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Ungewöhnliche Investition:200 000 Euro für Kaffee.de

Andreas Goclik, Oliver Pflüger

Andreas Goclik und Oliver Pflüger haben "Kaffee.de" gekauft.

(Foto: oh)

Freisinger OPAG kauft teure Webadresse, um einen Online-Marktplatz einzurichten.

Von Kerstin Vogel, Freising

Wer ein Geschäft aufbauen will, der muss investieren - und heutzutage darf so eine Investition schon auch mal in eine Webadresse fließen: Der Freisinger Kaffeegroßhändler Opag GmbH hat kürzlich für 200 000 Euro die Domain "Kaffee.de" gekauft, um dort einen Online-Marktplatz für Kaffee, Kaffeemaschinen und Zubehör einzurichten. "Über den Domain-Händler "Sedo" sind wir auf den Verkäufer der Domain gestoßen", erzählt der studierte Diplom-Kaufmann Oliver Pflüger, einer der beiden Opag-Geschäftsführer. Anschließend hätten sie bei "Sedo" ein Wertgutachten für die Domain in Auftrag gegeben, das bei 300 000 Euro gelegen habe. "Das anschließende Verhandeln ist wie mit einer Immobilie gleichzusetzen", so Pflüger, der die E-Bar in Freising betrieben hatte und zusätzlich einen gleichnamigen Online-Shop aufzog und noch heute führt. Im Dezember 2016 einigten sich beide Parteien auf den sechsstelligen Betrag. Das sei der höchste bekannte Kaufpreis für eine deutschsprachige Domain, der in den vergangenen zwei Jahren gezahlt worden sei, heißt es bei "Sedo". Mit dem Projekt wollen Pflüger und sein Geschäftspartner Andreas Goclik vor allem kleinen und mittelständischen Kaffeeonlinehändlern eine Verkaufsplattform bieten. Auch Röstereien und Hersteller sollen eingebunden werden. Als primäre Zielgruppe von "Kaffee.de" sieht Opag Privatpersonen, Gastronomen, Baristas und Officekunden. "Unser Ziel ist es, den größten Marketplace für Kaffee und Kaffeeprodukte im deutschsprachigen Web zu etablieren. Derzeit arbeiten wir mit mehr als 100 Online-Shops zusammen", so der 45-Jährige. Im deutschlandweiten Kaffeegroßhandel zählt Opag laut eigener Pressemitteilung mit mehr als zwei Millionen Euro Jahresumsatz und einem gut 700 Kaffeeprodukte umfassenden Sortiment längst zu den Schwergewichten der Szene und sei somit das erfolgreichste Kaffee-Startup der vergangenen Jahre.

Auf "Kaffee.de" sollen bald alle branchenrelevanten Elemente aus Produktion, Handel und Kaffee-Wissen erstmals in einer offenen Plattform zusammengeführt werden.

"Die Website wird nicht nur ein Vergleichsportal sein, sondern auch viel Content zum Thema Kaffee bieten", sagt Pflüger, "sie werden die Kaffeesorten nicht nur nach den Preisen sondern auch nach der Frische sortieren können." Für den Familienvater ist Kaffee schon längst ein Massenprodukt und kein Genussmittel mehr: "Es geht jetzt eher um die Spezialisierung. Die Kunden achten vermehrt darauf, welchen Kaffee sie trinken", sagt er. Die Deutschen trinken pro Kopf zwei Tassen Kaffee am Tag. Das entspricht für jeden 162 Litern pro Jahr. Die in den vergangenen Jahren vermehrt aufkommenden Kapseln für Kaffee sind nicht Pflügers persönlicher Favorit. "Im Gegensatz zu anderen Produkten ist Kaffee ein sehr ökologisches Produkt", findet er. Das beruhe darauf, dass Kaffeebohnen vorwiegend in Ländern angebaut werden, die am Äquator lägen. "Und da gibt es regenreiche Zonen", führt der Geschäftsmann aus. Wasser ist für die Produktion des koffeinhaltigen Genussmittels immens wichtig. "Für die Herstellung einer Tasse Kaffee sind rund 140 Liter virtuelles Wasser erforderlich", erklärt Ruth Reinermann. Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Deutscher Kaffeeverband erläutert, dass virtuelles Wasser nicht mit Trinkwasser gleichzusetzen sei. "Insofern ist die Behauptung, für die Herstellung einer Tasse Kaffee werden 140 Liter Trinkwasser verwendet, falsch." Virtuelles Wasser - also die Menge an Wasser, die tatsächlich für die Herstellung eines Produkts anfällt - setzt sich aus drei Komponenten zusammen: grünes Wasser aus Niederschlägen, blaues Wasser aus Oberflächenwasser und Grundwasser sowie graues Wasser (gering verschmutztes Abwasser). Reinermann beruft sich auf den Verein Vereinigung Deutscher Gewässerschutz. Dieser betont, dass das für die Herstellung einer Tasse Kaffee benötigte virtuelle Wasser zum Großteil aus grünem Wasser bestehe. Fernab davon wollen Pflüger und Goclik mit dem Projekt keine größeren Spekulationen eingehen. "Die Website soll von Beginn an profitabel sein." Ihr ambitioniertes Ziel mit "Kaffee.de" bis 2022: ein jährlicher Umsatz von 100 Millionen Euro.

© SZ vom 06.09.2017 / vo
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