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Hohe Auszeichnung:"Ich dachte erst, das wäre ein Witz"

Alexandra Schupp aus Zolling begeistert sich und andere für die Blasmusik.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sie hat die Verdienstmedaille der Bundesrepublik für ihr Engagement rund um die Blasmusik erhalten - so richtig fassen konnte Alexandra Schupp das nicht. Mit dem Bundespräsidenten hat sie sich dann auch unterhalten.

Alexandra Schupp arbeitet halbtags im Datenmanagement. Abgesehen davon dreht sich ihr Leben um die Musik. Die dreifache Mutter spielt im Akademischen Blasorchester, ist im Musikbund von Ober- und Niederbayern Leiterin des Bezirks München und singt nebenbei im Kirchenchor. Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement wurde Schupp mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Ich bin wohl der Typ dafür. Ich kann nicht einfach nichts machen. Zum Ausgleich lese ich viel und nähe Patchworkdecken. Da habe ich keine Verpflichtungen, die Decken verzeihen es mir, wenn ich mal nicht kann. Außerdem habe ich einen sehr verständnisvollen Mann.

Warum gerade Blasmusik?

Das hat sich irgendwie ergeben. Als Kind habe ich wohl mal eine Solistin gesehen, die Oboe gespielt hat, und beschlossen: Dieses Instrument will ich auch spielen. Damals gab es im Musikverein Zolling noch keinen Oboenlehrer, die haben dann für mich und ein paar andere einen organisiert. Seitdem hat mich die Blasmusik fest im Griff.

Können sich junge Leute heutzutage noch für Blasmusik begeistern?

Inzwischen ist es zunehmend im Kommen, es gibt es wieder mehr Jugendliche, die sich für traditionelle Sachen interessieren. Ich gehe regelmäßig mit all unseren Instrumenten in Grundschulen oder Kindergärten, um die Kinder an die Musik heranzuführen. Wenn da auch nur einer sagt, wow, dieses Instrument will ich spielen, bin ich schon glücklich. Deswegen liegt mir die Jugendarbeit besonders am Herzen. Wir haben aber sehr gemerkt, dass das Gymnasium mit dem G 8 zeitlich anspruchsvoller geworden ist. Manche Vereine arbeiten deswegen direkt mit den Schulen zusammen und integrieren sich zum Beispiel in die Nachmittagsbetreuung, ansonsten liegt der Schwerpunkt eben auf anderen Schultypen. Real- und Mittelschüler bleiben auch eher in der Gegend, sie gehen nicht zum Studieren in eine andere Stadt und sind dann weg.

Wie haben Sie erfahren, dass Sie mit der Verdienstmedaille geehrt werden?

Da kam ein Brief. Ich dachte zuerst, das wäre ein Witz, aber es war zu gut gemacht, mit goldgeprägtem Adler und allem. Dann habe ich nachgeschaut und gesehen: Das gibt es wirklich. Am Tag des Ehrenamtes durfte ich nach Berlin fahren, das war ziemlich aufregend, wir haben eine Führung durch das Schloss Bellevue bekommen. Mich hat der Bundespräsident gefragt, ob wir inzwischen elektronische Notenständer benutzen, mit einem Tablet statt Papier. Die Idee ist gar nicht so schlecht, denn Noten können auch mal im entscheidenden Moment runter fallen.

Ist Ihnen das schon mal passiert?

Mir nicht, aber in meinem Orchester hat der Dirigent mal zu weit ausgeholt und der Englischhornistin direkt vor ihrem Solo die Noten vom Ständer geworfen. Dann haben alle gewartet, während wir auf dem Boden saßen und versucht haben, das richtige Blatt zu finden.

Sie selbst waren auch schon Dirigentin.

Als ich das Nachwuchsorchester in Zolling übernommen habe, habe ich auch einen Dirigentenkurs gemacht. Das gleiche Stück kann bei unterschiedlichen Dirigenten ganz verschieden klingen, sie sind für Tempo, Rhythmus und musikalische Ausgestaltung verantwortlich. Ein Dirigent kann aber auch viel kaputt machen. Wenn irgendwo ein Ehrendirigent als Gast auftritt, schauen die Musiker lieber alle gebannt auf ihre Notenblätter.

Viele scheuen sich heute, ein Ehrenamt zu übernehmen.

Denen kann ich nur raten: Einfach mal machen, aussteigen kann man immer noch. Alle ehrenamtlichen Stellen freuen sich, auch wenn man kein Amt übernehmen, sondern einfach nur so helfen möchte. Man kann die Leute nicht mehr so sehr für etwas längerfristiges begeistern. Stattdessen gibt es eine Verschiebung in Richtung von Projekten, man arbeitet im Team an einer bestimmten Sache, ohne sich langfristig für irgendetwas zu verpflichten. Das heißt auch, dass sich andere Strukturen in Vereinen verschlanken müssen und das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Je größer Vorstandssitzungen und dergleichen sind, umso länger und weniger zielorientiert werden sie meiner Erfahrung nach. Das wirkt abschreckend. Ich hoffe aber, dass sich auch in Zukunft weiter Menschen für die Blasmusik begeistern können.

Was ist das Tolle am gemeinsamen Musikmachen?

Wir integrieren jeden. Alter, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit spielen keine Rolle, man muss nur sein Instrument beherrschen und Interesse haben. Es ist auch nie zu spät, ein Instrument zu lernen, auch meine Mutter überlegt gerade, eines anzufangen. Und unter Fußballtrainern gibt es scheinbar einen Trend, die Spieler zum Musizieren zu motivieren, weil dabei ganz verschiedene Hirnareale verknüpft werden.

Was für Musik hören Sie gerne?

Ich höre sehr wenig Musik, ich mache sie lieber. Wenn, dann aber eigentlich auch Blasmusik.

Mit Ihrer Blasmusik sind Sie auch schon ganz schön viel herumgekommen.

Ja, wir waren sogar in den USA auf einem Oktoberfest, da waren wir die "echte deutsche Blaskapelle" und es gab deutsche Pizza mit Sauerkraut drauf. Die Leute haben uns sehr herzlich aufgenommen, aber alles war voll mit Deutschlandfahnen und altdeutscher Schrift, das war ziemlich seltsam für uns. Das waren eben Auswanderer von vor dem zweiten Weltkrieg.

© SZ vom 22.01.2018/zim
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