HochwasserschutzDer Hochwasserschutz kommt nur langsam voran

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Teile von Göttschlag glichen am 2. Juni 2024 einer Seenlandschaft. Nach einem Dammbruch flutete das Wasser der nahen Amper den Allershausener Ortsteil.
Teile von Göttschlag glichen am 2. Juni 2024 einer Seenlandschaft. Nach einem Dammbruch flutete das Wasser der nahen Amper den Allershausener Ortsteil. privat

Die Anwohner beklagen ein Jahr nach den Juni-Überschwemmungen 2024, dass an Glonn und Amper bisher zu wenig passiert sei. Die Verfahren sind aufwendig, die Planungen stocken, weil die Behörden an ihre Grenzen stoßen.

Von Petra Schnirch, Allershausen

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Ein Jahr nach den verheerenden Überschwemmungen im Juni 2024 fällt die Bilanz, was sich seither beim Hochwasserschutz im Landkreis Freising getan hat, durchwachsen aus. Die Kommunen sind regelmäßig im Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt München, kleinere Verbesserungen konnten umgesetzt werden. Nach Ansicht der Betroffenen aber ist das viel zu wenig. Sie haben Angst, dass es sie bei den nächsten Extrem-Wetterlagen erneut treffen könnte. Denn dass diese durch den Klimawandel zunehmen werden, daran hegt kaum jemand Zweifel.

Die größten Hürden kristallisierten sich bei einem „runden Tisch“ mit den beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Johannes Becher und Christian Hirneis schnell heraus: Verfahren zur Verbesserung des Hochwasserschutzes sind lang und aufwendig, dem Wasserwirtschaftsamt fehlt es an Personal für weitere Planungen und das Geld ist knapp. Damit sich etwas ändert, „müssen wir weiter Steine klopfen“, bilanzierte Becher im Feuerwehrhaus in Leonhardsbuch, Gemeinde Allershausen.

Vor einem Jahr, kurz nach den Überschwemmungen, hatte er schon einmal Vertreter von Behörden, Blaulicht-Organisationen und Gemeinden eingeladen. Nun war es Zeit für ein erstes Fazit. Ein positives Ergebnis: Das Wasserwirtschaftsamt arbeitet bereits daran, die Vorhersagen zu verbessern. Das war im Juni 2024 eines der Probleme: Die Prognosen änderten sich mehrmals, nach extremen Regenfällen traf der Scheitel von Glonn und Amper die Ortschaften dann schneller als gedacht.

In Markt Indersdorf an der Glonn sei ein weiterer Pegel gebaut worden. „Das ist eine Quelle mehr“, sagte Behördenleiter Stefan Homilius. Die Daten aus dem vergangenen Jahr würden ausgewertet, vermutlich im kommenden Jahr werde man die Vorhersagen überarbeiten. Gerade bei kleineren Gewässern würden bei Extrem-Regenfällen aber Unsicherheiten bleiben.

Tagelang waren die Feuerwehren, wie hier in Hohenkammer, im Juni 2024 im Einsatz. 
Tagelang waren die Feuerwehren, wie hier in Hohenkammer, im Juni 2024 im Einsatz.  Marco Einfeldt

Christian Hirneis, umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag, führte aus, dass der Freistaat bisher vier Millionen Euro für den Hochwasserschutz ausgegeben habe, davon eine Million für Polder an der Donau. Nur 380 000 Euro seien in den natürlichen Hochwasserschutz – dazu gehören Rückhaltebecken und Flutmulden – geflossen. Dabei müsse man schon weit vor der Donau ansetzen, betonte er. Die Bürgermeister stimmten ihm zu. Ein Ort wie Allershausen lässt sich durch Deiche vor einem Glonn-Hochwasser kaum schützen. Auf einer Karte, die Hirneis zeigte, liegt ein großer Teil der Ortschaft im Überschwemmungsgebiet.

