Hopfentourismus im Landkreis Freising:Ein Leben für die Dolde

Lesezeit: 3 min

KLEINWOLFERSDORF: *Wie geht Hopfentourismus* Besuch auf dem Hallertauer Hopfenerlebnishof

Daniela Blomoser ist Hopfenbotschafterin und das mit Leidenschaft.

(Foto: Johannes Simon)

Die Familie Blomoser bietet Führungen auf ihrem Hopfenerlebnishof an. Die Besucher bekommen einen Eindruck davon, wie viel Arbeit der Betrieb macht, können selber zupfen und bekommen danach ein Bier.

Von Charline Schreiber, Nandlstadt

An der Spitze einer 900 Meter langen Feldstraße, am südlichen Tor zur Hallertau, findet sich der Hopfenerlebnishof der Familie Blomoser. Erlebnishof heißt er deswegen, weil Hopfentouristen hier Einblicke in den Anbau des grünen Goldes erhalten können. Seit diesem Frühjahr ist Daniela Blomoser zertifizierte Hopfenbotschafterin und bietet Besuchern Führungen durch das Hopfenanbaugebiet der Hallertau.

An keinem anderen Fleck der Erde wird so viel Hopfen angebaut wie hier. Mit 17 000 Hektar ist die Hallertau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt, 35 Hektar davon bewirten die Blomosers. Seit 2013 hat sich der Familienbetrieb um 25 Hektar erweitert. Um sich neben dem Anbau ein weiteres Standbein aufzubauen, bietet Daniela Blomoser sowohl Führungen für Gruppen, Vereine und Betriebe als auch für Urlauber und Familien an. Begrüßt werden die Hopfentouristen mit einem Getränk, danach zeigt Blomoser ihnen den an der Erntehalle angrenzenden Hopfengarten, erzählt leidenschaftlich von der Hallertau, der Hopfenpflanze und der Ernte.

Besucher erleben die Arbeit direkt mit

Vor der abschließenden Bierverkostung können die Besucher, abhängig von der Jahreszeit, die Arbeiten am Hopfen direkt miterleben und die Dolden eigenhändig zupfen. Auf dem Hof der Familie Blomoser trennt eine Maschine die Dolden und Blätter von der Rebe. "Würden wir das in Handarbeit machen, dann bräuchten wir mindestens 200 oder 300 Leute", lacht Daniela Blomoser. Aus den abgezupften, daumengroßen Hopfendolden wird in der Verarbeitung der Brauer auch das Bier. Familie Blomoser baut auf ihren Hopfengärten die zwei Aromasorten "Perle" und "Hersbrucker" an, aber auch die Bittersorten "Magnum" und "Herkules". Ende April und Anfang Mai wurden die ausgewählten Hopfentriebe der einzelnen Sorten per Hand um den in der Gerüstanlage eingehangenen Draht gewickelt - 140 000 Mal.

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Mehrere Aromasorten baut die Familie Blomoser in ihrem Hopfengarten an.

(Foto: Johannes Simon)

Über die Frühlings- und Sommermonate erreichen Hopfenpflanzen, die zur Gattung der Hanfgewächse gehören, eine Höhe von sieben Metern. Ende Oktober wären die Ranken vom Nebel verschluckt worden, hätte die Ernte nicht bereits im September stattgefunden. 18 Tage hat die diesjährige Ernte gedauert, Tag und Nacht hat Michael Blomoser, Betriebsleiter und Ehemann von Daniela Blomoser, gearbeitet. Wenn die Dolden von den Reben getrennt sind, müssen sie noch am selben Tag getrocknet werden, die Feuchtigkeit in der Pflanze lässt sie sonst verfaulen. Im trockenen Zustand sind die Dolden feinblättrig und porös. Wenn das grüne Gold zwischen den Fingerspitzen gerieben wird, riecht es würzig, fast ein bisschen streng. Daniela Blomoser selbst riecht ihren eigenen Hopfen nicht mehr, erzählt sie, sie sei an den Geruch gewöhnt. Aber wenn sie den Hopfen anderer Bauern vor die Nase bekomme, dann nehme sie den Geruch wieder wahr.

5000 Kilo Hopfen werden geerntet

2000 Kilogramm Aromahopfen und 3000 Kilogramm Bitterhopfen lagern nach der Ernte in rechteckigen Säcken in der Erntehalle. In welchem Bier der Hopfen der Blomosers landet, wissen sie nicht. Die Ernte gehe an eine Handvoll Firmen und werde weltweit vertrieben, erzählt die Hopfenbotschafterin. Auf dem Hopfenerlebnishof ist das bekannteste Hopfenendprodukt, das Bier, eher sekundär. Daniela Blomoser geht es um die Pflanze und ihre Dolden, wie sie für eine ertragreiche Ernte gepflegt werden und wie man Schädlinge von ihnen fern halten kann.

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Aus den abgezupften, daumengroßen Hopfendolden wird in der Verarbeitung der Brauer auch das Bier.

(Foto: Johannes Simon)

Der Hopfentourismus mache es möglich, dass die Menschen von diesen Arbeitsprozessen und der körperlichen Arbeit einen Eindruck bekommen. Daniela Blomoser ist es wichtig, den Menschen die Arbeit der Landwirte und Landwirtinnen näher zu bringen. Vielen fehle der Bezug zur Landwirtschaft. Sie sei zeitintensiv, witterungsabhängig und nicht wochentaggebunden. "Wenn der Hopfen schreit, dann steht die Familie hinten an", sagt sie und betont damit auch, dass der Hopfen im Alltag der Familie immer an erster Stelle stehe. Über die Führungen könne sie so eine Brücke zwischen Produzent und Konsument schaffen.

Termine für Führungen kann man schon buchen

Im nächsten Jahr, von April bis September, bietet die Hopfenbotschafterin wieder Führungen auf dem Hof an, für die sie auch jetzt schon Terminbuchungen entgegen nimmt. Der Hof und der Betrieb werden mit der Unterstützung der Großeltern und von rumänischen Saisonarbeitern - in diesem Jahr waren es 18 in dritter Generation - geführt. Daniela Blomoser träumt davon, neben der Hopfenerntehalle ein Haus zu bauen, in dem sie sowohl die Saisonarbeiter unterbringen und verpflegen als auch Urlauber empfangen kann. Baurechtlich gebe es noch Schwierigkeiten, erklärt sie, wann die Familie diesen Schritt gehen kann, weiß Daniela Blomoser noch nicht. Urlaub auf einem Hopfenerlebnishof wie dem der Familie Blomoser wäre in der Umgebung aber etwas Neues, erzählt die Hopfenbotschafterin und sagt stolz: "Wir leben mit, von und für den Hopfen." Ganz nach dem Holledauer Sprichwort: "Wen der Hopfa amoi kratzt hod, den lasst er nimmer los."

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Wie der Hopfenanbau früher lief, darüber informieren alte Aufnahmen, die bei den Blomosers zu sehen sind.

(Foto: Johannes Simon)

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