Inhabergeführte Geschäfte Einkaufserlebnis der anderen Art

Es riecht nach Holz und Wolle, an den Ständern hängt Bio-Kleidung, doch die Kunden von "Fashion & More" erwartet noch viel mehr: Veganes Eis, Bambus-Zahnbürsten, Kuchen und frisch gemahlener Kaffee, selbstredend aus Bio-Bohnen. Inhaber Günther Sesselmann ist Idealist.

Von Laura Dahmer

Wer den Namen von Günther Sesselmanns Laden hört, denkt wohl zuerst an ein Discount-Bekleidungsgeschäft. Von außen wirkt das Gebäude mit dem schlichten goldenen Schriftzug kaum einladender - vor allem jetzt, mit der Baustelle in der Unteren Hauptstraße vor der Tür. Traut man sich trotzdem hinein, wird man vom Gegenteil überrascht: "Fashion & More" ist sauber und aufgeräumt, sogar ziemlich gemütlich. Und bietet ausschließlich nachhaltige, faire Bekleidung und Bioprodukte an.

Nach dem Hineingehen fällt einem zuallererst eins auf: Ein sanfter Geruch nach Holz und Wolle, gepaart mit einer leichten Kaffeenote. Nicht etwa der übliche, künstliche Textilgeruch, der einen in manch anderem Kleidungsgeschäft zur Begrüßung entgegenschlägt. Damit hat es auch bei Günther Sesselmann angefangen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit. "Bei jeder neuen Kleiderlieferung schlug mir eine unangenehme, toxische Ausdünstung entgegen. Irgendwann wollte ich das nicht mehr - und habe recherchiert, woher das kommt", erinnert sich der Freisinger.

"Welt der absoluten Nachhaltigkeit" bezeichne Günther Sesselmann seinen Laden in der Freisinger Innenstadt.

(Foto: Andreas Gebert)

Die Ergebnisse dieser Recherche ließen ihn umdenken, nach und nach stellte Sesselmann sein Geschäftskonzept auf faire Kleidung um. Heute bekommt man bei Fashion & More statt Massenware deshalb Hosen aus Hanf, T-Shirts aus österreichischen Buchen und Wollpullis von glücklichen, dänischen Schafen. Die Preise liegen dabei zwar etwas über denen der billigen "Fast Fashion"-Anbieter, aber dennoch unter dem Betrag, den viele bei Bioprodukten im Kopf haben: Die günstigsten T-Shirts verkauft Sesselmann ab zehn Euro. Fair und günstig - wie geht das? "Die ganze Fast Fashion kostet die Hersteller in der Produktion noch viel weniger, nur ein paar Cent. Was wirklich auf den Preis aufschlägt, sind Werbekampagnen und der Entwurf neuer Modekollektionen im Vier-Wochen-Takt", beschreibt der Ladenbesitzer. Das wiederum seien Kosten, die faire Kleidung nicht verursache. "Und das ist unglaublich wichtig, um den biofairen Bereich günstig zu halten. Damit sich das Menschen aller Couleur leisten können."

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Seit einiger Zeit gibt es auch eine Kaffeebar im Geschäft

Zu seinen Kunden gehören dann auch Studenten ebenso wie Berufstätige und Rentner. Gerade steht ein junger Mann am Regal und schaut sich die Kaffeebohnen an. "Darf ich dich kurz fragen, warum Du Deinen Kaffee bei uns kaufst und nicht im Supermarkt?", wendet sich Sesselmann an ihn. "Ich habe einfach das Gefühl, dass Eurer einen viel intensiveren Geschmack hat - also gar nicht so sehr, weil es Bio ist", gibt der Kunde zu. Sesselmanns Augen leuchten, er nickt zufrieden. Bioqualität und Geschmack, das hänge zusammen. Genau wie bei der Kleidung und dem Geruch. Schon lange beschränkt sich Fashion & More nicht nur auf Kleidung - sondern auf mehr, wie schon der Name verrät. Die Vielfalt scheint schier endlos: Neben Kaffee gibt es auch Haarseife aus Aleppo, Bambus-Zahnbürsten, veganes Bio-Eis und Zahnputztabletten. Die große Auswahl lädt dazu ein, lange durch das Geschäft zu schlendern. Genau das ist Teil von Sesselmanns Konzept: "Ein entschleunigtes Einkaufserlebnis. Die Kunden sollen hier Zeit verbringen, sich in Ruhe umschauen und runterkommen." Seit einiger Zeit hat er deshalb auch eine Kaffeebar im Geschäft und bietet täglich Kuchen an, die er bei der "Chocolaterie Muschler" kauft. Gerade baut der Freisinger an einem Wintergarten.

Im Laden kann man erfahren, dass Bio nicht Verzicht bedeutet, sondern ein Mehr an sinnlichem Genuss. Kein Wunder, dass sogar Radfahrer aus München kommen.

(Foto: Andreas Gebert)

Ein Pärchen kommt herein und beginnt, sich ziellos im Laden umzusehen. Sesselmann grüßt sie beim Vornamen. "Darf ich Euch einen Kaffee anbieten? Und vielleicht Kuchen? Wir haben frische Birnentarte vom Muschler da." Er bittet seine Gäste, auf einem paar Sesseln zwischen Kleidungsständern, Jeans-Regalen und Umkleidekabinen Platz zu nehmen, während er den Kaffee zubereitet.

Ein Großteil der Kunden gehört zur Stammkundschaft

Genau wie das Paar ist ein Großteil derer, die in den Laden kommen, Stammkundschaft. Was das Thema faire Produkte angeht, sind sie in der Regel gut informiert und landen deshalb bewusst bei Sesselmann, der sein Geschäft selbst als "Welt der absoluten Nachhaltigkeit" bezeichnet. Sogar aus München kommen viele Radfahrer über den Isarradweg zum Kaffee trinken und Einkaufen. Immer wieder verirrt sich aber auch neues, noch nicht so aufgeklärtes Gesicht zu ihm. Schuld daran: Der Name. "Nach der Umstellung habe ich überlegt, auch den Namen zu ändern. Mit einem Öko-Namen wie 'Grüne Wiese' würde ich aber an etwa 90 Prozent der Menschen vorbeigehen", erklärt Sesselmann. Denn nach wie vor lebten nur etwa die restlichen zehn Prozent nachhaltig. "Es ist noch immer schwer, aus Idealismus einen Ökoladen aufzumachen und neben der Fast Fashion-Konkurrenz zu bestehen", weiß er.

Deshalb hat sich der Freisinger die Aufklärung zum Ziel gemacht und engagiert sich in zahlreichen Projekten mit Freisinger Schulen und im Fairen Forum. Auch, weil viele dem Label "Bio" schon lange nicht mehr trauen - zurecht, wie Sesselmann sagt. "Es ist ein offenes Geheimnis, das oft nicht Bio ist, wo Bio draufsteht. Wir wollen deshalb ein Ort sein, wo der Kunde weiß: Hier ist alles auf Herz und Nieren geprüft."

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