CSU im Kardinal-Döpfner-Haus Volles Haus beim Schlossgespräch

Erich Irlstorfer (CSU, l.) mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) vor dem Kardinal-Döpfner-Haus.

(Foto: Juergen Brinkmann)

CSU-Bundestagsabgeordneter Irlstorfer spricht mehr als drei Stunden lang mit Edmund Stoiber und Florian Herrmann über Politik.

Von Nadja Tausche, Freising

"Ein Leben für die Politik - gestern und heute", das war das Thema beim jüngsten Schlossgespräch im Kardinal-Döpfner-Haus auf dem Domberg. Der Saal war voll, immerhin war ein hochkarätiges Podium angesagt. Eingeladen hatte der örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer - und dies Gäste, bei denen das Thema passte: Denn ein Leben für die Politik, das hat er offensichtlich gehabt und hat es immer noch, der ehemalige Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber. Der zweite Gast war Florian Herrmann, Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Freising und seit März Leiter der Bayerischen Staatskanzlei.

Ebenfalls mit dabei waren der Freisinger Alt-Oberbürgermeister Dieter Thalhammer (SPD) sowie Vertreter aus Jungen-, Frauen- und Seniorenunion. Den ersten Lacher des Abends sicherte sich Edmund Stoiber bei der Frage nach seinem früheren Berufswunsch. Erst habe er Fußballer werden wollen, meinte er, später dann Pilot, und fügte an: "Das hört sich in Freising vielleicht ein bisschen komisch an." Recht schnell ging das Gespräch aber dann weg von der Kindheit, hin zu Stoibers früherer Arbeit in der Bayerischen Staatskanzlei. Ihm sei aufgetragen worden, unbedingt nach folgender Geschichte zu fragen, meinte Irlstorfer: Ob Franz Josef Strauß ihn wirklich einmal an Heiligabend beruflich angerufen habe. "Ja, 1987 war das", antwortete Stoiber: Am Nachmittag sei er bei Strauß zu Besuch gewesen, um etwa neun Uhr abends kam dann der Anruf des Ministerpräsidenten: "Von Weihnachten hat er gar nichts gesagt, sondern dass der Botschafter der Sowjetunion ihm eine Einladung von Gorbatschow überbracht habe", erzählte Stoiber. Das müsse sofort vorbereitet werden.

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Auch die aktuelle Politik war Thema bei der Veranstaltung, unter anderem der Konflikt mit der Schwesterpartei CDU. Die Gäste stellten sich dabei hinter Innenminister Horst Seehofer (CSU). Der habe da etwas losgetreten, meinte Edmund Stoiber zu Seehofers Forderung, Geflüchtete an der Grenze zu Österreich abzuweisen, wenn sie schon in einem anderen Land Europas registriert sind. Durch dessen Initiative wolle man das Problem in Europa jetzt wirklich angehen. Herrmann und Irlstorfer merkten an, man müsse die Politik der CSU stärker durchsetzen, weil die Menschen, ihrer Meinung nach, dahinterstünden.

Ansonsten zogen sich drei große Themenblöcke durch den Abend: Man müsse in Europa stärker zusammenarbeiten, sagte Stoiber, unter anderem, um eine gemeinsame Antwort auf die derzeitige Politik Amerikas geben zu können. Außerdem wies der ehemalige Ministerpräsident auf den Werdegang Deutschlands hin: Das Land habe sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges unglaublich entwickelt, vor allem wirtschaftlich, das müsse man sich immer wieder bewusst machen. Und: Es sei wichtig, hart zu arbeiten und etwas aus sich zu machen, bemerkte Stoiber immer wieder.

Zu den lokalen Themen hin ging es zum Schluss der Veranstaltung. Wie denn die Politiker zur dritten Startbahn am Münchner Flughafen stünden, wollten gleich zwei Besucher aus der Region wissen. Die Frage beantwortete Herrmann: Die Position der Ortsverbände im Landkreis Freising sei schon seit Beginn der Diskussion gegen eine dritte Startbahn, meinte er. Denn die Hauptbelastung würden die Freisinger tragen, die positiven Entwicklungen seien aber vorrangig nicht für Freising wichtig. Vor allem sehe er es als wichtig an, Grenzwerte für die Feinststaubbelastung zu schaffen. "Man kann nur Grenzwerte einhalten, wenn es Grenzwerte gibt", so Herrmann. Damit die Messungen Sinn machten, sei man deshalb dabei, eine Datenbasis anzulegen. Das war gleichzeitig das Schlusswort der Veranstaltung, die insgesamt dreieinhalb Stunden dauerte, mehr als doppelt so lange wie geplant. Aber, wie Irlstorfer es ausdrückte: Man habe ja auch selten so hochkarätige Gäste.

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