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Hochschule:Wissenswertes über den Wald

Infoportal der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising erreicht zunehmend auch die Öffentlichkeit

Von Thilo Schröder, Freising

"In Bayern gibt es mehrere verschiedene waldpädagogische Einrichtungen. Keine ist wie die andere, da lokale Gegebenheiten für ganz unterschiedliche Schwerpunkte sorgen. Es lohnt sich also, mehrere dieser Einrichtungen zu besuchen!" So heißt es in der Einleitung eines Beitrags, den die in Freising ansässige Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) am 29. September 2020 auf dem Infoportal waldwissen.net veröffentlicht hat. Es folgt ein Fließtext, angereichert mit Bildern, Adressen und weiterführenden Links.

Zusammen mit drei anderen Einrichtungen betreibt die LWF das Portal, das nach Angaben von Sprecher Dirk Schmechel mit 280 000 Besuchern pro Monat "das meistaufgesuchteste Forstinfoportal in Europa" ist. Von einer "Erfolgsgeschichte" dieses grenzübergreifenden Projekts spricht LWF-Leiter Peter Pröbstle. Anlässlich des fünfzehnjährigen Bestehens wurde die Website jetzt mit modernen und nutzerfreundlichen Funktionen neu gestaltet.

Ziel des Portals ist es laut Schmechel, die verschiedenen Fachkompetenzen in dem eher kleinen Betätigungsfeld Forstwirtschaft zu bündeln und insbesondere für Praktiker, aber auch generell Interessierte verständlich darzustellen. "Die Forschung verfügt zwar über viel Fachwissen, dieses bleibt jedoch häufig innerhalb eines begrenzten Kreises und findet zu selten den Weg in die Praxis", schreibt die LWF in einer Pressemitteilung.

Seit dem Start 2005 ist das Portal um ein Vielfaches gewachsen, es stehen dort mittlerweile etwa 2800 Artikel zu verschiedensten Waldthemen frei zugänglich zur Verfügung. Wöchentlich erscheinen neue Beiträge. Zu Stichworten wie Waldreservate, Energieholz oder nicht heimischen Baumarten findet sich genauso Lesenswertes wie zum Thema Waldboden, zu Forstgeschichte oder zu Waldpädagogik.

Die Artikel auf dem Portal basieren in der Regel auf bereits veröffentlichten Forschungsbeiträgen der herausgebenden Einrichtungen. Neben der LWF zählen dazu das Wiener Bundesforschungszentrum für Wald, die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit Sitz in Freiburg und die schweizerische Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf; dazu kommen vier externe Partnereinrichtungen aus Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Nancy-Lorraine in Frankreich.

Dass neben den beiden deutschen öffentlichen Anstalten die österreichische und die schweizerische Einrichtung jeweils keine staatlichen Behörden, also prinzipiell unabhängig sind, führt nach Ansicht von Schmechel zu einer großen perspektivischen Vielfalt. Ökonomische, eher nutzenorientierte Wissenschaftsperspektiven auf ein Thema könnten so durchaus neben eher kritischen Naturschutzperspektiven stehen. In der Summe ergebe sich so etwas wie ein objektives Bild vom Wald, glaubt Schmechel.

Für waldwissen.net würden die Beiträge redaktionell bearbeitet, komplexe Grafiken teils herausgenommen und der Umfang insgesamt "deutlich komprimiert", auf im Schnitt umgerechnet zirka drei Textseiten. "Das kann man noch eher mal lesen als einen 20-seitigen Forschungsbericht", sagt Schmechel mit Verweis auf kürzere Aufmerksamkeitsspannen im Netz und ein heute diverseres Publikum.

Zwar komme die Hauptzielgruppe des Portals nach wie vor aus der forstlichen Praxis, sei also etwa als Förster, Waldökologin oder Forstwissenschaftler tätig. Es fänden jedoch zunehmend die "interessierte Öffentlichkeit" oder auch Lehrkräfte von Schulen ihren Weg auf das Informationsportal. Aufgrund dieser Entwicklung lässt sich die Artikelsuche im neu gestalteten Auftritt unter anderem nach Zielgruppe und Dokumenttyp eingrenzen. Wer weniger Vorwissen hat, kann auf "Waldinteressierte Öffentlichkeit" klicken und bekommt leichtere Lesekost serviert. Wer Stoff für den Unterricht benötigt, sucht über "Lehrmittel". "Viele Lehrkräfte schätzen das sehr", sagt Schmechel. Außerdem ist die Plattform nun für die Ansicht am Tablet und Smartphone optimiert.

Die meisten Einträge sind in deutscher Sprache verfasst, bedingt durch die mehrheitlich deutschsprachigen Herausgeber und Partner. Aber auch etwa 200 bis 250 englische und zirka 350 französische und italienische Artikel seien dort veröffentlicht, sagt Schmechel, vorrangig aus der mehrsprachigen Schweiz.

Dass waldwissen.net eine Erfolgsgeschichte ist, verdeutlichen Lesebewertungen (im Punktesystem) und Kommentare unter den Beiträgen. "Es gibt sehr viele positive Bewertungen", sagt Dirk Schmechel. "Wenn Artikel bewertet werden, dann sind sie im Schnitt bei vier von fünf Punkten."

© SZ vom 08.10.2020

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