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Integriertes Mobilitätskonzept:Verkehrskollaps vermeiden

Wissenschaftliche Mitarbeiter der TU München empfehlen Kommunen der Region Mittlere Isar, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern statt neue Straßen zu bauen

Von Petra Schnirch, Kranzberg

Die Vorschläge sollen dazu beitragen, einen Verkehrskollaps in der Region zu vermeiden: Das "Integrierte Mobilitätskonzept Mittlere Isarregion & Ampertal" ist fertig. Am Mittwoch stellten Ulrich Glöckl und Elias Pajares, wissenschaftliche Mitarbeiter an der TU München, die Ergebnisse den Bürgermeistern in einer Sitzung des Ampertalrats am Kranzberger Pantaleonsberg vor. Diese sollen in ihren Stadt- und Gemeinderäten dafür werben, dass der Maßnahmenkatalog nicht in der Schublade verschwindet. Es wird aber ein "Kümmerer" nötig sein.

Eines hoben die Experten gleich zu Beginn hervor: Ein weiterer Straßenausbau wird die Verkehrsprobleme nicht lösen können. Die stärkste Entlastung versprechen sie sich durch den öffentlichen Personennahverkehr. Der aber "ist stark ausbaubedürftig", wie es in der Analyse heißt. Schwächen wurden vor allem bei Tangentialverbindungen ausgemacht und flexiblen Angeboten. Neben der TU München gehörten das Planungsbüro Schlothauer & Wauer sowie der Verein Green City zum Bearbeitungsteam.

Acht Schlüsselprojekte stellte Ulrich Glöckl kurz vor. In besiedelten Bereichen empfiehlt er eine Verkehrsberuhigung, auch in Ortsdurchfahrten sollte eine Beschränkung auf 30 Stundenkilometer möglich sein. Derzeit bewege sich in dieser Richtung einiges, sagte er. Erforderlich seien dann regelmäßige Kontrollen. In Wohngebieten sollten konsequent Tempo-30-Zonen eingerichtet werden.

Sinnvolle Ergänzungen beim ÖPNV sind aus Sicht der Fachleute nachfragegesteuerte Sammeltaxis. Gerade im ländlichen Raum gebe es hierbei bisher kaum Angebote. Buslinien sollten häufiger über die Landkreisgrenzen hinaus führen. Neben der S-Bahn müsse es noch andere Hauptachsen geben, sagte Glöckl. Beispiele wären eine Nachtlinie von Mainburg Richtung Freising, Verbindungen von Erding nach Moosburg oder vom Landkreis Dachau über Fahrenzhausen nach Lohhof. Weiterer Punkt sind Expressbusse. "Wir brauchen S-Bahn-Qualität auf der Straße", so Glöckl. Einige Vorschläge: ein Ring von Eching über Neufahrn nach Garching, eine Schnellverbindung von Mainburg Richtung Freising oder von Allershausen nach München.

An Mobilitätsknoten sollten unterschiedliche Angebote gebündelt werden, bestehende Pendlerparkplätze sind laut Glöckl oft nicht sehr einladend und ohne Beleuchtung zum Teil sogar "Angsträume". Weiteres Schlüsselprojekt ist der Ausbau des überörtlichen Alltagsradwegenetzes. Was die weitere Gewerbe- und Wohnentwicklung bis 2040 betrifft, sollten die Kommunen - dem messen die Fachleute ebenfalls große Bedeutung zu - gemeinsame Konzepte erstellen, ein Kriterium sollte die ÖPNV-Anbindung sein.

"Wenn wir einen Verkehrsinfarkt in den Zentren verhindern wollen, müssen wir viel früher, draußen, ansetzen", sagte Hans Huss, Manager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mittlere Isarregion. Er riet deshalb, einen Kümmerer einzustellen oder ein Fachbüro mit dieser Aufgabe zu beauftragen. Für einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren gebe es dafür eine Förderung. Beteiligen müssten sich aber auch die 17 Mitgliedsgemeinden in den Landkreisen Freising und Erding - bei Beiträgen von 44 Cent pro Einwohner kämen 51 600 Euro zusammen, bei 55 Cent wären es 64 500 Euro. Damit sollen sich nun die Gemeinderäte befassen. Ein Problem sah Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer darin, dass die Abschlussveranstaltung mit Präsentation wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Die Gemeinderäte verfügten deshalb über zu wenig Informationen. Seine Langenbacher Kollegin Susanne Hoyer sah darin kein Problem - ihr Gemeinderat stimmte am Dienstag zu, die Bürgermeisterin hat die Unterlagen selbst zusammengestellt.

© SZ vom 25.06.2020

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