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Heute befindet sich an dieser Stelle in Freising ein Parkplatz:Schloss im Hofgarten

Archivstück

Ein Gartenschloss der Fürstbischöfe und ein barocker Garten befanden sich einst an der Stelle, wo sich heute der Parkplatz an der Kammergasse befindet

(Foto: Stadtarchiv/oh)

Plan zu Parkanlage aus dem frühen 19. Jahrhundert ist das Archivstück des Monats

Von Florian Notter, Freising

Viel Fantasie ist nötig, um sich auf dem heutigen Parkplatz an der Kammergasse in Freising einen barocken Garten mit Gartenschloss vorzustellen. Augenscheinlich deutet nichts darauf hin, dass es dort einmal eine derartige Nutzung gab. Tatsächlich erstreckte sich auf dem Gelände vom frühen 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert der Hofgarten der Freisinger Fürstbischöfe - eine der bedeutendsten Gartenanlagen, die es in der Region gab. Ein Plan für die Gartenanlage stellt im Dezember das Archivstück des Monats dar.

Auch wenn vom Hofgarten - mit Ausnahme eines kurzen Mauerzugs - nichts mehr zu sehen ist, so können wir uns heute laut Stadtarchivar Florian Notter trotzdem ein relativ klares Bild von seiner Ausdehnung, vom Erscheinungsbild und von der botanischen Ausstattung machen. Möglich machen dies schriftliche und bildliche Dokumente, die sich in mehreren Archiven erhalten haben. Der überwiegende Teil der Unterlagen befindet sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, darunter der einzige Gartenplan von 1766 sowie die Pflanzeninventare. Weitere schriftliche Dokumente wurden zudem im Archiv des Erzbistums München und Freising überliefert.

Im Stadtarchiv Freising haben sich zwei Planzeichnungen erhalten, die das Hauptgebäude des Hofgartens, das Hofgartenschloss, wiedergeben. Auf einem Plan sind die Grundrisse des Erd- und des ersten Obergeschosses dargestellt, auf dem zweiten die Fassadenaufrisse und Gebäudeschnitte (zum zweiten Plan siehe Abb.).

Die akkuraten Federzeichnungen, die in Teilen koloriert wurden, stammen von der Hand des Freisinger Hof- und Stadtmaurermeisters und späteren Bürgermeisters Thomas Heigl. Zusammen mit seinem Vorgesetzten, Hofbaumeister Matthias Rößler, war er von 1802 an vom bayerischen Staat beauftragt worden, alle ehemaligen fürstbischöflichen Gebäude in ihrem Bestand aufzunehmen. Infolge der Mediatisierung und der Säkularisation 1802/03 war der gesamte Besitz des Hochstifts, des Domstifts und der Klöster in Freising in den Besitz des bayerischen Staats übergegangen. Dazu gehörte eben auch der Hofgarten samt dem Hofgartenschloss.

Zum Zeitpunkt, als die Pläne gezeichnet wurden, bestand das Hofgartenschloss knapp eineinhalb Jahrhunderte. Es war wohl 1668/69 im Auftrag des Fürstbischofs Albrecht Sigmund von Bayern (reg. 1651-1685) erbaut worden. In der Hauptsache diente das Gebäude der Hofgesellschaft bei Gartenfesten.

Nach dem Übergang an Bayern kaufte es die Stadt Freising, die hier unter anderem den ersten Kindergarten der Stadt, die sogenannte "Kleinkinderbewahranstalt", einrichtete. 1881 ließ die Stadt das historische Gartenschloss abbrechen, um das Gelände mit dem neuen Waisenhaus (heute "Zentrum der Familie") bebauen zu können.

Quellen: Stadtarchiv Freising, Plansammlung. Literatur: Götz, Ulrike: Freising um 1800. Ansichten und Pläne, 2003.

© SZ vom 30.11.2020/beb
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