Erfolg für "Chiave":Freisingerinnen besser als 2700 andere Jungmusiker

Erfolg für "Chiave": Intensive Proben: (von links) Elisabeth Fußeder, Felicitas Höfler, Miriam Fußeder, Anna Sutor, Lisa Seidel, Cordula Kraetzl und Franka Weidlich sind mit dem Ensemble "Chiave" sehr erfolgreich.

Intensive Proben: (von links) Elisabeth Fußeder, Felicitas Höfler, Miriam Fußeder, Anna Sutor, Lisa Seidel, Cordula Kraetzl und Franka Weidlich sind mit dem Ensemble "Chiave" sehr erfolgreich.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Bayerische Rundfunk hat schon Interesse bekundet: Bei "Jugend musiziert 2017" haben die sieben Mädchen vom Ensemble "Chiave" auf Bundesebene gleich mehrere Preise gewonnen.

Von Marlene Krusemark, Freising

"Chiave", das kommt aus dem Italienischen und bedeutet Schlüssel. "Die Symbolik hat uns gefallen - der Schlüssel zur Musik", erzählt Franka Weidlich. Alle sieben Mitglieder des Mädchenensembles der Freisinger Dommusik tragen eine Kette mit einem Notenschlüssel um den Hals - ein Glücksbringer, der ihnen schon einige Türen geöffnet hat.

Die sieben Freisingerinnen von "Chiave" konnten sich dieses Jahr beim 54. Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Paderborn gegen etwa 2700 Teilnehmer behaupten. Sie gewannen nicht nur den ersten Preis in der Kategorie Neue Musik in ihrer Altersgruppe, sondern auch zwei Sonderpreise: den der Bundesapothekerkammer für besondere musikalische Leistungen sowie den Sonderpreis der Stadt Paderborn. Beide sind mit Konzertauftritten verbunden, auch der Bayerische Rundfunk hat Interesse an dem Mädchenensemble bekundet.

Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von Kirchenmusikerin Angelika Sutor und Dommusikdirektor Matthias Egger, bei leiten auch die Kinderkantorei des Domchors. "Auf die Befürchtung hin, dass die Großen die Lust am Singen verlieren und abspringen könnten, bat ich separat ein paar Kinder, die Lust hatten, jede Woche noch ein zweites Mal zu kommen", erzählt Sutor. Das waren die Anfänge von Chiave - damals noch in ein Vierer- und ein Dreier-Ensemble aufgeteilt und in etwas anderer Konstellation als heute. 2013 nahmen sie zum ersten Mal an "Jugend musiziert" teil, wo beide Gruppen es bis in den Landeswettbewerb schafften und in ihren jeweiligen Altersgruppen den ersten und zweiten Preis belegten. Nach diesem Erfolg schlossen sich die beiden Gruppen zu einem Vokalensemble zusammen.

Sieben Mädchen sind "Chiave": Miriam und Elisabeth Fußeder, Felicitas Höfler, Cordula Kraetzl, Anna-Katharina Sutor, Franka Weidlich und Lisa Seidel

Die Mädchen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt, die jüngste ist Miriam Fußeder, die älteste ihre Schwester Elisabeth. Außerdem gehören Felicitas Höfler, Cordula Kraetzl, Anna-Katharina Sutor, Franka Weidlich und Lisa Seidel mit dazu. Sie verstehen sich untereinander alle sehr gut, "wie Schwestern", sagen sie übereinstimmend und lachen. Herausforderungen sind die Mädchen gewöhnt: "Wir singen in sehr vielen verschiedenen Sprachen - die wir zwar eigentlich alle nicht fließend beherrschen, aber irgendwie klappt es. Nicht nur auf Englisch, Latein und Französisch, auch mal auf Finnisch, Baskisch oder Slowenisch", so Cordula Kraetzl. Für "Jugend musiziert" mussten sie sich dieses Jahr auf eine besondere Aufgabe einlassen: "Die Kategorien für das Repertoire des Regionalwettbewerbs ändern sich jährlich. Heuer gab es kein Vokal-Ensemble, deshalb musste ich ein Schlupfloch finden und meldete die Mädchen in der Kategorie Neue Musik an", erzählt Sutor.

Da gebe es eine Bedingung: Neue Musik müsse im Stil deutlich vom 19. und 20. Jahrhundert abweichen. Die Jury habe von fünf Stücken nur eins für den Landeswettbewerb zugelassen. Die Bedingung, die von Seiten der Jury nun an die Teilnahme von "Chiave" zum Bundeswettbewerb geknüpft war, hieß: ein neues Repertoire. Dafür hatten das Ensemble und Angelika Sutor acht Wochen Zeit. Die Leiterin kontaktierte Peter Wittrich von der Hochschule für Musik und Theater München. "Der sagte zu mir, eigentlich möge er neue Musik nicht, aber er werde in seiner Komposition diese aufs Korn nehmen." Woche für Woche schickte er neue Takte an Sutor, die Gruppe entwickelte dazu eine Choreografie aus Klatschen, Tanzen und anderen Bewegungen. Um in kürzester Zeit so viele neue Stücke zu lernen, probten sie fast jeden Tag mehrere Stunden. "Natürlich hatten wir auch Angst davor, es nicht zu schaffen", sagt Cordula Kraetzl. "Aber wir waren alle so glücklich, zugelassen worden zu sein, dass wir sehr motiviert waren", ergänzt Miriam Fußeder.

"Ich habe gehört, wie einige Eltern meinten, das sei doch einfach nur Lärm und habe keine Melodie"

Neue Musik sei ein ganz anderer Stil, als das was sie vorher gesungen hatten. Oft müsse man einfach anfangen zu stampfen oder zu schreien. Das sei am Anfang recht spannend gewesen, schildern die Mädchen. Die alten Stücke klängen schöner, die neuen lustiger: "Ich habe gehört, wie einige Eltern meinten, das sei doch einfach nur Lärm und habe keine Melodie."

Ob sie sich den Gesang für ihre berufliche Zukunft vorstellen könnten? Da sind sich die Mädchen einig: Prinzipiell ja, es sei aber eben ein Künstlerberuf mit nicht zwingend festem Einkommen, deshalb hielten sie sich das offen. Ambitioniert sind sie allemal - jede macht nebenher Sport und spielt mindestens ein Instrument. Saxofon habe sie sich einfach so in den Sommerferien beigebracht, weil sie "unbedingt in der Bigband spielen wollte", sagt Cordula Kraetzl. Sie und Anna Sutor beherrschen beide sogar fünf Instrumente.

© SZ vom 06.07.2017/zim
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