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Innovation bei der Lebenshilfe:Barrierefrei durchs Netz

Sintje Reicheneder, Leiterin der Beratungsstelle für unterstützte Kommunikation der Lebenshilfe Freising, hat "Lenadi" - den leichten Nachrichtendienst" entwickelt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sintje Reicheneders leichter Nachrichtendienst "Lenadi" ist für den Digitalpreis nominiert

Von Katharina Aurich

Warum muss ich mir oft die Hände waschen, zu anderen Abstand halten und eine Maske tragen? Für Menschen, die lesen und sprechen können, sind diese Regeln in Zeiten der Corona-Pandemie nachvollziehbar. Aber Mitbürger, die ein Handicap haben, nicht lesen oder sprechen können, die in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind, stellt die Pandemie vor noch größere Herausforderungen. Damit auch sie einbezogen und informiert werden, entwickelte Sintje Reicheneder, Leiterin der Beratungsstelle für unterstützte Kommunikation der Lebenshilfe Freising, "Lenadi" - den leichten Nachrichtendienst". Dafür ist sie nun auch für einen Preis nominiert.

Lenadi besteht aus tagesaktuellen Themen als Video in leichter Sprache oder als symbolunterstützter Text, der von allen Endgeräten abgerufen werden kann. Reicheneder reichte ihr Projekt für den Bayerischen Digitalpreis des Staatsministeriums für Digitales "b.digital" ein, der in diesem Jahr unter dem Motto "digitale Teilhabe" steht. Lenadi wurde nun mit 45 anderen aus 150 eingereichten Projekten für die Endrunde ausgewählt. Wer den Preis schließlich erhält, entscheidet zum einen die Jury, zudem können die Bürgerinnen und Bürger online mit abstimmen.

Es sei sehr schwierig, Menschen mit einer Behinderung angemessen zu informieren, schildert Reicheneder. Denn eine Google-Eingabe sei vielen, die etwa in den Einrichtungen der Lebenshilfe betreut werden, nicht möglich. Für die Entwicklung ihres Nachrichtendienstes habe sie vor allem Kreativität benötigt, sagt die Logopädin. Die Basis von Lenadi ist die Software Padlet, mit der eine digitale Pinnwand entsteht, auf der Dokumente, Videos, Zeichnungen oder Links hochgeladen und abgelegt werden. Nur leichte Sprache reiche jedoch nicht aus, um Informationen zu transportieren und zu erklären, warum alle so aufgeregt seien und eine Impfung wichtig sei. Deshalb seien die Infos symbolbasiert und ähnlich wie ein Comic gestaltet, erklärt Reicheneder. Die Nutzer können sich jetzt auf ihre Handys, Tablets oder auch per E-Mail den Link zum Padlet schicken lassen und barrierefrei Infos zum Beispiel zu den Fragen, "was bedeutet Quarantäne?" oder "soll ich mich impfen lassen?", abrufen. Darüber hinaus können auch Fragen gestellt werden, die zeitnah beantwortet werden.

Reicheneder arbeitet seit 15 Jahren bei der Lebenshilfe und absolvierte zahlreiche Fortbildungen in "unterstützter Kommunikation". Für die meisten Menschen sei es selbstverständlich, sich mit Worten auszudrücken. Aber für viele eben auch nicht. Ihnen eine Stimme zu geben und sie angemessen zu informieren, um ihnen eine Teilhabe zu ermöglichen, das ist ihr Anliegen. Dafür sei die Digitalisierung eine große Chance.

Weitere Informationen gibt es unter www.youtube.com/watch?v=0i4EqB9EJb0; www.lebenshilfe-fs.de/BeratungsstelleUnterstuetzteKommunikation.html; www.bdigital.bayern.de/.

© SZ vom 15.05.2021
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