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Integrationsbeirat:Endlich mitreden dürfen

Auch Nicht-EU-Ausländer, die im Landkreis leben, wollen gehört werden

Kommentar von Peter Becker

Wer hier lebt, der muss sich einfügen. Dies sind die stillen Anforderungen, die Einheimische an Hinzugezogene haben. Der Zugereiste aus dem hohen Norden muss es deshalb tolerieren, dass auf dem Dorf halt mal die Kirchenglocken in der Früh läuten oder die Hähne krähen. Zugezogene aus dem übrigen Europa gelten als pflegeleicht, die kulturellen Wurzeln sind im Wesentlichen die Gleichen. Sie alle dürfen auch wählen gehen und können so ihre Umwelt mitgestalten. Gut einem Zehntel der Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis bleibt dieses Recht bislang versagt. Diese Menschen kamen zum Beispiel aus Afrika, Asien oder Südamerika in den Landkreis. Sie haben keine Möglichkeit, sich einzubringen und bleiben ausgegrenzt.

Das soll sich mittelfristig ändern. Der Landkreis Freising möchte einen Integrationsbeirat schaffen, über den die bislang Ausgegrenzten eine Möglichkeit haben, das Leben in ihrer unmittelbaren Umgebung mitzugestalten. Wer da jetzt Befürchtungen hegt, in ein paar Jahren könnten überall auf den Dörfern Minarette neben den Kirchen emporwachsen, dem sei gesagt: So viele Kompetenzen werden die Mitglieder des Integrationsrates nicht bekommen. Sie können Ideen einbringen, wie sich das Zusammenleben besser gestalten lässt. Sie können Anträge an den Kreistag formulieren. Die Entscheidung darüber bleibt aber in Händen der politischen Verantwortungsträger des Landkreises.

Das mag zunächst einmal als wenig erscheinen. Aber andererseits wird die Installation eines Integrationsbeirats diesen Personengruppen das Gefühl geben, willkommen zu sein und mitreden zu dürfen.

© SZ vom 17.11.2020
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