Hygieneprobleme bei Großbäckerei Händler trennen sich von Müller-Brot

Die von schweren Hygienemängeln gebeutelte Großbäckerei Müller-Brot darf wohl bald wieder produzieren. Nur, für wen? Handelsketten wie Lidl haben den Verkauf von Müller-Produkten bereits eingestellt. Ein weiterer Großkunde zieht nun nach - möglicherweise, weil dem Back-Unternehmen ein wichtiges Zertifikat entzogen wurde.

Von Katja Riedel

Für die Firma Müller-Brot könnte es wirtschaftlich eng werden - auch wenn am Freitag Lebensmittelkontrolleure entscheiden sollten, dass in Neufahrn wieder Backwaren produziert werden dürfen. Nach Lidl bestätigte nun auch Aldi-Süd am Mittwoch der SZ, "bereits seit einiger Zeit bis auf Weiteres den Verkauf von Produkten der Firma Müller-Brot eingestellt" zu haben.

Probleme mit der Hygiene - und nun auch mit den Händlern: Müller-Brot ist weiter in der Krise.

(Foto: dpa)

Eine Rolle könnte dabei spielen, dass Müller-Brot unmittelbar nach dem Produktionsstopp am 30. Januar ein wichtiges Zertifikat entzogen worden ist: das des International Food Standard (IFS). Dies bestätigte IFS-Geschäftsführer Stephan Tromp der SZ. Auf diesen Nachweis der Qualitätssicherung haben sich die europäischen Einzelhandelsverbände, auch der Handelsverband des Deutschen Einzelhandels, verständigt, um die Lebensmittelsicherheit von der Produktion bis zum Verbraucher zu garantieren.

Die dort organisierten Einzel-und Großhändler - etwa die Metro Group, Edeka, Rewe, Aldi, Lidl, Kaufland und Tengelmann - fordern das Zertifikat von ihren Lieferanten.

Unter den Genannten befinden sich nach SZ-Informationen mehrere Unternehmen, die mit Müller-Brot derzeit noch Lieferverträge abgeschlossen haben. Tengelmann bestätigt, diesen zu überdenken: Das IFS-Siegel sei "eine wichtige Orientierung, aber nicht unverzichtbar". Edeka sieht das Siegel grundsätzlich als Voraussetzung für Lieferanten der Eigenmarken. Bei einem Entzug würden die Gründe überprüft. Es sei auch möglich, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen.

Der IFS hatte Müller-Brot zuletzt im Mai 2011 zertifiziert. Damals waren amtliche Lebensmittelkontrolleure schon ein Dutzend Mal in dem Betrieb und hatten mehrfach "gravierende Mängel" in der Hygiene festgestellt. Dennoch bestätigte eine Zertifizierungsstelle, die das Unternehmen wie üblich selbst beauftragt hatte, einen hohen Standard. Die Firma berief sich noch am 6.Februar zum Qualitätsbeweis auf dieses Siegel.

Der IFS hat nun interne Ermittlungen aufgenommen, wie es zu dieser Bewertung kommen konnte. Zusätzlich zu zwei Stellen, die den Vorgang hausintern überprüfen, hat der IFS laut Geschäftsführer Stephan Tromp zwei Rechtsanwälte eingeschaltet. Bei Müller-Brot handele es sich um "einen bislang einmaligen Fall", sagte Tromp. Ohne den laufenden Untersuchungen vorzugreifen, wolle man allerdings betonen, dass diese Prüfung "durch menschliches Versagen im Einzelfall oder gar gezielte Manipulation" unterlaufen werden könne.

Zur Aufklärung will der IFS noch in dieser Woche die amtlichen Protokolle der Lebensmittelkontrolleure aus Freising anfordern, um diese mit der eigenen Dokumentation abzugleichen. Diese Anfrage werde man rechtlich prüfen, heißt es aus dem Freisinger Landratsamt. Grundsätzlich hätten nur Verfahrensbeteiligte das Recht auf Akteneinsicht. Ob dem IFS diese dennoch gewährt werde, liege im Ermessen der Behörde.

Während des angemeldeten Besuchs arbeitet der Prüfer einen Fragenkatalog ab. Er befragt dazu Führungskräfte, unter anderem zum Hygienemanagement.

Zusätzlich stellt er an Mitarbeiter der Produktion Stichprobenfragen und nimmt auch Proben bei den Produkten, berichtet ein Prüfer, der anonym bleiben will. "Es ist ein bisschen wie beim TÜV - die Auditoren sind erfahrene Leute und wissen, wo sie klopfen müssen." Die IFS-Zertifizierung sei "eine der anspruchsvollsten Prüfungen weltweit". Müller-Brot müsste diese nun erneut beantragen. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage nicht.