Hygieneprobleme bei Großbäckerei Wie es bei Müller-Brot weitergeht

Sechs Wochen Großputz und immer noch nicht sauber? Müller-Brot darf die Arbeit trotz intensiver Reinigung in Neufahrn nicht aufnehmen. Warum die Produktion nicht freigegeben wird und was das für die Mitarbeiter bedeutet - Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Katja Riedel

Sechs Wochen Reinigung - und immer noch nicht sauber? Es erscheint unverständlich. Und doch haben die Kontrolleure den Betrieb von Müller-Brot nicht freigegeben. Die wichtigsten Antworten darauf, warum das so ist und wie es nun weitergeht.

Auch nach sechs Wochen Reinigung haben die Kontrolleure Schaben bei Müller-Brot gefunden. Die Produktion steht weiterhin still.

(Foto: dapd)

Warum konnte die Produktion nicht freigegeben werden?

Im Vergleich zur letzten Kontrolle am 17. Februar hätten sich zwar deutliche Verbesserungen gezeigt. Es herrsche aber noch nicht die Grundhygiene, die der Verbraucher erwartete, sagt der Freisinger Landrat Michael Schwaiger.

Schädlingsbekämpfung ist langwierig. Trotz intensiver Reinigung könnten in Ritzen und hinter Verkleidungen noch Larven leben, betont auch der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf. Nach SZ-Informationen hat Müller-Brot am Wochenende einen Experten ein Schädlingsgutachten erstellen lassen. In 500 aufgestellten Fallen befand sich demnach kein Schädling mehr. Auch die vier Teams der mehr als 20 Prüfer haben nur wenige Mängel gefunden - im Vergleich zu früheren Kontrollen, bei denen tausende Nager, Maden und Motten in den Produktionsräumen gefunden wurden.

Der SZ liegen die Listen vor, welche die Prüfer erstellt haben. Danach wurden vier tote Schaben in der gesperrten Feinbäckerei gefunden, zwei tote Schaben in einem Schaltschrank und eine noch lebende Schabe im Froster der großen Backstraße. Auch in einer Waschanlage waren zwei Schaben. Außerhalb der Produktion fanden die Prüfer Mäusekot in der Sprinklerzentrale und in einem leeren Kellerraum sowie Mäuse im Außenbereich. Ein kleiner schwarzer Fleck und Staub auf dem Fußboden wurden an einer Stelle gereinigt, genauso wie ein Ölbehälter zum Schmieren von Ketten, in dem sich zwei tote Reismehlkäfer befanden. Für zwei Produktionslinien hätte eine Freigabe erfolgen können. Das Landratsamt äußerte aber insgesamt Zweifel an der Nachhaltigkeit der Reinigung.

Warum hat es so lange gedauert, bis das Ergebnis der Kontrolle feststand?

Der vorläufige Insolvenzverwalter von Müller-Brot, Hubert Ampferl, hatte sich am Montagabend noch um Optimismus bemüht. Es seien einfach zu viele Daten, welche die Prüfer des Landratsamtes Freising, des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Regierung von Oberbayern bearbeiten musste. Trotz sechs Wochen intensiver Reinigung und Umbauten im Wert von etwa 600 000 Euro hatte sich den Prüfern kein Ergebnis geboten, das sie ohne jeden Zweifel "Ja" sagen ließ. Um 21 Uhr hatten die Behörden ihre Beratungen abgebrochen. Dienstagmorgen wurden sie wieder aufgenommen. Auch das Gesundheitsministerium wollte offenbar eine Möglichkeit haben, die Prüfprotokolle einzusehen, um eine Entscheidung für oder gegen Müller-Brot mitzutragen.

Der politische Druck war seit Bekanntwerden der hygienischen Missstände in der Großbäckerei immens. Die Opposition hatte das Handeln der Behörden deutlich kritisiert. Über eine Freigabe entscheiden musste aber letztlich das Freisinger Landratsamt. Die Entscheidung fiel auch deshalb so schwer, weil fraglich erschien, ob ein Unternehmen eine neu anlaufende Produktion einwandfrei hinbekommen würde - wenn die Präsentation trotz sechswöchiger Reinigung und ohne laufenden Betrieb nicht perfekt war. Zudem gelten viele der Produktionslinien als veraltet. Da es noch keinen Investor gab, der feste Zusagen, etwa für neue Maschinen oder Maschinenteile treffen konnte, erschien es den Behörden als zu riskant, die Produktion freizugeben.

Wie geht es jetzt weiter?

Von fünf ernsthaften Interessenten für Müller-Brot hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Ampferl zuletzt gesprochen. Diese hätten das Gesamtpaket übernehmen wollen: Bäckerei, Logistik und Filialnetz. Aus ihnen wären erst dann ernsthafte Bieter geworden, wenn die Fabrik wieder produziert hätte. Danach sieht es nicht aus. Denn jetzt ändert Ampferl, der im Namen der Gläubiger handelt und für sie etwa 30 Millionen Euro eintreiben muss, seine Strategie. Sein Augenmerk gilt dem profitablen Filialnetz. Ampferl bleibt nichts anderes übrig, als Einzelteile zu verkaufen, so auch die Vertriebslogistik. An beidem sollen sowohl direkte Konkurrenten von Müller-Brot als auch Betriebe aus andere Branchen interessiert sein. Müller-Brot betreibt selbst sowie im Franchise-Verfahren zahlreiche besonders gut platzierte Filialen, etwa an U- und S-Bahnen.

Weiter gereinigt wird wohl nicht. Die 600 000 Euro, die Hubert Ampferl für die Reinigung beschafft hatte, sind aufgebraucht. Und Teile der Gläubiger, die jetzt wieder Geld zuschießen müssten, haben dem Vernehmen nach schon zu Beginn des vorläufigen Insolvenzverfahrens mit einer Liquidation gerechnet.

Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

An einer maroden Fabrikhalle ohne Filialnetz ist wohl kein Investor interessiert. Für die Mehrheit der rund 1250 Mitarbeiter, die in Produktion und Verwaltung arbeiten, bedeutet der Verkauf einzelner Unternehmensteile wohl den Jobverlust.

Was machen die früheren Eigentümer?

Zwei Beteiligungsgesellschaften, die dem Investor Klaus Ostendorf und dessen Familie gehören, besitzen 60 Prozent der Müller-Brot GmbH. Eine Beteiligungsgesellschaft des Finanzmanagers Michael Phillips hält 40 Prozent der Anteile. Ostendorf schien nach dem Insolvenzantrag interessiert, am Unternehmen festzuhalten. Noch kurz vor dem Antrag bürgte er für die Arbeitnehmeranteile der Sozialversicherungsbeiträge persönlich mit einem Eurobetrag in Millionenhöhe. Ein Sprecher von Phillips sagte der SZ, dass dieser nicht weiter investieren wolle. Letzterer hatte die Unternehmung als private Geldanlage gesehen und war nach eigenen Angaben nicht in das laufende Geschäft eingebunden.