwester. Der Freisinger sagt, er würde gern eine Edelmedaille um den Hals tragen, will sich aber in drei Vorrunden nur auf seine Performance konzentrieren, „ohne den Gedanken an die Zukunft zu verschwenden“. Erst im Halbfinale werde er sich wirklich auf das Podest fokussieren.
Auch Adam Paszkiewicz wird bei den World Games in Chengdu dabei sein: Er ist nicht nur der Trainer und größte Fan der beiden Geschwister, sondern auch ihr Vater. Er erzählt, dass seine Tochter und sein Sohn bereits im Kindergartenalter mit Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Kinder begannen, später wechselten sie ins reguläre Training. „Seit ich mich erinnern kann, stehen sie auf der Matte“, sagt er. Als Trainer müsse er manchmal „den väterlichen Ansatz ein bisschen zurückstecken“, erklärt er. Aber insgesamt schafften sie es, die sportliche und die familiäre Ebene gut zu kombinieren. Natürlich ist er auch diesmal dabei, was für eine Frage: „Bis auf einen Wettkampf habe ich alle internationalen Events miterlebt“, betont Adam Paszkiewicz. Nach dem Wettbewerb wird dann zusammen gefeiert: die Teilnahme – und vielleicht auch die Medaillen.


