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Hochwasser:Schutz ja, aber nicht auf eigenem Grund

Fast fünf Jahre ist es jetzt her, als ein Dauerregen die Abens über die Ufer treten ließ und Ortsteile der Marktgemeinde Au unter Wasser setzte.

(Foto: Marco Einfeldt)

Für das Hochwasserkonzept ernten der Auer Bürgermeister und die Planer bei einer Informationsveranstaltung viel Kritik, vor allem von Anrainern, die Land für Dämme oder Rückhaltebecken hergeben müssten

Von Peter Becker, Au

Mit dem Ärger über Hochwasser verhält es sich ähnlich wie mit der Flut selber, die sich über Felder oder in Siedlungen ergießt. Erst schwappt die Flutwelle hoch, doch ist der Scheitel erst mal überschritten, dann läuft das Wasser ab und der Zorn legt sich wieder. Fast fünf Jahre ist es jetzt her, als ein Dauerregen die Abens über die Ufer treten ließ und Ortsteile der Marktgemeinde Au unter Wasser setzte. Zwei Jahre später gab der Gemeinderat ein Hochwasserschutzkonzept für den Fischbach und die Abens in Auftrag, das Klaus Parth vom Büro Wipflerplan am Mittwoch während eines Informationsabends vorstellte. Doch eines ist gewiss: Ob es jemals so umgesetzt wird, ist fraglich. Dies hängt nämlich von den Anrainern ab. Und die, das schimmerte bei den Diskussionsbeiträgen durch, sind nicht alle unbedingt gewillt, für den Hochwasserschutz etwas von ihren Grundstücken abzutreten.

Die Planer hatten den Fischbach bis zu seiner Einmündung in die Abens und anschließend deren Lauf bis nach Au hin untersucht. Als eine Schlüsselstelle erscheint ihnen ein Teilstück des Fischbachs bei Piedendorf. Dort könnte ein Regenrückhaltebecken entstehen. Die Höhe des Damms würde von der Sohle bis zu seiner Krone etwa fünf Meter betragen. Der Vorteil läge darin, die Menge der Wassermassen zu reduzieren, die im weiteren Verlauf in Sillertshausen und Seysdorf ankommen. Der Damm alleine würde 1,4 Millionen Euro von den auf 2,2 Millionen Euro bezifferten Gesamtkosten für das Hochwasserschutzkonzept ausmachen.

Gemeinderat Michael Hagl (GOL) riet, mit dem Damm anzufangen. Doch ein Hopfenbauer signalisierte gleich, dass er da nicht mitspielen werde. Sein Hopfengarten sei betroffen. "Da kriegts ihr keinen Grund", stellte er fest. Am liebsten hätte er gleich juristischen Einspruch eingelegt, doch das wäre ins Leere gegangen. Parth und der Auer Bürgermeister Karl Ecker (FW) hatten erklärt, dass dem Konzept jede rechtliche Grundlage fehle. Es handele sich letztlich nur um einen Vorschlag.

Relativ schnell ließen sich in Sillertshausen Maßnahmen umsetzen. Dort steht die Sanierung der Fischbachstraße bevor. Laut Parth böte sich ein Austausch der Rohre an, die unter der Brücke verlegt sind. Die sind zu eng. Sie könnten durch größere ersetzt werden. Zusammen mit dem Piedendorfer Damm könnte dies bewirken, dass das Wasser selbst bei einem hundertjährlichem Hochwasser nicht mehr an die Wohnbebauung heranreiche. Das trifft nicht auf landwirtschaftliche Nebengebäude zu, was einen Dorfbewohner ärgerte. Dieser meint ohnehin, dass das Hauptproblem ein Bauwerk in Höhe der Kapelle sei. "Das müsst ihr anpacken", riet er den Planern. In Abens genügt ein Mauerwerk, um ein Gebäude zu schützen. Auch in Seysdorf könnte ein 1,30 Meter hoher Schutzdamm entstehen. Dazu gab es keine Diskussionsbeiträge. Christina Schubert stellte zusätzlich ihr Gewässerschutzkonzept vor, das die Wasserläufe auflockern soll.

Was er glaube, was eher umgesetzt werde, fragte ein Bürger etwas provokant Bürgermeister Ecker. Der Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder das Hochwasserschutzkonzept? Ecker ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Wenn es sich so nicht umsetzen ließe, müsse man andere Lösungen suchen, meinte er.

© SZ vom 23.02.2018

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