Hygieneskandal bei Großbäckerei Müller-Brot meldet Insolvenz an

Das von schweren Hygieneproblemen gebeutelte Unternehmen Müller-Brot ist insolvent. Dies bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Landshut der "Süddeutschen Zeitung". Zuletzt hatte die Großbäckerei immer mehr Aufträge verloren, unter anderem von Aldi-Süd.

Von Katja Riedel

Die Firma Müller-Brot hat am Donnerstag Insolvenzantrag am Amtsgericht in Landshut eingereicht. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts der Süddeutschen Zeitung. Zuvor hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Nachricht publik gemacht und vor dem möglichen Verlust von bis zu 1100 Arbeitsplätzen gewarnt. Der Rechtsanwalt Hubert Ampferl aus Nürnberg wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Müller-Brot war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Zuvor war am Mittwoch bekannt geworden, dass Müller-Brot nach Lidl nun auch noch den Großauftrag von Aldi-Süd verloren hatte. Noch bei der Betriebsversammlung am Samstag hatte einer der Geschäftsführer den etwa 1100 Bediensteten versprochen, dass die Löhne sicher seien.

Der Hygieneskandal hatte noch am Donnerstagmorgen den bayerischen Landtag beschäftigt. Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) verteidigte im Umweltausschuss das Handeln der Behörden im Fall Müller-Brot. Das Unternehmen habe rücksichtslos gegenüber Verbrauchern und Mitarbeitern gehandelt, die Behörden hingegen konsequent, sagte Huber.

Die Opposition sah das anders. Auf einen Dringlichkeitsantrag der SPD hin mussten sich nicht nur der Minister, sondern auch der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, sowie der Freisinger Landrat Michael Schwaiger (FW) mehr als drei Stunden lang den Fragen stellen.

Einig war man sich im Ausschuss nur, dass Müller-Brot selbst der Hauptschuldige des Hygieneskandals sei. LGL und Landratsamt hätten dem Unternehmen viel früher mit der Veröffentlichung der Kontrollergebnisse drohen müssen, um Druck zu erzeugen, sagte der Ausschussvorsitzende Christian Magerl (Grüne). Spätestens seit die Staatsanwaltschaft ermittelte, seit Mai 2011, hätte das Lebens- und Futtermittelgesetz dies erfordert.

Aus dem Vortrag von LGL-Chef Zapf geht hervor, dass auch die Staatsanwaltschaft Landshut die Produktionsräume von Müller-Brot am 4. Juli 2011 durchsuchte - kurz bevor dem Abteilungsleiter des LGL der Geduldsfaden riss und das Amt mit seiner Spezialeinheit die Geschäftsführung "richtig an den Haken genommen" habe. Die habe sich weiter unkooperativ gezeigt: Es habe von 22.September bis 7.Dezember gedauert, einen Termin bei der Regierung von Oberbayern zu finden, bei dem auch das Ministerium mit einem Geschäftsführer sprach.

Erstmals waren am 2. Oktober 2010 gravierende Mängel gefunden worden. Schon im März desselben Jahres war eine Produktlinie vorübergehend stillgelegt worden. Eine Gesundheitsgefahr, betonte Zapf, habe in keinem Fall bestanden. "Aber wüsste der Kunde, dass die Waren unter unhygienischen Bedingungen entstanden seien, hätte er sie nicht gekauft", so Zapf.

"Für uns wird immer deutlicher, dass es ein gravierendes Informationsdefizit und eine nicht wahrgenommene Verantwortung des Ministers gegeben hat", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar. "Hier wurde das Unternehmen vor dem Verbraucher geschützt, aber nicht der Verbraucher vor dem Unternehmen." Das Ministerium sei seit Dezember 2010 über die Vorgänge bei Müller-Brot informiert gewesen, sagte ein Beamter des Gesundheitsministeriums.