Heimatverein Führung in der alten Neufahrner Kirche

Im 17. und 18. Jahrhundert war die alte Neufahrner Kirche Ziel von bis zu 50 Pilgergruppen pro Jahr, die zur Heiligen Wilgefortis oder Kümmernis beten wollten. Heute noch ist sie "eine der prächtigsten Kirchen im Landkreis Freising", findet Ernest Lang, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Am Sonntag, 21. Oktober, um 14 Uhr bietet er eine Führung an.

Besondere Aufmerksamkeit bekommt dann einmalder romanische Christus aus dem zwölften Jahrhundert, der zu den ältesten Holzplastiken Bayerns gehört. Weil er eine goldene Königskrone und ein langes Gewand trägt, wurde er Ende des 16. Jahrhunderts in der Legendenfigur der Heiligen Wilgefortis umgedeutet: Wilgefortis soll die Tochter eines heidnischen Königs gewesen sein, die sich heimlich als Christin taufen ließ. Als ihr Vater sie mit einem Königssohn verheiraten wollte, der sich als Christenverfolger hervorgetan hatte, bat sie Christus um Hilfe. Dieser ließ Wilgefortis einen Bart wachsen, so dass ihr Bräutigam sie nicht mehr wollte. Der Vater, der inzwischen von der Taufe der Tochter erfahren hatte, ließ Wilgefortis darauf wie Christus ans Kreuz schlagen. Diese Legende hat 1607 der Neufahrner Kaplan Gregorius Hörll aufgeschrieben. Er berichtet auch von mehr als 40 Wundern, die er in Neufahrn selbst erlebt habe. Nicht nur Knechte, Mägde oder Bauern pilgerten zur Wilgefortis, sondern auch der Freisinger Fürstbischof Veit Adam.