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In Isar und Amper:Baden auf eigene Gefahr

Die Wasserqualität in den beiden Flüssen im Landkreis bleibt ein Problem - trotz aller Bemühungen

Es ist noch ein Weilchen hin, bis das Schwimmen in freier Natur wirklich Spaß macht, doch sobald das Wetter mitspielt, stürzen sich alle ohne Bedenken ins kühle Nass - zumindest was die Badeseen betrifft. Bei den Flüssen ist freilich Vorsicht geboten. Erhält die Wasserqualität der Seen regelmäßig Bestnoten für hygienische Qualität, bleiben die Fließgewässer Schmuddelkinder. Das gilt auch für die beiden Flüsse im Landkreis, Isar und Amper. In der Isar ist das Baden seit einigen Jahren nicht mehr verboten, zumindest bis kurz vor Moosburg, bis zur Einmündung des Amperkanals. Vor dem Baden in der Amper aber warnen die Behörden. Und auch in der Isar erfolgt es "auf eigene Gefahr" - schließlich "ist sie kein offizielles Badegewässer, sondern ein Wildfluss", wie Eva Dörpinghaus, Sprecherin des Landratsamtes, betont.

Aktuelle Ergebnisse zur mikrobiologisch-hygienischen Wasserqualität der Amper liegen uns nicht vor, aus früheren Untersuchungen ist aber bekannt, dass die Grenzwerte der Badegewässerverordnung um ein Vielfaches überschritten werden", sagt Wolfgang Polz, Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt München, das auch für die Fließgewässer im Landkreis zuständig ist. Bei der Isar stellt sich die Situation anders dar. Bis 2006 sind alle Kläranlagen von Mittenwald bis Moosburg mit UV-Desinfektionsanlagen ausgestattet worden. Werden sie Mitte April für die Badesaison eingeschaltet, tötet die ultraviolette Strahlung fäkalcoliforme Bakterien aus Toiletten und Gülle zwar nicht ab, verhindert aber deren Fortpflanzung. So werden die Grenzwerte eingehalten, zumindest solange kein Hochwasser kommt.

So mancher traut aber auch der Isar nicht so recht, ist es doch mit bloßem Auge und Nase festzustellen, dass sie Farbe und Geruch nach Garching verändert. Dort spülen nicht nur die Forschungszentren ihr Abwasser in den Fluss, sondern auch das Klärwerk Marienhof. In dem endet Münchens größter Sammelkanal mit dem Abwasser von 140 000 Hausanschlüssen und 70 000 Straßenabläufen.

Warum sich Isar und Amper trotzdem massiv unterscheiden, erklärt Wolfgang Polz mit den vielen Zuflüssen der Amper und ihren Kläranlagen. Außerdem weise sie einen "deutlich größeren Anteil an landwirtschaftlichen Einzugsgebieten" auf. Um Schuldzuweisungen an die Bauern gehe es jedoch nicht, betont er: "Schließlich ist es nicht zu vermeiden, dass beim Ausbringen von Gülle oder anderen Wirtschaftdüngern auch die darin enthaltenen Keime in die Umwelt gelangen." Dass die bakteriologische Belastung verringert werden kann, zeigt die UV-Nachrüstung an der Isar. Das freilich kostet viel Geld, allein sieben Millionen Euro für die Klärwerke im Landkreis. Selbst wenn das an allen Zuflüssen der Amper geschehen würde, gäbe es dort laut Polz immer noch so viele Einträge aus Drainagen und von den Feldern, dass die Bakterienkonzentration über den Grenzwerten für Badegewässer läge. "Daher gibt es an der Amper keine entsprechenden Planungen in diese Richtung", sagt Polz. So sehr sich Isar und Amper zumindest von April bis September im Grad der Verschmutzung unterscheiden, in einem Punkt gleichen sie sich: Ökologisch sind beide Flüsse in einem schlechten Zustand. Wehre und Wasserkraftwerke machen Fischen die Wanderung unmöglich, Betonufer und Dämme sorgen dafür, dass sich die Flüsse immer tiefer eingraben und die Auen langsam austrocknen - wobei an der Isar auch hier schon einiges geschehen ist.