Zumindest an Glonn und Amper aber sind den Kommunalpolitikern die Hände gebunden. Zuständig für den Hochwasserschutz an größeren Gewässern ist der Freistaat. Das Wasserwirtschaftsamt aber hat zu wenig Personal, um neue Projekte anzugehen, wie Homilius sagte. „Das ist ein Riesen-Problem.“ Zudem müssten Vorhaben strikt nach einer Prioritätenliste abgearbeitet werden – entscheidend sind die Kosten und wie viele Menschen von einer Maßnahme profitieren werden. Die Gemeinden an der Glonn schneiden in dieser Einstufung schlecht ab. Dabei müsste viel getan werden: Beim Juni-Hochwasser hätte man laut einer Berechnung des Wasserwirtschaftsamts Retentionsflächen für neun Millionen Kubikmeter Wasser benötigt, um bewohnte Gebiete zu schützen.

Extrem-Hochwasser an Glonn und Amper
:Die große Angst, dass die Flut wiederkommt

Ein Jahr nach dem Juni-Hochwasser an Glonn und Amper sind die Schäden teils noch immer nicht behoben. Familien und Betriebe in Allershausen und Hohenkammer kämpfen mit den Folgen. Bessere Schutzmaßnahmen existieren bisher kaum.  Hundertprozentige Sicherheit aber wird es ohnehin nicht geben.

SZ PlusVon Petra Schnirch

Schwierig bleibt auch die Situation an der Amper. Der Allershausener Ortsteil Göttschlag stand vor einem Jahr teils unter Wasser. Ein Haus musste abgerissen werden, viele Bewohner kämpfen noch immer mit den Folgen. Die alten, niedrigen Sommerdeiche sollten früher in erster Linie landwirtschaftliche Flächen schützen. Planungen, wo die Dämme zurückverlegt werden könnten, das gesamte Projekt „Amper rhei“, das ein Konzept für den Fluss beinhaltet, ist nach einem personellen Wechsel im Wasserwirtschaftsamt ins Stocken geraten. Für Angelika Pichler, Sprecherin der Dorfgemeinschaft, ist dieser Zustand untragbar.

Sie schlug vor, die Gemeinden könnten schon vorab mit Grundstücksbesitzern reden, um deren Bereitschaft für Rückhaltebereiche auf ihren Flächen abzuklopfen. „Wir können nicht immer warten.“ Homilius wandte ein, dass man hier bei der Kommunikation viel kaputt machen könne. Ärger werde es immer geben. Allershausens Dritter Bürgermeister Josef Lerchl (SPD) fügte hinzu, dass man als Grundlage für Gespräche konkrete Pläne brauche. „Sonst bringt es nichts, zu den Leuten zu gehen.“

Zumindest an kleineren Gewässern aber können die Gemeinden tätig werden. Der Kirchdorfer Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) sprach sich dafür aus, viele kleine Maßnahmen umzusetzen, um zu verhindern, dass das Wasser schnell in die Flüsse abfließt, einiges sei bereits geschehen. „Wir müssen das Wasser in der Fläche halten.“  Lange Zeit habe man sich darüber keine Gedanken gemacht. Mario Berti (CSU), Bürgermeister von Hohenkammer, dringt darauf, dass die Einwohner ebenfalls Vorsorge treffen. Der Freistaat sollte sie hierbei unterstützen, schlug er vor. Denn „am Ende zahlen es ohnehin wieder alle“.

Kleinstrückhaltebecken werden nicht alle Probleme lösen

Die Kommunen in den Landkreisen Dachau und Freising haben beschlossen, beim Hochwasserschutz zusammenzuarbeiten. Was ihre Vorschläge bringen, will das Wasserwirtschaftsamt mit einer hydraulischen Berechnung prüfen. Mit Kleinstrückhaltebecken allein aber werde man die Probleme in Hohenkammer nicht lösen können, meinte Homilius. Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger (parteilos) wünschte sich mehr Möglichkeiten, Zugriff auf Flächen für den Hochwasserschutz zu bekommen, damit dieser nicht von Einzelpersonen blockiert werden könne. Becher sprach abschließend von einer „Marathonaufgabe“. Das Ziel erreichen könne man nur, „wenn man ständig weiterläuft“.

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