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Hochschule will Lösungswege aufzeigen:Kampf gegen den Klimawandel

Wissenschaftler fordern Umbau des Waldes

Hitze, lange Trockenperioden und der Borkenkäfer machen den Wäldern auch in unserern Breitengraden zu schaffen. Der Klimawandel erfordert deshalb einen Waldumbau - auch damit werden sich die Studierenden des neuen Masterstudiengangs an der HSWT befassen.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf bietet im Wintersemester den neuen Masterstudiengang "Klimawandel-Management" an. Das Angebot ist zunächst auf 31 Plätze beschränkt und soll fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.

Der Kampf gegen den Klimawandel zählt zu den ganz großen Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) reagiert darauf und bietet vom Wintersemester an den neuen Masterstudiengang "Climate Change management" an, der Naturwissenschaften und Anwendungsorientierung auf neue Weise kombiniert. Als grüne Hochschule wolle die HSWT einen Beitrag zur Bewältigung der Folgen durch den Klimawandel leisten, sagt Präsident Eric Veulliet. Für ihn erfülle sich mit der Einführung ein Wunschtraum.

"Derzeit stehen alle unter dem Corona-Schock, der Klimawandel ist aber nicht weg, er bleibt das Problem", sagt Matthias Drösler, Professor für Vegetationsökologie an der HSWT - "und es betrifft uns alle". Er übernimmt die Koordination des fakultätsübergreifenden, englischsprachigen Studiengangs. Ebenso wie Veulliet befasst sich Drösler seit vielen Jahren mit dem Thema. Als Experte des Weltklimarates IPCC und Leitautor für "wetland supplement" machte sich der Moor-Spezialist auch international einen Namen im Bereich Klimafolgenforschung. Eric Veulliet gründete und leitete in Innsbruck das alpS-Zentrum, das sich intensiv mit den Auswirkungen der Klimaveränderungen befasst, bevor er 2017 als neuer Präsident der HSWT nach Weihenstephan kam.

Alle Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden

Um eine Begrenzung der Erderwärmung auf nicht mehr als zwei Grad zu erreichen, müssten alle Ressourcen genutzt werden, sagt Drösler. Die HSWT wolle dazu einen Beitrag leisten. "Uns geht es darum, junge Leute ganz pragmatisch, aber wissenschaftlich fundiert zu Klimaschutz und Klimaanpassung auszubilden." Der Masterstudiengang sei deshalb sehr umsetzungsorientiert. Es gehe hier nicht darum, "den letzten Eisbohrkern zu analysieren", sondern Lösungen aufzuzeigen. Die HSWT schließe damit eine Lücke in der Hochschulausbildung im Süden Bayerns.

Der Studiengang ist zulassungsbeschränkt, die HSWT bietet 31 Plätze an. Dies sei ein Anfang, sagt Veulliet, den Bedarf werde man damit nicht decken können. Für ein ähnliches, aber weniger anwendungsorientiertes Angebot an der Uni in Bayreuth habe es bei 30 Studienplätzen 300 Bewerbungen gegeben.

Etwa 18 Professoren und Dozenten aus den Fakultäten Landschaftsarchitektur, Wald und Forst sowie Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme sind eingebunden, außerdem externe Lehrbeauftragte. Der Master "Climate Change management" richtet sich an Bachelor-Absolventen aus den Umwelt- oder Landnutzungswissenschaften, zum Beispiel aus der Landschaftsplanung, den Forst- und Agrarwissenschaften, der Umweltsicherung oder der Biologie.

Die Studierenden beleuchten unterschiedliche Aspekte

In einem ersten Block sollen die Studierenden ein Thema aus ihrem Herkunftsland aufbereiten, zum Beispiel zu Problemen durch eine zunehmende Trockenheit. Außerdem werden sie in Form eines Projekts in Regionen analysieren, wie sich der Klimawandel dort bisher auswirkt. In einer Ringvorlesung, den "Climate Talks", werden ganz unterschiedliche aktuelle Aspekte beleuchtet, auch durch externe Experten. Fit gemacht werden die jungen Leute auch in Fachgebieten wie Statistik oder Dendrochronologie. Vom zweiten Semester an geht es dann darum, dieses Handwerkszeug zu nutzen und Lösungen zu entwickeln, etwa für einen Waldumbau oder eine Landschaftsgestaltung, die mit Trockenphasen oder aber starken Regenfällen besser zurecht kommt. Die Masterarbeit sollen die Studierenden in ihren Heimatländern schreiben.

Auslöser für das neue Angebot war der "Future Day" an der HSWT - laut Veulliet ist darunter ein Prozess zur Neuausrichtung der Studiengänge auf zukunftsfähige Themen zu verstehen, der im Oktober 2018 gestartet wurde. Angesichts des Fächerportfolios der Hochschule sei es eine logische Entwicklung, dass daraus ein Studiengang zum Klimaschutz hervorgegangen ist. Drösler ist überzeugt, dass der neue Master einen "großen Mehrwert" habe, weil er nicht nur die Probleme, sondern auch Lösungsansätze aufzeigt. Er solle den jungen Leuten Klimaschutz- und Anpassungsmöglichkeiten vermitteln. "Das riesige Damoklesschwert wird in kleine Einheiten zerlegt." Klar sei aber auch: "Das ist kein Spaziergang, sondern Halbmarathon oder sogar Marathon." Dafür müssten alle Ressourcen genutzt werden.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.hswt.de/studium/studiengaenge/mcc.html

© SZ vom 10.06.2020/av

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