Immobilienpreise belasten Landkreis Den Finger in die Wunde legen

Michael Schwaiger (Lebenshilfe), Heidi Kammler, die neue Vorsitzende der Arge (AWO), Albert Söhl (BRK) und Hans-Roland Weiß (Diakonie, von links).

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum bleibt im Landkreis ein großes soziales Thema. Eine Patentlösung hat die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände nicht, aber sie sucht weiter das Gespräch mit den Kommunen.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Die hohen Lebenshaltungskosten und der eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Region sind im Jahr 2019 die großen Themen der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Landkreis (Arge) - bestehend aus Caritas, Diakonie, BRK, Lebenshilfe und der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Die Organisationen bekommen das auch selbst unmittelbar spüren. Laut BRK-Geschäftsführer Albert Söhl können oft Stellen nicht besetzt werden, weil die Wunschkandidaten keine passende Wohnung fänden.

Das Thema Wohnungsmangel beschäftigt auch die Diakonie, die das Frauenhaus und die Freisinger Interventionsstelle (IST), eine Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt, betreibt. Dort häuften sich die Fälle, erklärte Diakonie-Vorstand Hans-Roland Weiß. Zum einen rein zahlenmäßig, zum anderen, weil die Frauen durch Berichte in den Medien über verschiedene Hilfsangebote diese auch eher annähmen. Das Freisinger Frauenhaus sei fast permanent zu 100 Prozent belegt, sage er. Häusliche Gewalt sei in allen gesellschaftlichen Schichten anzutreffen, auch in der Ober- und Mittelschicht, auch dann, wenn der Mann einen gut bezahlten Job der Industrie habe, sagte Weiß weiter.

Freising Die Wohnungsnot spitzt sich zu
Politik des ständigen Wachstums

Die Wohnungsnot spitzt sich zu

Diakonie und Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit schlagen Alarm, immer mehr Menschen sind gefährdet. Überall fehlen Sozialwohnungen. Jetzt will man die Präventionsarbeit auf dem Land verbessern.   Von Mark Geiger

Das Frauenhaus ist nur eine Übergangslösung, danach wird es schwierig

Das Problem: Wenn die Frau sich aus der Gewaltspirale befreit und den Weg zur Beratungsstelle gefunden habe, sei ein Platz im Frauenhaus ja nur als Übergangslösung gedacht. Schwierig werde auf dem völlig überhitzten Immobilienmarkt in der Region dann die spätere Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. "Die Frauen, oft Alleinerziehend, sollen ja wieder selbständig werden", sagte Weiß. Der Mann habe erst mal alle Geldmittel stillgelegt, die Frau habe kein geregeltes Einkommen, und bis die Versorgung durch die öffentliche Hand anlaufe, das dauere seine Zeit. So sei man bei der Wohnungssuche chancenlos.

Den Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Landkreis bezeichnete auch Heidi Kammler von der Awo als großes soziales Problem. "Er betrifft jüngere Menschen und auch immer mehr Senioren". Wenn der Vermieter Eigenbedarf anmelde, wüssten die älteren Menschen oft nicht mehr wohin. "Schon eine kleine Wohnung kostet viel Geld, die Energiekosten steigen, das ist ein Riesenproblem, das spitzt sich von Jahr zu Jahr zu", mahnte Heidi Kammler. Sie kenne viele ältere Menschen, die wegen der Miete auch im hohen Alter noch arbeiten würden und andere Berufstätige in allen Bereichen, die einen zweiten oder sogar einen dritten Job hätten.

Eine Patentlösung gibt es nicht

Die Arge wolle darum auch 2019 bei diesem Thema immer wieder "den Finger in die Wunde legen", versicherte sie. Dem stimmte auch Michael Schwaiger zu, der in diesem Jahr den Vorsitz in der Arge turnusgemäß an Heidi Kammler von der Awo übergeben hat. Die Arge spreche beim Thema Wohnungsmangel immer wieder die Kommunen an und habe sich auch an die FMG gewandt. "Aber eine Patentlösung haben wir auch nicht", sagte Schwaiger.

Als großen Erfolg wertet es die Arge, dass mit dem Zuschuss des Landkreises in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr die Caritas-Projekte "Rentabel" und "Etappe" jetzt für die nächsten fünf Jahre gesichert seien. "Nach langem Ringen ist es uns bei einer Elefantenrunde im Landratsamt gelungen, ein tragbares Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen", sagte Michael Schwaiger. BRK-Geschäftsführer Albert Söhl fügte hinzu, es sei unbedingt notwendig, dieses Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose und psychisch Kranke weiterzuführen. Man müsse diese Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen, ihrem Tag wieder eine Struktur geben. "Das ist auch wichtig für die Gesellschaft", sagte Söhl. Bei den Zuschussverhandlungen, die in fünf Jahren wieder anstehen werden, will sich die Arge darum auch nicht als Bittsteller sehen, schließlich tue man auch etwas dafür.