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Immer mehr Eltern sind berufstätig:Ansturm auf die Hortplätze

Die Stadt Freising muss ihr Angebot früher erweitern als vorgesehen, denn Ausbau der Ganztagsschule geht zu langsam. Noch vor der Grundsteinlegung wird der Hort im neuen Steinpark aufgestockt.

Der Bedarf an Nachmittagsbetreuung für Schulkinder wächst im Landkreis Freising teilweise stark an. So muss die Stadt Freising ihr Angebot an Hortplätzen früher erweitern als vorgesehen, weil die Nachfrage so anhaltend hoch ist. Der Hauptausschuss hat am Montag deshalb beschlossen, den neuen Hort im Kinderhaus am Steinpark aufzustocken, bevor überhaupt der Grundstein gelegt ist. 40 statt 20 Plätze sollen hier von 2013 an angeboten werden - für Mehrkosten von rund 520 000 Euro.

Die Notwendigkeit dieser Entscheidung hat die Schuleinschreibung im April zutage gefördert, wie Karl-Heinz Wimmer vom Ordnungsamt der Stadt sagt. Die Hoffnung, dass der geplante Ausbau des Ganztagsangebots an den Schulen die Nachfrage nach Hortplätzen reduzieren würde, habe sich bisher zumindest in der Stadt Freising jedenfalls nicht erfüllt. Möglicherweise, so Wimmer, gehe das einfach zu langsam.

Insgesamt sei bei der Einschreibung Bedarf für 271 Plätze im Hort angemeldet worden, so Wimmer weiter. Mit den beiden neuen Gruppen, die von Herbst an im Neubau der Lebenshilfe an der Gartenstraße betrieben würden, könne man diese Nachfrage aktuell wohl decken. Die Einrichtung einer zweiten Hortgruppe im Steinpark sei zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin geplant gewesen. Weil aber absehbar sei, dass der Run anhalte, ziehe man den entsprechenden Ausbau nun vor.

Sie habe den Eindruck, dass die Eltern ihre Kinder generell lieber in einen Hort schickten als in die Ganztagsschule, sagte Grünen-Stadträtin Waltraud Heinlein-Zischgl am Montag in der Sitzung. Wimmer hat dafür auch eine mögliche Erklärung: Der Hort sei auch in den Schulferien, in denen Eltern oft arbeiten müssten, geöffnet. Die Schule eben nicht.

Doch auch die Ganztagsschul-Angebote sind sehr gefragt. An der Mittelschule in Eching etwa sind die Ganztagesklassen der Renner (Seite 4) - und am Neufahrner Oskar-Maria-Graf-Gymnasium ist die Schulleitung in diesem Jahr von der Zahl der Anmeldungen völlig überrascht worden, wie Schulleiter Franz Vogl sagt: "Das ist wie eine Explosion." In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass von den 140 neuen Fünftklässlern 65 Interesse an der Nachmittagsbetreuung in der offenen Ganztagsschule angemeldet haben. Im Vorjahr waren es bei gleich vielen Anmeldungen nur halb so viele Interessenten. In Industriegemeinden wie Neufahrn, aber sicher auch in der Stadt Freising gebe es eben viele Alleinerziehende oder Familien, in denen beide Elternteile arbeiten müssten, erklärt Vogl den Run auf die Betreuungsangebote. Und wenn in den Schulen nicht genug Platz sei, entstehe Druck auf den Hort.

Im Landkreis Freising gibt es nach Auskunft des Kultusministeriums momentan an zwei Grund- und vier Mittelschulen gebundene Ganztagszüge, das sind Klassen, die zusammenbleiben und nachmittags gemeinsam Unterricht haben oder andere pädagogische Angebote nutzen. Offene Ganztagsschulen gibt es insgesamt zwölf, dabei sind fast alle Schularten vertreten.

© SZ vom 23.05.2012
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