Gescheiterter DSDS-Kandidat "Sie wollten mich zum Weinen bringen"

Christoph Cronauer wird nicht Deutschlands Superstar, jedenfalls noch nicht. Der Musik aber bleibt er auf jeden Fall treu.

(Foto: Einfeldt)

Der Freisinger Christoph Cronauer war Kandidat bei "Deutschland sucht den Superstar". Im Gespräch schildert er nach seinem Ausscheiden offen, wie ihm die allgegenwärtigen Kameras auf die Nerven gingen - und um was es in der Talentshow wirklich geht.

Interview von Katharina Aurich

Eine brutale und respektlose Atmosphäre, aber eine wichtige Erfahrung, so beschreibt der Freisinger Christoph Cronauer seine Zeit in der RTL-Talentshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Am vergangenen Samstag war zu sehen, wie es der junge Mann während eines Sets in Bangkok, das bereits im Dezember gedreht wurde, nicht mehr in die nächste Runde schaffte. "Ich war einfach nur erleichtert, der Druck war wahnsinnig groß und wurde immer größer", sagt er heute.

Wie kam der junge Mann in die Show? Cronauers Leidenschaft ist die Musik, bereits vor sechs Jahren berichtete die SZ über den Ausnahmeschüler der Freisinger Realschule, der schon damals Songs komponierte und im Studio aufnehmen ließ. Inzwischen sind viele weitere Rock-, Pop- und House-Stücke entstanden. Der Freisinger SZ schildert Cronauer seine Erlebnisse im TV-Geschäft.

SZ: Welchen Stellenwert hat die Musik in Ihrem Leben?

Cronauer: Im Moment ist es noch mein Hobby, Musik zu komponieren und Songtexte zu schreiben. Ich spiele viel Gitarre, die Musik macht mir sehr viel Freude. Vor vier Jahren habe ich mir ein Studio eingerichtet und zwei Mixed Tapes ins Internet gestellt. Vielleicht wird später mehr daraus und ich kann beruflich Musik machen.

Wie kamen Sie zu DSDS?

Die Macher der Sendung waren durch meine Songs im Internet wohl auf mich aufmerksam geworden und luden mich ein, mitzumachen. Anfangs war ich eher skeptisch, was das bringen sollte, aber ich hatte nichts zu verlieren und so wurde ich im vergangenen Herbst nach Köln eingeladen.

Welche Songs hatten Sie im Gepäck?

Ich spielte vor der vierköpfigen Jury "All of me", eine Akustik-Version von John Legend, und von Bruno Mars "Lazy song". Die Jury entschied, dass ich weiter komme und nach dem Casting wurde dann noch ein Interview mit mir gemacht. Im Oktober wurde ich dann wieder in die Studios nach Köln zur nächsten Runde eingeladen. Da war es schon ernster und ich stand die ganze Zeit in den Studios unter Beobachtung, überall waren Kameras. Bereits am Eingang wurden wir, ich war mit meinem Bruder und meinem Vater gekommen, gefilmt und jede unserer Regungen festgehalten. In der Beauty Box wurde ich geschminkt, stimmte ein letztes Mal meine Gitarre und wurde dann aufgerufen.

Wie ging es dann weiter?

Ich schaffte es in die nächste Runde und erfuhr anschließend, dass es im Dezember in Thailand am Strand weiter geht. Wir waren 34 Teilnehmer und flogen nach Bangkok. Leider hatte ich die Unterlagen nicht richtig gelesen und es war nichts mit Strand, sondern wir blieben in der Stadt. Beim ersten Set in Bangkok kam ich mit dem Song "Berlin bei Tag und Nacht", den sie für mich ausgesucht hatten, gar nicht zurecht und nur ganz knapp weiter. Aber beim zweiten Set, der in einer Gasse gedreht wurde, hatte ich mehr Glück und bekam ein super Feedback.

Wie lange waren Sie in Bangkok und wie gefiel es Ihnen?

Ich verbrachte anderthalb Wochen in der Stadt und wir drehten drei Sets, beim letzten flog ich dann raus. Wir waren den ganzen Tag mit den Kamera-Teams unterwegs und wurden unaufhörlich gefilmt. Denn es stand ja auch die Entscheidung an, wer nach den Sets in Bangkok mit nach Phuket, also an den Strand, fliegen würde. Ich denke aber, es war von vorne herein geplant, welche Kandidaten rausfliegen und wer weiter kommt, unabhängig von der künstlerischen Leistung.

Was glauben Sie, worum es bei DSDS geht?

Es kommen diejenigen Kandidaten weiter, die irgendetwas Besonders haben, die zum Beispiel einen Schicksalsschlag erlebt haben oder die permanent ihre Emotionen vor der Kamera zeigen. Es geht nur darum, wie gut man die Kandidaten vermarkten kann, welche Storys man mit denen machen kann. Das musikalische Talent, was jemand kann, ist nicht so wichtig. Mir sind die Kameras total auf die Nerven gegangen, ich wurde immer zurückhaltender und stiller. Aber in unserer Gruppe gab es welche, die waren total scharf auf die Kameras. Als ich rausflog, haben sie versucht, mich zum Weinen zu bringen, aber ich war einfach froh, dass es vorbei war. Ein Mädchen, das ebenfalls rausgeflogen war und weinte, wurde gnadenlos mit den großen Kameras gefilmt, ohne dass sie gefragt wurde. Wir flogen dann zu sechst wieder nach Hause und ich war sehr erleichtert, dass der Druck weg war.