Im Ortsverein der SPD Zerreißprobe für die Genossen

Zurückgetretene Vorstandsmitglieder erheben schwere Vorwürfe gegen die Vorsitzende und fordern Neuwahlen

Von Johann Kirchberger

Großer Ärger bei der Freisinger SPD: Wie berichtet, sind mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Helmut Weinzierl, Kassierin Melanie Buschmann, Schriftführer Till Heckelbacher sowie den Beisitzern Benedikt Saller und Beate Dornhöfer fünf der acht Vorstandsmitglieder des Ortsvereins zurückgetreten. Grund sei die "völlig unzureichende Arbeit" der Ortsvorsitzenden Monika Zauner und deren mangelnde Unterstützung für Eva Bönig im zurückliegenden OB-Wahlkampf, wie es Stadtrat Weinzierl jetzt offen formuliert.

Im Vorstand einer Partei müsse alles gemeinsam besprochen werden, sagt Weinzierl. Und wenn man sich gemeinsam für eine OB-Kandidatin entschieden habe, sollte die auch von allen aktiv und begeistert unterstützt werden. Bei Zauner sei dies nicht der Fall gewesen, sie sei während des Wahlkampf abgetaucht, sei an keinem Infostand erschienen, weil sie das angeblich für nicht zielführend halte. Sie sei auch nicht zur Aschermittwochsveranstaltung ins VivaVita gekommen. Einsame Entscheidungen wirft ihr Weinzierl vor, so etwas sei "irritierend".

Sogar die Jahreshauptversammlung am 22. Mai habe die Vorsitzende nichtöffentlich abhalten wollen, so Weinzierl - da aber werde er nicht mitspielen, allein die Absicht sei ein Skandal. Die Arbeit von Zauner sei "absolut unqualifiziert und absolut ärgerlich". Sie sei für eine Führungsaufgabe nicht geeignet. In dieser Konstellation dürfe man nicht weitermachen, sagt Weinzierl, schließlich stünden in zwei Jahren Kommunalwahlen an und da dürfe man sich nicht einen ähnlichen Reinfall wie bei der OB-Wahl leisten. Offizielle Neuwahlen seien zwar erst im Herbst, so Weinzierl, aber so lange dürfe man nicht warten, jetzt müssten Konsequenzen gezogen werden. Er wolle keine Rücktrittsforderung erheben, aber ein Rücktritt der Vorsitzenden wäre die natürliche Konsequenz. Bei Zauner vermisse er aber jegliches Problembewusstsein. Wenn Eva Bönig klage, sie sei bei der OB-Wahl im Stich gelassen worden, könne er dies durchaus nachvollziehen.

Weniger zurückhaltend ist die ehemalige SPD-Stadträtin Jutta Radojkovic. Zauner sollte schnellstens zurücktreten fordert sie. Sie habe Bönig zwar Unterstützung zugesagt, davon aber sei nie etwas zu spüren gewesen. Bodenlos sei das, was da abgelaufen ist, "ich bin stocksauer". Die Freisinger SPD sei am Ende, stellt sie nüchtern fest, "wenn nicht bald was passiert, gibt es Austritte".

Auch Beisitzer Benedikt Saller begründet seinen Rücktritt damit, dass die Vorsitzende im Wahlkampf nicht in Erscheinung getreten sei. Sie habe zudem Entscheidungen "über unsere Köpfe hinweg" getroffen, sei nie auf Kritik eingegangen, "und damit haben wir ein Problem gehabt".

Wer die Arbeit im Ortsverein übernehmen könnte, dazu wollten sich Weinzierl und Radojkovic nicht äußern, "wir sind in Gesprächen", sagt Weinzierl. Er sei jedoch optimistisch, dass es zu einer Lösung kommen werde. Keine schmutzige Wäsche waschen will Eva Bönig. Die Rücktrittswelle bezeichnete sie jedoch als "absehbar und nötig". Von ein paar Leuten sei sie hervorragend unterstützt worden, von anderen nicht. Auch zu den Gerüchten, sie wechsle von der SPD zu den Grünen, will sie nicht näher eingehen. "Ich befinde mich momentan in einer Findungsphase", sagt sie, man solle ihr die Chance geben, "meinen Standpunkt zu überdenken".

Monika Zauner selbst bleibt dabei, dass ihre Vorstandskollegen aus Zeitmangel und wohl auch aus Enttäuschung über das schlechte Wahlergebnis zurückgetreten seien. Alle anderen Gründe seien vorgeschoben. Innerhalb der Vorstandschaft seien stets alle Themen offen diskutiert worden, auch bei der Verabschiedung des Wahlprogramms von Eva Bönig im November sei sie dabei gewesen. Sie habe ihre Kollegen auch mehrmals gefragt, ob sie eine andere Vorsitzende wollten, "aber da ist nichts gekommen". Ihr geringes Engagement im Wahlkampf liege daran, dass sie im Februar im Vorzimmer von OB Thalhammer gearbeitet habe und sich deshalb zurückhalten musste. Am 22. Mai werde es auf alle Fälle Neu- oder Nachwahlen geben.