Jahreshauptversammlung Neufahrner Geschichte in den Ort bringen

Ein großes Projekt des Heimatvereins war die Errichtung des Mahnmals, das an der Dietersheimer Straße an das frühere KZ-Außenlager an dieser Stelle erinnert. Vor zwei Jahren wurde es eingeweiht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sieben Jahre gibt es den Heimat- und Geschichtsverein. Längst ist er über die Rettung des Mesnerhauses hinaus gewachsen

Im Baugebiet Neufahrn-Ost sollen die Straßen auch nach verstorbenen Bürgern benannt werden, an die sich ansonsten wohl bald niemand mehr erinnern würde: Mathias Kratzl zum Beispiel war Bürgermeister in Neufahrn, bis er von den Nazis aus dem Amt gejagt wurde. Genauso erging es dem Gemeindeschreiber Martin Bichlmeier. Nach dem Krieg gehörte er der Spruchkammer an, die von den Amerikanern für die Entnazifizierungsverfahren eingesetzt worden war. Solche Neufahrner "sollte man nicht vergessen", sagt Ernest Lang, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins jüngst bei der Jahreshauptversammlung.

Der Verein unterstützt und berät die Gemeinde bei der Suche nach neuen Straßennamen, plant aber auch einen Vortrag über Neufahrner Persönlichkeiten der jüngeren Zeitgeschichte. Zum Partner ist der Verein auch für die Schulen geworden: In der Jahreshauptversammlung berichtete Lang auch von der fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Oskar-Maria-Graf-Gymnasium (OMG) und der dortigen Fachschaft Geschichte. Zusammen mit den Hobby-Archäologen Hermann Wegener und Alfred Ballauf hat der Historiker Lang das P-Seminar "Die Kelten in Neufahrn" begleitet und dabei auch demonstrieren können, auf welch historischem Boden die Schule steht: Schon bei den Bauarbeiten war zum Bespiel eine Keltenfibel gefunden worden. Ernest Lang hat vor Elftklässlern des OMG auch einen Vortrag über die NS-Zeit und die Jahre in Neufahrn unmittelbar nachdem Krieg gehalten.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen soll weiter ausgebaut werden. Auch die Mittelschule wäre Gemeinderätin Beate Frommhold-Buhl (SPD) in dem Zusammenhang wichtig. Möglicherweise könne man dort über das Thema Jo Mihaly - die Namensgeberin der Schule - einsteigen, überlegt Lang. Als der Neufahrner Heimatverein vor sieben Jahren gegründet wurde, stand vor allem der Erhalt des denkmalgeschützten alten Mesnerhauses in der Dietersheimer Straße im Vordergrund. Inzwischen plant die Gemeinde dort Räume für die Heimatgeschichte und einen multifunktionalen Raum für diverse Nutzungen. Nach zähen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz liegt seit kurzem endlich die Baugenehmigung für die Sanierung vor (wir haben berichtet). "Da ist man wieder bisschen Herr im eigenen Haus", stellte Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) in der Vereinsversammlung fest. Erneut machte der Bürgermeister aber deutlich, dass man mit den eigentlichen Arbeiten wohl erst im nächsten Jahr beginnen könne. Derzeit würden in Zusammenarbeit mit dem Architekten die Ausschreibungen vorbereitet. Zugleich warnte Heilmeier vor überzogenen Erwartungen an den Bau im alten Dorfkern von Neufahrn: "Es wird ein überschaubares Zentrum werden." Bei der Finanzierung könnte die Gemeinde neben Mitteln aus der Städtebauförderung auch Geld vom Bezirk Oberbayern bekommen, wie Lang herausgefunden hat. Konkret geht es dabei um einen Zuschuss für die Zusatzkosten, die durch Auflagen des Landesamts für Denkmalpflege entstehen. Das seien beim Mesnerhaus tatsächlich nicht wenige, so Bürgermeister Heilmeier.

Ein großes Projekt des Heimatvereins war in der Vergangenheit auch die Errichtung des Mahnmals, das seit zwei Jahren an der Dietersheimer Straße an das frühere Außenlager des Konzentrationslagers Dachau an dieser Stelle erinnert. Für 2020 - also 75 Jahre nach Kriegsende - ist dort erneut eine größere Gedenkfeier vorgesehen. Für dieses Jahr plant der Heimat- und Geschichtsverein, der an die 120 Mitglieder hat, zum Beispiel noch einen Ausflug ins neue Museum der bayerischen Geschichte nach Regensburg, eine Führung durch die alte Kirche, einen weiteren Krippenweg und das traditionelle Adventsmusizieren. Zusammenarbeiten will man auch mit Martina Paringer, der neuen Gemeindearchivarin für Neufahrn und Hallbergmoos. Der verstorbene frühere Heimatpfleger Josef Ritter habe zwar "viel gesammelt", so Lang, aber er sei eben kein Archivar gewesen. In absehbarer Zeit werde das Material aber wohl so weit sortiert sein, "dass man damit arbeiten kann".