Freisinger Innenausstatter Abenteuer in Marbella

Inhaber Johann Thalhuber ist gespannt, wie sich der Umbau der Freisinger Innenstadt auf sein dort ansässiges Geschäft auswirken wird. Er hat Bedenken, will aber erst mal abwarten, "wie sich die Innenstadtkonzeption im Alltag bewährt".

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit bald 120 Jahren sorgt der Innenausstatter Thalhuber an der Unteren Hauptstraße dafür, dass die Freisinger sich in ihrem Zuhause wohlfühlen können. Der Familienbetrieb stattet aber auch Hotelketten, Yachten oder Urlaubsdomizile aus.

Von Katharina Aurich, Freising

Seit vier Generationen sorgt das Innenausstattungsgeschäft Thalhuber in der Unteren Hauptstraße dafür, dass sich seine Kunden in ihrem Zuhause wohlfühlen. Im Laden gibt es schöne Stoffe und Handtücher, Modelle für Jalousien, Bezüge für Polstergarnituren sowie Sonnensegel und Markisen, die sich die Kunden aussuchen. Das Herzstück des Unternehmens mit seinen neun Mitarbeitern ist jedoch die persönliche Beratung der Kunden in den eigenen vier Wänden. "Damit heben wir uns vom Kauf im Internet ab", schildert Raumausstattermeister und Inhaber Johann Thalhuber.

Gelebte Tradition

Er sei sehr viel unterwegs, um den Kunden vor Ort Vorschläge und Ideen zu unterbreiten und dann auch die Vorhänge oder, wie jetzt sehr häufig um diese Jahreszeit, große Sonnensegel zu montieren. Es komme vor, dass er in einem Haus die Markisen, die sein Vater vor vierzig Jahren angebracht hatte, neu bespannt. Sehr viele ältere Stammkunden ließen sich immer wieder beraten und freuten sich, wenn sie die Mutter des jetzigen Firmenchefs im Laden antreffen, dies sei gelebte Tradition.

Zum Geschäft, das seit 1900 im Familienbesitz ist, gehören die Polstererwerkstatt und die Näherei, die die Kundenwünsche rasch und kompetent Wirklichkeit werden lassen. Auch edle Aufträge, wie Leder bezogene Betten oder Vorhänge aus Seide, werden hier hergestellt. Vorhänge seien viele Jahre "out" gewesen, erlebten zur Zeit aber eine Renaissance, berichtet Thalhuber. Man besinne sich wieder auf die gemütliche Stimmung, die Stoffe neben den Fensterscheiben vermitteln.

Das Geschäft von Johann Thalhuber befindet sich mitten in der Innenstadt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mit Gesten verständigt

Die Firma Thalhuber arbeitet mit Architekten zusammen, und das führt den Firmenchef und seine beiden Gesellen oftmals an besondere Orte: So richteten sie auch auf Mallorca eine Yacht ein, bald fahren sie nach Sankt Moritz, um Vorhänge aufzuhängen. Diese Luftveränderung mache ihm und seinem Team besonders viel Freude, erzählt Thalhuber. Er erinnere sich an eine Russin, die kein Wort Deutsch sprach, in deren Anwesen in Marbella er Vorhänge anbrachte. Es war problemlos, sich mit Gesten zu verständigen. Die Arbeit eines Innenausstatters sei bei solchen Aufträgen auch immer ein bisschen abenteuerlich, schildert Thalhuber. Nicht nur Privatpersonen gehören zu seinen Kunden, sondern auch große Hotelketten oder Restaurants. "Die Spannweite unserer Kunden ist enorm", so der Firmenchef.

Natürlich hofft Thalhuber, dass sein neunjähriger Sohn später einmal in seine Fußstapfen tritt und in der fünften Generation weitermacht. Wie es dann allerdings in der Freisinger Innenstadt aussehen könnte, macht Thalhuber Sorgen. Er habe Bedenken, dass der Umbau den Anforderungen an eine Kreisstadt nicht gerecht werde. Denn es kämen ja nicht nur Kunden aus Lerchenfeld mit dem Fahrrad, sondern viele aus dem Umland, die zu Fachgeschäften oder zu Fachärzten möchten. Für ältere Menschen sei ein spontaner Einkauf in der Innenstadt vielleicht nicht mehr möglich, wenn sie längere Strecken zu Fuß zurücklegen müssten, überlegt Thalhuber. Auch wenn jemand bei ihm Vorhänge oder Teppiche bestellt habe, wäre eine Abholung mit dem Auto für viele Kunden sicherlich wünschenswert. Jetzt heißt es erst einmal die Baustellen zu überstehen, "dann werden wir sehen, wie sich die Innenstadtkonzeption im Alltag bewährt", so Thalhuber.

Der Umbau der Freisinger Innenstadt läuft auf Hochtouren. Für die Geschäftsleute bedeutet das harte Zeiten. Beim Freisinger Werbeverein Aktive City baut man darauf, dass vor allem die traditionsreichen, inhabergeführten Geschäfte die Zeit gut überstehen. Die SZ stellt sie in loser Folge vor.